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Oberfahlheim

18.05.2019

Diese Grundschüler haben keine Scheu vor der Natur

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3 Bilder
Unerschrocken: Aleyna (links) und Damla sind knietief im Matsch des Fischerweihers versunken. Interessant sei es trotzdem gewesen, die Natur hautnah erleben zu dürfen.
Bild: Andreas Brücken

Mit dem Projekt „Fischer machen Schule“ will der Fischereiverein Elchingen Grundschulkindern das Leben am und im Wasser näher bringen – und es funktioniert.

Kichernd ziehen die beiden Viertklässlerinnen Aleyna und Damla ihre Gummistiefel aus. Als sie die Schuhe umdrehen, läuft eine pechschwarze Brühe aus dem Schaft. Beim Ausflug zum Weiher des Fischereivereins Elchingens sind die beiden bis zu den Knien im Matsch versunken. „Das war schon unangenehm, aber nicht schlimm“, sagt Damla. Und das ist auch schon das Einzige gewesen, was ihr an diesem aufregenden Tag am See nicht gefallen hat, wie sie sagt. Überrascht war sie davon, wie viele unterschiedliche Tiere im Wasser leben.

Während die beiden Mädchen ihre nassen Socken auswringen, haben sich ihre Klassenkameraden um die Aquarien vor dem Fischereiverein in Oberelchingen versammelt. Mit feinen Keschern fischen die Buben und Mädchen kleine Lebewesen aus dem trüben Wasser. In Becherlupen werden die Larven und Käfer untersucht. Michael Hiller, stellvertretender Vorsitzender des Fischereivereins, stellt die spannende Frage, wie alt eine Eintagsfliege werden würde. Für die Buben und Mädchen ist klar: „Einen Tag“, lautet die Antwort. Doch Hiller verbessert. Rund zehn Monate wird das kleine Insekt alt.

Rund 80 Prozent der Fische im Fließgewässer sind vom Aussterben bedroht

Mit etwas Ekel sehen sich die Kinder die Köcherfliegenlarve an. Das unscheinbare Tier ist jedoch eine wichtige Nahrungsquelle für die Fische im See. Rund fünfeinhalb Hektar groß ist das Gewässer, das vom Verein intensiv gepflegt wird. Naturnah soll hier das Ökosystem zwischen Pflanzen und Tieren aufrecht erhalten. Franz Willbold, Fischereimitglied und Besitzer des Sees, zeigt auf eine Fläche auf der anderen Seite des Ufers. Große Steine wurden im Frühjahr aufgeschüttet, um neuen Lebensraum für Tiere zu schaffen. „Die Ringelnatter fühlt sich hier schon sehr wohl“, sagt Willbold.

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Neben der Freude am Angeln steht für die Vereinsmitglieder der dringend notwendige Natur- und Artenschutz im Vordergrund. Rund 80 Prozent der Fische im Fließgewässer seien vom Aussterben bedroht, sagt Willbold und nennt den Weißfisch als dramatisches Beispiel: „Im 18. Jahrhundert war die Donau weißschimmernd, wenn diese Fische in Schwärmen zum Laichen stromaufwärts geschwommen sind.“

Fischer machen Schule: Projekt kommt bei den Schülern gut an

Dass sich die Kinder nur noch für Handy und Computer begeistern würden, hat Hiller in den vergangenen zwölf Jahren – 2007 wurde die erste Führung für die Oberelchinger und Unterelchinger Grundschulen veranstaltet – nicht festgestellt. „Die Kinder sind mit vollem Eifer dabei und stellen viele Fragen.“ Mit dem Tag in der Natur wollen die Mitglieder des Fischereivereins „einen Blick auf die verborgene Vielfalt und den Respekt vor jeder Kreatur vermitteln“, wie Hiller sagt.

Die elfjährige Carolin genießt den Tag am See sichtlich. Schließlich sei es viel interessanter, die Tiere in der Natur zu erleben, statt darüber nur in einem Buch zu lesen.

Für die Lehrerin Daniela Wunderle ist die Exkursion viel mehr als nur ein Stück aus dem Lehrplan: „Auch wenn die Kinder vielleicht etwas unruhiger sind als im Klassenzimmer, sind sie immer wieder beeindruckt und begeistert von der Natur.“ Die Pädagogin ist sich sicher, dass selbst der beste Lehrfilm das Thema so intensiv nicht vermitteln könnte.

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