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28.07.2010

Dieb Ronny B.: So haben wir die Audi aus Buch geholt

Der vierte Verhandlungstag gegen Ralf S., den mutmaßlichen Kopf einer Autodiebesbande, hat einen ganzen Arbeitstag gedauert. Ronny B., der bereits verurteilte Komplize des Angeklagten, erklärte darin ausführlich, wie die Bande fünf teure Audi Q 7 vom riesigen Lagerplatz der Firma Autokontor im Wald bei Buch-Ritzisried gestohlen hat. Doch die Aussage landet möglicherweise im Papierkorb. Von Ralph Patscheider

Der vierte Verhandlungstag gegen Ralf S., den mutmaßlichen Kopf einer Autodiebesbande, hat einen ganzen Arbeitstag gedauert. Ronny B., der bereits verurteilte Komplize des Angeklagten, erklärte darin ausführlich, wie die Bande fünf teure Audi Q 7 vom riesigen Lagerplatz der Firma Autokontor im Wald bei Buch-Ritzisried gestohlen hat. Als Angestellter des Unternehmens hatte er Werkstattschlüssel aus Plastik beiseitegeschafft, mit denen sich die noblen Fahrzeuge öffnen und durch ein Loch im Zaun wegfahren ließen.

Doch Ronny B.'s gestrige Aussage landet möglicherweise im Papierkorb, wie auch der gesamte Verhandlungstag nur ein Schaukampf gewesen sein könnte. Grund: Der Verteidiger von Ralf S., hat Aussetzung des Prozesses beantragt, weil die Ermittlungsakten der Polizei ihm nie vollständig ausgehändigt worden seien. Brigitte Grenzstein, Vorsitzende Richterin der Großen Strafkammer am Landgericht in Memmingen, hat der Staatsanwaltschaft für eine Stellungnahme Zeit bis zum nächsten Verhandlungstag am 11. August eingeräumt.

Dann wird das Gericht entscheiden, ob das Verfahren ausgesetzt wird. Ist dem so, müsste der Prozess gegen Ralf S. (28) aus Sachsen-Anhalt neu aufgerollt und alle Zeugen erneut vernommen werden - auch Ronny B., der für seine Beteiligung rechtskräftig zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden ist.

Dieb Ronny B.: So haben wir die Audi aus Buch geholt

Am Wochenende im Kleinbus nach Ostdeutschland

Er war einer von mehreren Männern aus dem Raum Bitterfeld, die der Autolagerist und -spediteur in seinem Lager bei Buch Ritzisried beschäftigte. Unter der Woche arbeitete die Belegschaft bis zu 15 Stunden täglich, so ein Zeuge. Am Wochenende fuhren die Arbeiter in Kleinbussen zusammen heim. Darunter auch der vorbestrafte Ronny B. aus Bitterfeld-Wolfen, der seit Herbst 2008 in Ritzisried arbeitete. Zu Hause erzählte der jetzt 31-Jährige mit damals 1100 Euro netto im Monat seinen Bekannten, welch noble Autos er die ganze Woche über bewege. Das weckte auch das Interesse von Ralf S. - um so mehr, als Kumpel Ronny erklärte, es gebe dort so gut wie keine Sicherheitsvorkehrungen. Die beiden "besichtigten", so der Zeuge, Waldgelände und Zaun auf der Rückseite des Lagers von außen und fassten schnell den Entschluss, einige der Q 7 "in Ritzisried abzuholen".

Pro Fahrzeug sollte Ronny B. laut gestriger Aussage 2000 Euro von Ralf S.dafür erhalten. Am 29. November 2008 stahlen die beiden mithilfe weiterer Fahrer erstmals drei Q 7. Ronny B. hatte vorgesorgt. Für die Fahrzeuge gab es im Schlüsselset zusätzliche Werkstattschlüssel aus Plastik. Die hatte er beiseitegeschafft, um damit die Fahrzeugtüren zu öffnen. In den Fahrzeugen lagen die Ersatzschlüssel. Die Diebe entfernten ein Zaunelement und fuhren durch die Lücke und über einen holprigen Waldweg mit den geländegängigen Q 7 davon. Am 29. November 2008 stahl die Bande laut Ronny B. drei Autos, wenige Tage danach nochmals zwei. Am Tag vor Nikolaus fiel der Diebstahl auf. Der Wind hatte das lose zurückgestellte Zaunelement umgeweht.

Enorm hoher Umschlag von Fahrzeugen

Warum es danach einige Zeit dauerte, bis klar war, wie viele Fahrzeuge gestohlen waren, erklärte gestern ein Geschäftsführer und Gesellschafter des Unternehmens. Demnach standen zu der Zeit 7000 bis 8000 Fahrzeuge auf dem Platz. "Bei uns laufen im Jahr bis zu 330 000 Fahrzeuge durch", so der Zeuge. So konnte die gestohlene Ware nur mithilfe einer umfassenden Inventur und Auswertung der Warenströme ermittelt werden. Im Dezember 2008 waren dann sechs Fahrzeuge vermisst gemeldet worden. Bei einer zweiten Einbruchserie im Januar 2009 kamen 13 weitere hinzu, unter anderem Audi der Typen Q 7, A 8, R 8, RS 6.

Den Schaden bezifferte der Geschäftsführer auf rund eine Million Euro. Eine Versicherung wolle sein Unternehmen dafür jetzt in Regress nehmen. Mit der Einbruchserie im Januar will Ronny B. nichts zu tun haben. Ralf S. hatte ihm nur 2000 statt 10 000 Euro bezahlt. Er sei deshalb angesäuert gewesen und habe nicht mehr mitgemacht. Ob Ralf S. der Täter sei, wisse er nicht. Trotz eines inzwischen engagierten Wachunternehmens war im Januar wieder ein Loch im Zaun aufgetaucht. Ronny B. hatte sich laut Aussage damals aber gewundert, wie die tiefer liegenden Straßenlimousinen über das unebene Gelände bugsiert wurden. Drei Helfer waren im Mai zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Sie haben inzwischen Revision eingelegt. Ralph Patscheider

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