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Theater Ulm

23.12.2017

Dieser „Nabucco“ betört und verstört

Ausdrucksstark: I Chiao Shih (Fenena, links) und Martin Gäbler (Zaccaria) in der Ulmer Inszenierung von „Nabucco“. Die Kostüme stammen von Uta Gruber-Ballehr. „Die Kostüme – ich fühlte mich wie in einem OP-Saal!“
Bild: Martin Kaufhold

Das Premierenpublikum feiert die musikalische Gestaltung der Verdi-Oper. Doch für die Inszenierung gibt es auch deutliche Kritik

Ein Opernabend, der begeistert – und gleichzeitig die Geister scheidet. Die „Nabucco“-Premiere am Theater Ulm löste beim Premierenpublikum einhellige Zustimmung zum musikalischen Aspekt der Aufführung aus, was allerdings nicht für die Interpretation von Regisseurin Nilufar K. Münzing galt. Lang anhaltenden Beifall gab es für die Solisten Edith Lorans, Kwang-Keun Lee und I Chiao Shih.

Die Ulmerin Renate Groß wusste aus der Matinee zur Oper, dass sich Regisseurin Münzing gefragt hatte, was „Nabucco“ heute noch erzählen könne. Ihr gefiel die Auseinandersetzung mit dem Thema Religion über die Darstellung Gottes als kleines Mädchen gut. „Gott kann auf beide Seiten zugehen und alle berühren. So habe ich das verstanden“, sagt sie. Und musikalisch habe ihr „Nabucco“ sowieso „sehr, sehr gut“ gefallen.

Begeistert ist auch Bertram Holz: „Das war ein großer Opernabend“, schwärmt der Ulmer. „Die Musik war klar, feinfühlig und gleichzeitig kraftvoll, und der Chor war großartig.“ Britta Lammers’ Bühnenbild fand Holz „sehr sparsam“; die Solisten füllten für ihn aber atmosphärisch den Raum.

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Wolfgang Oser aus Burgrieden lobt die sehr gute Leistung von Orchester, Chor und Solisten. „Nur schade, dass das Orchester so tief im Graben sitzt, vom Klangbild her.“ Das Theater Ulm verfüge über einen Chor, der mit anderen Häusern mithalten kann, die bei solchen Aufführungen wesentlich mehr Sänger einsetzen können. „Und Edith Lorans war überragend. Wenn sie in der nächsten Spielzeit nicht mehr da ist, wird sie sehr fehlen.“

„Die Inszenierung war äußerst befremdlich“, erklärt Anita Müller aus Obertalfingen. „Die Solisten waren sehr, sehr gut. Aber die Kostüme – ich fühlte mich wie in einem OP-Saal! Und die Inszenierung kommt inhaltlich völlig flach daher. Ich hätte mir eine beeindruckendere, ausdrucksstärkere Inszenierung gewünscht.“

Die Ulmer Aufführung weiche von der Grundidee des Stückes, letztendlich auch ein Stück an Friedenspolitik zu bringen, erheblich ab, sagt der Ulmer Hans-Walter Roth. „Das Mädchen mit dem Vogel als Symbol der Friedenstaube brachte nicht das, was mir das Stück in seiner Wurzel aussagt: Ein Land wird unterdrückt, sucht die Befreiung. Die Figur im Outfit des Kleppermantel-Fetischismus mit Fechtermaske war nicht klar gekennzeichnet. War sie das Schicksal, der Gott der Hebräer oder gar der todbringende Henker? Sie wirkte störend, abstoßend.“ Die Kleidung des Volkes wecke Erinnerungen an Demonstrationen Vermummter. Der Stadtrat lobt aber die Stimmen und das Orchester. „Wenn man die Augen schloss und sich nur auf die Musik und herrlichen Chöre konzentrierte, dann wurde man mitgerissen. Vom Bühnenoutfit nicht, das metzelte den ‚Nabucco‘ nieder.“

„Die Musik war gewaltig“, lobt auch Albrecht Bader; von seinem Platz im Rang aus habe die Aufführung eindrucksvoll gewirkt. „Aber das Bühnenbild empfand ich als sehr, sehr nüchtern, und mit der Inszenierung bin ich inhaltlich nicht immer klargekommen.“ Er habe vor allem Probleme mit der eingefügten Rolle des Kindes, sagt der Söflinger. "NUZ-Kritik Seite 21

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