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Neu-Ulm

11.07.2019

Die neue Chefin der Neu-Ulmer Polizei im Interview: „Man darf sich ruhig etwas zutrauen“

Michaela Baschwitz leitet seit 1. Juli die Polizeiinspektion Neu-Ulm. Mit unserer Redaktion sprach sie über anstehende Herausforderungen und Frauen in Führungspositionen.
Bild: Alexander Kaya

Plus Mit Michaela Baschwitz leitet seit 1. Juli erstmals eine Frau die Neu-Ulmer Polizeiinspektion. Ein Gespräch über gefährliche Einsätze, anstehende Herausforderungen und Frauen in Führungspositionen.

Frau Baschwitz, seit 1. Juli sind Sie die neue Leiterin der Polizeiinspektion Neu-Ulm. Wie waren denn die ersten Tage?

Michaela Baschwitz: Sehr spannend und aufregend. Ich wurde sehr gut auf der Dienststelle aufgenommen. Meine neuen Kolleginnen und Kollegen sind sehr nett, motiviert und hilfsbereit. Dies macht für mich den Neuanfang leichter. (lacht)

Wollten Sie schon immer Polizistin werden?

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Baschwitz: Es war schon immer ein Wunsch, der im Hinterkopf war und auch nie ganz weggegangen ist. Aber wie bei jedem war die Bandbreite ganz groß, da war bei mir alles dabei – von Tierärztin, über Ärztin, und Journalismus wäre manchmal auch etwas gewesen, was ich mir gut hätte vorstellen können. Aber Polizist war schon ein bisschen ein Kindheitstraum. Aber das hat glaube ich jeder, dass man das immer mal wieder abwechselt, Pferdepflegerin wollte ich auch mal werden. (lacht)

Und wie kamen Sie letztendlich zur Polizei?

Baschwitz: Ich habe da auch einen familiären Hintergrund: Mein Vater war auch Polizist und der Wunsch hat sich dann, je näher man zum Abitur kam, immer mehr konkretisiert.

Michaela Baschwitz: "Frauen zweifeln eher einmal an sich und stecken zurück"

Frauen in Führungspositionen sind auch bei der Polizei rar: In Bayern sind hier nur knapp neun Prozent der Führungskräfte weiblich, nur vier der insgesamt 36 Dienststellen im Polizeipräsidium Schwaben Süd/West werden von Frauen geleitet. Haben Frauen es schwerer, in die Chefetage zu kommen?

Baschwitz: Das würde ich so nicht sagen. Ich glaube schon, dass es sich manche Frauen vielleicht nicht so zutrauen oder dann vielleicht eher einmal an sich zweifeln und zurückstecken, wo ein Mann sagen würde: „Ja, komm, das mach ich.“ Da sind Frauen vielleicht bescheidener und gehen das dann nicht so richtig an, weil sie es sich irgendwo nicht zutrauen.

Also ist es ein Tipp an Frauen in dem Fall ein bisschen von den Männern zu lernen?

Baschwitz: Nicht unbedingt zu lernen, sondern auf seine eigenen Stärken – vielleicht ist man manchmal eben ruhiger, als es ein Mann ist – zu vertrauen – und darauf, dass man schon so richtig ist, wie man eben ist und das entsprechend einzusetzen. Man darf sich ruhig etwas zutrauen.

Chefin der Neu-Ulmer PI: "Frauen haben oft sensiblere Antennen"

Glauben Sie, dass Frauen anders führen als Männer?

Baschwitz: Definitiv.

Inwiefern?

Baschwitz: Ich glaube, dass man als Frau oft sensiblere Antennen hat und zwischenmenschliche Probleme anders wahrnimmt und auch anders angeht als es vielleicht ein männlicher Kollege macht.

Ein großes Thema ist ja, dass die Aggression gegenüber Einsatzkräften – sei es jetzt Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst – zunimmt. Haben Sie selbst auch schon solche Situationen erlebt?

Baschwitz: Man kommt als Polizei oftmals zu Situationen, die Konfliktpotenzial haben, und da bleibt es natürlich nicht aus, dass man selbst angegangen wird.

Leiterin der Polizeiinspektion Neu-Ulm: "Ich bin mit einer Machete angegriffen worden"

War das dann bei Ihnen so, dass Sie verbal angegriffen worden sind oder gab es da auch schon tätliche Angriffe?

