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Serie (31)

28.04.2019

Die Stadt ist voll mit der Kunst von Hans Bühler

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4 Bilder
Der Bildhauer 1947 mit der von ihm für die Johanneskirche gehauenenen Christusfigur
Bild: Bühler/Repro: Ranft

Der Maler und Bildhauer Hans Bühler schuf für Neu-Ulm zahlreiche Werke. Doch so manches ist heute verborgen

Zwischen April und September 2019 feiert Neu-Ulm sein Jubiläum „150 Jahre Stadterhebung“. Die Neu-Ulmer Zeitung, die heuer 70 wird, tut in diesen Monaten ein paar Blicke in die Vergangenheit der Kommune, in ihre Gegenwart und – so weit möglich – in die Zukunft. Heute: Der Bildhauer Hans Bühler.

„Der Prophet gilt nirgend weniger denn in seinem Vaterlande und in seinem Hause“, hat der Evangelist Matthäus einen Ausspruch Jesu Christi festgehalten. Kaum einen Neu-Ulmer möchte diese Erkenntnis treffender beschreiben als den 1974 gestorbenen Maler und Bildhauer Hans Bühler. Die Stadt ist übersäht mit Werken von seiner Hand. Doch kaum jemand weiß den Namen ihres wahren Schöpfers – des Mannes, der den Handelsgott fürs Sparkassenportal Auf der Insel gegossen, Edwin Scharffs „Männer im Boot“ auf den Sockel am Rathausplatz sowie den Geflügelten Löwen auf die Mauer vor der Johanneskirche gestellt hat.

Hans Bühler wurde am 22. Januar 1915 als Sohn eines Ulmer Hefehändlers und Bierbrauers in Neu-Ulm geboren. Mit seinen Eltern Rosina und Johannes lebte er anfangs in einer Wohnung im damaligen Feuerwehrgerätehaus an der Gartenstraße, der heutigen Musikschule. Später wohnte er mit seiner Ehefrau Irene jahrzehntelang in einem eher unscheinbaren Häuschen am Schützenhöfle.

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Lehre als Maler und Anstreicher, später wurde sein Schwerpunkt aber ein anderer

Seine Werkstatt lag nah dem Neu-Ulmer Friedhof. Eine seiner ersten Arbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg – ein Männerkopf für den Ulmer Pflughersteller Eberhardt – hatte ihm die für jene Zeit stolze Summe von 300 Mark eingebracht. Der Betrag reichte, um die Arbeitshütte eines ehemaligen Glasbrenners zu erwerben, in der fortan seine Arbeiten entstanden.

Schon früh hatte Bühler angefangen, kleine Figuren aus Ton zu modellieren. Mit dem Schulabschluss nahm er jedoch erst mal eine Lehre als Maler und Anstreicher auf. Die Kunst der Bildhauerei, die später zum Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit werden sollte, brachte er sich allerdings selbst bei. Nach Abschluss der Malerlehre wurde er 1935 für sechs Monate zum Reichsarbeitsdienst einberufen und in Neu-Ulms heutiger Partnerstadt Meiningen eingesetzt. Im folgenden Frühjahr kehrte er an seinen Wohnsitz zurück. Mit 23 Jahren formte er zum 50. Geburtstag Adolf Hitlers ein Halbrelief mit einem Porträt des Reichskanzlers, das unter Kunstsachverständigen jener Zeit für Aufsehen sorgte.

Seine Aufträge erhielt Künstler Hans Bühler vor allem von Neu-Ulm und Ulm

Als Soldat der Wehrmacht traf es Bühler im Krieg verhältnismäßig günstig. Im von deutschen Truppen besetzten Paris wurde er bei einem französischen Kunstmaler einquartiert, der ihm im Gebrauch von Pinsel und Malkreide weiterhalf. Selbst sein Kompaniechef bewies Verständnis fürs Künstlerische. Er nahm selbst auch schon mal gern den Zeichenstift in die Hand und porträtierte seinen Landser Bühler. Aus dem Kriegseinsatz kehrte Bühler wohlbehalten an seinen Geburtsort zurück. Als freischaffender Künstler konnte er nun von seiner Hände Arbeit leben.

Aufträge erhielt er von Privatpersonen, vor allem aber von den Städten Neu-Ulm und Ulm. Seine Heimatstadt verdankt ihm ihren allerersten Brunnen überhaupt. Ursprünglich hatte das der Stadt am 3. Februar 1857 verliehene und von Bühler später in Stein gehauene Wappen die Sparkassenfront auf der Insel auszeichnen sollen. Es zeigt einen Schild mit Festungsturm, gehalten von zwei Putten, die Iller (links) und Donau (rechts) verkörpern. Die Sparkasse brauchte das Wappen aber wohl nur für kurze Zeit. Der Bürgerverein rettete es schließlich und stellte das Werk an der Festungsmauer im Glacis auf. Dort zierte es eine Zeit lang den ersten künstlichen Brunnen Neu-Ulms. Seit langem allerdings dämmert das Werk dort ohne fließendes Wasser vor sich hin.

Hier sind die Werke von Hans Bühler heute in Neu-Ulm zu finden

Die Sparkassenfront, die das Stadtwappen nur für kurze brauchte, zeigt seit 1956 schon Bühlers metallenen Handelsgott. Ob er den römischen Merkur oder den griechischen Hermes darstellt, bleibt ungeklärt. Ein Sämann, den Bühler fürs alte Landratsamt an der Maximilianstraße nach dem Vorbild seines Vetters, dem Hausener Landwirt Michael Wiedenmann, geformt hatte, steht mittlerweile im Ulmer Stadtteil Hausen – am Weiher, gegenüber Wiedenmanns einstigem Wohnhaus.

Bühlers auffälligstes Werk aber bildet der quadratische Sockel für Scharffs „Männer im Boot“. Bühlers Witwe Irene erzählte vor Jahren im Gespräch mit der Neu-Ulmer Zeitung, wie sehr ihren Mann dieser nach einem Wettbewerb gewonnene Auftrag umgetrieben habe. „Nächtelang hat er nicht Ruhe gegeben, bis ihm endlich die Idee mit dem Pfeiler kam.“ Für das Westwerk der Johanneskirche stellte er die im Krieg zerstörte Christusfigur wieder her. Den zeitweilig zur „Entarteten Kunst“ gerechneten „Geflügelten Löwen“ setzte er auf ein Mauerstück vor der Kirche. Die Kriegerdenkmäler auf den Friedhöfen in Wiblingen und in Ritzisried stammen von seiner Hand, ebenso die Brunnenplastik vor der Pfuhler Seehalle.

Auch mit dem Zeichenstift konnte Bühler gut umgehen

Wie souverän Bühler auch mit dem Zeichenstift umging, belegt ein Eintrag ins Poesiealbum seiner Nichte Elfriede aus Reutti. Der Farbskizze des Weilers Werzlen bei Gerlenhofen ist der Spruch beigefügt: „Es begleite Dich täglich als funkelnder Stern der Glaube, die Liebe, der Segen des Herrn.“

Am 6. Januar 1974 ist Hans Bühler im Alter von erst 59 Jahren gestorben. Sein Grab liegt in der Abteilung 71 des Neu-Ulmer Friedhofs.

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