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Neu-Ulm

06.03.2019

Diese Vögel tummeln sich im Landkreis Neu-Ulm

Zahlreich gesichtet bei der jüngsten „Stunde der Wintervögel“: der Erlenzeisig. Das sei aber kein gutes Zeichen, wie Fachmann Ralf Schreiber vom LBV betont.
Foto: Hermann Ernst (Archivbild)

Im Kreis wurden Vögel gezählt – mit Überraschungen. Warum Amseln es den Zählern leicht machen und es kein gutes Zeichen ist, dass viele Erlenzeisige gesichtet wurden.

Eine Überraschung sei das Ergebnis der Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ schon, sagt Ralf Schreiber, Diplombiologe und Pressesprecher der Kreisgruppe Neu-Ulm des Landesbunds für Vogelschutz (LBV). „Haus- und Feldsperling haben die Kohlmeise abgehängt.“ Zum ersten Mal seit sieben Jahren ist der Spatz in Bayern wieder auf Platz 1, wie aus der Bürgerforschungs-Studie von LBV und Naturschutzbund (Nabu) hervorgeht. Und auch einige Exoten wurden von den Bürgern gesichtet.

Schreiber warnt jedoch davor, die einzelnen Jahresergebnisse zu sehr zu verallgemeinern. Schließlich wird nur ein ausgesuchtes Wochenende untersucht – in diesem Fall Anfang Januar: „Jeder Winter ist anders – und jedes Wochenende ist anders.“ Und welche Vögel und wie viele beobachtet werden, hänge stark vom Wetter ab. „Das richtig Interessante ist eigentlich die langfristige Auswertung“, so Schreiber.

Vogelzählung: Woher kommen die Ausreißer in den Ergebnissen?

Erfreulich: Das Bundesland Bayern hat bei der Erhebung ein Viertel aller Zähler gestellt, und auch „im Landkreis Neu-Ulm haben wir uns ganz gut geschlagen“, sagt Schreiber. Er vermutet, dass unter anderem durch das Volksbegehren zum Artenschutz die Aufmerksamkeit für das Thema Natur in Bayern und damit das Interesse mitzumachen, so groß waren. Insgesamt haben sich 367 Menschen im Landkreis beteiligt, 271 Plätze wurden dabei beobachtet. Diese Differenz erklärt sich daher, dass manche einfach gemeinsam gezählt haben. „In Schwaben sind wir durchaus oben mit dabei“, freut sich Schreiber über die rege Teilnahme.

Im Schnitt sind in Schwaben 41 Vögel pro Garten gezählt worden, im Landkreis waren es knapp 40 – und insgesamt wurden fast 11000 Piepmätze gesichtet. Auch hier relativiert Schreiber aber: „Bei der „Stunde der Gartenvögel“ zählen die Menschen tatsächlich nur im Garten. Bei der „Stunde der Wintervögel“ sind es oft Spaziergänger, die irgendwo zählen“. So ließen sich auch die „Ausreißer“ unter den beobachteten Vögeln erklären, berichtet Schreiber weiter. „Da sind Arten dabei, die definitiv weit weg von Siedlungen zu finden sind.“ Und weiter: „Auch die Haubenmeise taucht auf – und das passt gar nicht zu der Zählung mitten im Winter.“ Vielleicht, so die Vermutung des Diplombiologen, wurde sie mit einer Blaumeise verwechselt, deren Gefieder durch den Wind verweht wurde. Gerade wegen solcher kleinen Fehler ist es wichtig, dass sich viele Menschen beteiligen – denn je mehr Teilnehmer es gibt, desto weniger fallen solche Ausreißer ins Gewicht und verfälschen den grundsätzlichen Trend.

Die Amsel ist gut zu beobachten, nicht nur weil sie recht groß ist

Die Amsel belegte deutschlandweit den vierten Platz, im Landkreis schaffte sie sogar noch den Sprung aufs Podest. Die Vogelart macht es den Zählern aber auch etwas leichter, wie Schreiber erklärt. Zunächst einmal sei das Tier recht groß und gut zu erkennen – und auch bereits einigermaßen an Menschen gewöhnt. Außerdem: „Andere Vogelarten fliegen kurz ins Vogelhäuschen rein, nehmen sich was und verschwinden damit auf einen Ast. Die Amsel macht das nicht: Die setzt sich ins Häuschen, macht sich breit und mampft.“

Auch die eher seltenen Erlenzeisige sind bei der jüngsten Zählung oft gesichtet worden, landen im Landkreis Neu-Ulm auf Platz 7. Doch eigentlich sei das kein Grund zur Freude, wie Schreiber betont: „Da merkt man auch, dass in der Natur draußen etwas nicht stimmt, wenn sie schon in die Siedlungen kommen.“ Die Sortenvielfalt und das Nahrungsangebot in der Natur gingen zurück. „Selbst wenn es ein milder Winter ist, finden die Tierchen einfach immer weniger.“

Der große Trend: Es gibt immer weniger Vögel

Schreiber habe aber das Gefühl, dass die Bürger wieder vermehrt Vogelfutter bereitstellen – und auch richtig hochwertiges. Das wiederum gefällt den Piepmätzen: „Ein Vogel ist ja dann auch nicht blöd. Wenn es auf der einen Seite Kaviar gibt, auf der anderen Schinkenwurst, und er steht auf Kaviar, geht er natürlich dahin.“ Dennoch sei das vermehrte Aufstellen von Futterhäuschen auch „ein bisschen Kosmetik“, wie der Biologe findet. „Da hätte man lieber den Garten im Herbst nicht so aufräumen sollen.“

Als grundsätzlicher Trend ist seit Langem erkennbar, dass die Anzahl der Vögel immer mehr abnimmt. „Auch die angeblich häufig vorkommenden Vogelarten sieht man immer weniger“, berichtet Fachmann Schreiber. Das sei angesichts der zunehmenden versiegelten Flächen aber auch kein Wunder, so Schreiber weiter. „In Schwaben wird radikal umgesägt. Hektar für Hektar wird zugebaut.“

Die Ergebnisse auf einen Blick:

Im Landkreis Neu-Ulm beteiligten sich dieses Mal 367 Bürger, die gesamt 271 Gärten beobachtet haben. Insgesamt wurden 10 732 Vögel gezählt, das macht 39,6 Piepmätze pro Garten. In Ulm teilten 132 Bürger ihre Beobachtungen mit, 84 Gärten gingen in die Bewertung ein. Insgesamt wurden 2710 Vögel gesichtet, das sind 32,3 pro Garten.Die Top 10 im Landkreis Neu-Ulm: Haussperling (Spatz), Feldsperling – beide wurden jeweils über 2000-mal beobachtet – Amsel, Kohlmeise, Buchfink, Erlenzeisig, Grünfink, Saatkrähe und Rabenkrähe.In Ulm ist ebenfalls der Spatz der große Sieger – er wurde mit 714-mal mehr als doppelt so oft wie die zweit platzierte Amsel gesichtet. Dahinter liegen: Kohlmeise, Feldsperling, Blaumeise, Straßentaube, Buchfink, Rabenkrähe, Erlenzeisig sowie Grünfink.

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