Baschwitz: Ich bin gleich beim Praktikum während meines Studiums mit einer Machete angegriffen worden. Das war jetzt nicht in der ersten Woche, aber im ersten Monat zumindest. Da war ich 20 Jahre alt. Das war ein Familienstreit und der Sohn ist auf die Eltern losgegangen, hat sich mit einer Machete bewaffnet und ist dann auch auf uns losgegangen.

Wie haben Sie und Ihre Kollegen die Situation damals gelöst?

Baschwitz: Bedrohungen mit solchen Waffen stellen für Polizeibeamte eine besondere Herausforderung dar. Es ist wichtig Distanz zu dem Täter zu halten, um außer Reichweite der Waffe zu sein. Uns gelang es damals schließlich, den Täter dazu zu bewegen, die Machete wegzulegen.

"Meiner Mutter wäre es manchmal lieber gewesen, ich hätte einen anderen Beruf gelernt"

Das war ja gerade zu Beginn ihrer polizeilichen Karriere. Haben Sie damals kurz die Berufswahl hinterfragt oder waren Sie sich damals schon ganz bewusst, dass es immer wieder solche gefährlichen Situationen gibt?

Baschwitz: Das war mir schon bewusst. Eben dadurch, weil ich die familiäre Vorprägung hatte und wir zu Hause damals auch darüber geredet haben. Meiner Mutter wäre es manchmal schon lieber gewesen, ich hätte einen anderen Beruf gelernt. Und natürlich als junger Mensch, wenn man behütet aufgewachsen ist und sich plötzlich dem ausgesetzt sieht, dann überlegt man noch einmal. Aber im Endeffekt muss es einem bewusst sein, dass so etwas passieren kann.

Glauben Sie, dass Polizistinnen im Einsatz anders begegnet wird als ihren männlichen Kollegen – dass man weniger ernst genommen wird oder – gerade andersherum – dass das Gegenüber einen weniger wahrscheinlich angreifen würde, weil man eine Frau ist?

Baschwitz: Das kommt immer auf den Menschen und die Situation an. Man hat manchmal als Frau Vorteile, man hat aber auch manchmal Nachteile. Aber im Endeffekt gibt es immer Menschen, mit denen kann man besser und manchmal stimmt einfach die Chemie von Anfang an nicht. Und dann kommt es gar nicht so sehr aufs Geschlecht an, sondern dann ist es eher eine zwischenmenschliche Sache.

Sie haben sich in ihrem beruflichen Werdegang bislang unter anderem mit Wirtschaftsdelikten, Rauschgifthandel und Trickbetrug beschäftigt. Welches Feld hat Sie am meisten fasziniert?

Baschwitz: Eigentlich zwei Bereiche: Zum einen war meins schon immer der Bereich Schutzpolizei, also im Endeffekt, wo ich jetzt auch wieder angekommen bin. Ich war sehr gerne Dienstgruppenleiterin und habe es sehr geschätzt, die Aufgaben im Team zu bewältigen. Und der Rauschgiftbereich war auch einer, der mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Chefin der Neu-Ulmer Polizei spricht über die anstehenden Herausforderungen

Welche Herausforderungen sehen Sie für sich als Chefin der PI auf Sie zukommen?

Baschwitz: Bei uns war ja jetzt ein recht großer Wandel, der Stellvertreter ist ja auch neu. Dann ist das immer ein Neuanfang und das muss sich einfach alles wieder finden und man muss miteinander zusammenwachsen.

Und außerhalb der Dienststelle?

Baschwitz: Neu-Ulm ist eine Stadt, die stark wächst und auch schnell wächst. Das ist sicherlich eine Herausforderung, die vermehrt auch auf uns zukommen wird als Polizei.

Sie kamen bislang in ganz Bayern bei Ihrer beruflichen Tätigkeit herum. Kennen Sie denn die Gegend um Neu-Ulm schon?

Baschwitz: Mein Freund ist aus Günzburg und da haben wir auch einmal kurze Zeit gewohnt. Aber zugegebenermaßen kenne ich Ulm und Neu-Ulm bislang nur von diversen Shoppingtouren. (lacht)

Michaela Baschwitz hat zum 1. Juli die Leitung der PI Neu-Ulm übernommen. Vorher leitete die 39-Jährige das Präsidialbüro beim Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten.

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