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Installation

24.04.2015

Die Wacht an der Donau

Es geht los: Martin Leibinger (groß im Bild) und seine Mitstreiter von der „Stiege“ bauen die Installation „Spiegel“ des Niederländers Sil Krol auf. Die Kunst-Bar startet am heutigen Freitag in ihre zweite Saison.
Bild: Andreas Brücken

Der Niederländer Sil Krol hat für die „Stiege“ das Objekt „Spiegel“ entworfen. Dieses wird die Kunst-Bar über die Saison begleiten – und sicherlich einige Passanten irritieren

Verstecken kann sich in der „Stiege“ jetzt niemand mehr. Wo im vergangenen Jahr noch eine Straßenlampe aus Athen – eine Installation der Künstlerin Sofia Dona – eine unsichtbare Verknüpfung zwischen Ulm und Griechenland herstellte, prangt nun ein seltsames Spiegelobjekt über dem Treppenabgang auf der Ulmer Seite der Herdbrücke. Dieses schafft eine Verbindung der ganz anderen Art: Über die glänzenden Flächen können die Besucher unten die Straße im Blick behalten – und die Passanten oben umgekehrt in die Tiefe blicken. Die Plastik „Spiegel“ von Sil Krol aus dem niederländischen Rotterdam versteht sich als künstlerische Intervention im öffentlichen Raum. Und sie ist gewissermaßen das neue Wahrzeichen der beliebten Freiluft-Kunst-Bar am Rosengarten, die nun ihre Winterpause beendet.

Das Objekt aus Holz und Plexiglas, das auf einem Metallrohr montiert ist, ist alles andere als nur Dekoration. Wegen der Form einer umgedrehten Pyramide auf fünfeckiger Grundfläche erinnert „Spiegel“ an einen Wachtturm. Ein kritisch-politischer Subtext, den der 28-jährige Krol durchaus mitgedacht hat. Doch sieht er die Installation vor allem als Mittel des visuellen Dialogs mit der Umgebung. Daneben bringt der „Spiegel“ auch einen praktischen Nutzen: Über die schrägen Flächen kommt Sonne in den Treppenabgang; in den Abendstunden werden diese dann rot angestrahlt und verteilen das Licht.

Die Arbeit mit einfachen Formen, die komplexe Assoziationen hervorrufen, ist typisch für Krol, der mit seiner Kunst schon bei seinem Studium im niederländischen Breda kontroverse Reaktionen hervorrief. Dort platzierte er einen monolithischen, weißen Kubus mit Designelementen der Polizei im Stadtraum. Eine Provokation? Jedenfalls löste die illegale Installation eine heftige Debatte aus, bei der zeitweise selbst die Leitung der Hochschule den Künstler öffentlich attackierte – obwohl die bloße visuelle Anwesenheit der Obrigkeit dem Kurator Martin Leibinger zufolge einen disziplinierenden Einfluss in dem Viertel ausübte. Die Griesbad-Galerie am Ulmer Seelengraben dokumentiert begleitend zu „Spiegel“ bisherige Arbeiten Krols. Die Ausstellung „Intervention im Stadtraum“ eröffnet morgen, Samstag, um 18 Uhr und läuft bis 7. Juni.

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In der „Stiege“ wird mit der Vernissage für „Spiegel“ schon am heutigen Freitag um 19 Uhr das Startsignal zur neuen Saison gegeben. In dieser will die Kunst-Bar an ihren erfolgreichen ersten Sommer anknüpfen. „Wir waren grundsätzlich zufrieden“, sagt Designerin Petra Schmitt, die zusammen mit dem Gastwirt Stefan Bausenhart und dem Kurator Leibinger die „Stiege“ umtreibt. Schmitt zufolge sind auf künstlerischer Seite einige Aktionen geplant – unter anderem das Austauschprojekt „Auf- und Ab-Orte“ mit anderen kreativ belebten früheren öffentlichen Toiletten in Deutschland. Gastronomisch soll sich hingegen wenig ändern, nur zusätzliche Bänke an der Donau sollen den Aufenthalt an der Kunst-Bar noch angenehmer machen – vor allem in den frühen Abendstunden.

Die „Stiege“ an der Herdbrücke hat bei schönem Wetter täglich ab 17 Uhr geöffnet, sonntags schon ab 14 Uhr.

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