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Herrlingen

22.04.2015

Die Twitter-Oma nimmt kein Blatt vor den Mund

Anke Siefken spielt in der Theaterei Herrlingen dieunerschrockene Twitter-Oma Renate Bergmann.
Bild: Florian L. Arnold

Die Komödie „Ich bin nicht süß, ich habe nur Zucker“ in der Theaterei hat das Zeug zum Dauerbrenner.

Die Trümmerfrau, Friedhofstouristin und vierfach verwitwete Rentnerin Renate Bergmann blickt der Welt unerschrocken ins Antlitz: „Die meisten denken, ich bin eine süße alte Omi. Aber ich kann auch anders.“ Die 82-Jährige ist gerne mal mit ihren Freunden Kurt und Ilse unterwegs. „Für den Notfall“ bekommt sie daher eines Tages ein iPhone von Neffe Stefan geschenkt: „Das ist total hübsch: Vorne ist ein Glasscheibchen und hinten eine angebissene Tomate. Und auf der Glasscheibe sind so bunte Symbole, ein blaues T zum Beispiel, und wenn man da drauf drückt, dann passiert was“.

Und ob: Oma Bergmann entdeckt „Zwitter und Fessbuck“ und postet und liket, was die Finger hergeben. Die resolute Seniorin entdeckt einen völlig neuen Alltag zwischen Altennachmittag und Cyberspace. Zwar gibt es die unvermeidlichen Zipperlein wie „Ossiporose“ und Diabetes, aber gegen Letzteres hilft „ein Tablettchen und ein Glas Korn“, so wie bei Frau Neumann: „Die wurde 98, hatte zwar keine Beine mehr, war aber sonst noch tipptopp!“ Gegen Hüftspeck gibt es in Renates Alter ohnehin nur ein Rezept: „Nach dem Essen kommen die Zähne ins Glas, sonst nascht man nur!“

Oma Bergmann dürfte wohl das erste Twitterwesen sein, das die Bühne erobert. Die fiktive Figur wird in der lebendigen Verkörperung durch Anke Siefken zum hochkomischen Ereignis; 80 Minuten Spielzeit vergehen da wie nichts. Bissig, frech, hier und da auch umwerfend naiv zwitschert die Twittertante über Freunde und über Tochter Kirsten. Die kriegt besonders ihr Fett weg: „Die Kirsten ist so eine esoterische Lebensberaterin für Kleintiere, die macht Tanzkurse für Katzen und schmiert auf alles Kräutertee drauf.“ Lieber verbringt die Oma ihre Zeit mit dem Rentner Hagekorn. Den hat Renate schon durchleuchtet – und findet, dessen Zähne dürften nachts glatt neben ihren stehen.

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Siefken spielt das von Torsten Rohde erfundene Kölsche Mädel Bergmann ein bisschen anders, als man sie sich vom Buch her vorstellen würde; ihre Oma ist drahtiger, hinter den Sätzen voll scheinbarer Naivität blitzt viel Lebensschläue durch. Die fiktive Figur gewinnt durch die schlanke Ein-Personen-Inszenierung immens, ebenso durch die Lieder von Markus Munzer-Dorn, die mit kongenialem Witz ins Ohr gehen: „Und wenn die Zeit vergeht, dann geh ich eben mit!“ Die Inszenierung von Wolfgang Schukraft hat Pep, Witz und perfektes Timing. Die Darstellerin geht einem nicht mehr aus dem Kopf. Die Premiere furios: herzliches Lachen und extra langer Applaus für die dampfplaudernde Twitteroma.

Weitere Termine: Freitag, 24. und Samstag, 25. April, jeweils um 20 Uhr in der Theaterei Herrlingen. Weitere Aufführungen im Mai und Juni. Karten unter Telefon 0731/268177.

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