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Weissenhorn

15.01.2017

Dieser Organist erzählt gerne Witze

„Jede Orgel ist anders. Aber ich bin noch mit allen fertig geworden“, sagt Max Kempfle, der schon in einigen Kirchen im Landkreis Neu-Ulm gespielt hat.
Bild: Andreas Brücken

Max Kempfle aus Bubenhausen musiziert seit seiner Kindheit. Nicht nur für sein Engagement in der Kirche hat er die Ehrennadel der Stadt Weißenhorn erhalten.

Beinahe hätte er seine Ehrung verpasst. Denn auch mit 80 Jahren ist Max Kempfle ein gefragter Organist – und das nicht nur in seinem Heimatort Bubenhausen und in Attenhofen, sondern auch als Aushilfe bei Gottesdiensten, Beerdigungen, Trauungen und Taufen in der näheren Umgebung. „Musikalisch gestaltet er praktisch Veranstaltungen im ganzen Landkreis“, sagte Weißenhorns Bürgermeister Wolfgang Fendt am vergangenen Sonntag, als er Kempfle dann doch persönlich beim Neujahrsempfang die Ehrennadel der Stadt anstecken konnte.

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Weißenhorner Bürger waren es, die neben dem Komponisten Wilfried Hiller auch den vielfach engagierten Musiker für die diesjährige Auszeichnung vorgeschlagen hatten. Der städtische Kulturausschuss wählte die beiden aus. „Ich habe mich sehr über die Ehrennadel gefreut“, sagt Kempfle.

Über seinen Vater, der als Mesner in St. Michael in Bubenhausen arbeitete, war Kempfle schon in seiner Kindheit eng mit der Kirche verbunden. Der Pfarrer erkannte sein musikalisches Talent. So lernte Kempfle im Claretinerkolleg und bei Franziskanerinnen in Weißenhorn das Klavierspielen. „In Bubenhausen gab es nach dem Zweiten Weltkrieg keinen Organisten“, erzählt er. Im Alter von 15 Jahren übernahm er die Funktion, wurde zudem Chorleiter in der Kirche.

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Trotz seiner beruflichen Tätigkeit, zunächst im elterlichen Hof, später bei der Skifabrik Laupheimer und in der Brotfabrik Jaus in Weißenhorn, nahm sich Kempfle viel Zeit für die Kirche und die Vereine. Kirchenpfleger, Mitbegründer der Blaskapelle Bubenhausen, Dirigent der Blasmusik, Mitglied der Stadtkapelle Weißenhorn – die Liste seiner ehrenamtlichen Tätigkeiten ist lang. Immer wieder besuchte er Kurse, um sein musikalisches Können zu erweitern.

Das Repertoire reichte vom Männergesang an Totensonntagen bis zu Unterhaltungsmusik auf Faschingsbällen. Mit seiner Tanzkapelle, die aus bis zu fünf Musikern bestand, trat Kempfle über vier Jahrzehnte bis 1995 in vielen Hallen und bei Festen in der Region auf. Mit einem Lachen erzählt er heute, dass er samstags häufig bis spät in die Nacht auf der Bühne stand – und am nächsten Morgen schon um 9 Uhr wieder in der Kirche an der Orgel saß. Damit nicht genug: Fast 30 Jahre lang war Kempfle bei der Freiwilligen Feuerwehr Bubenhausen aktiv, davon zehn Jahre, bis 1981, als Kommandant.

Durch seine vielen Kontakte und Auftritte hat sich Kempfle bei zahleichen Vereinen und Bürgermeistern bekannt und beliebt gemacht – und sich als Alleinunterhalter nach der Auflösung seiner Tanzkapelle einen neuen Ruf erworben: den als Kenner der besten Bürgermeister-Witze. Gerne gibt er eine Kostprobe – zum Beispiel über den Bürgermeister, der lieber Geld in den Umbau des örtlichen Gefängnisses steckt als in den Umbau des Kindergartens. Warum? In das Gefängnis könnten er und seine Stadträte selbst noch kommen, in den Kindergarten definitiv nicht mehr. Beim Neujahrsempfang in Weißenhorn hat Kempfle im Beisein einiger Rathauschefs aus der Umgebung übrigens darauf verzichtet, einen Witz auf der Bühne zu erzählen.

Mit der weltlichen Musik hat Kempfle aus Altersgründen vor einigen Jahren aufgehört. Der Kirchenmusik bleibt er noch treu. „Und wenn ich mal nichts zu tun habe, genieße ich die Ruhe“, sagt er. Für sein Privatleben äußert der Vater zweier Kinder einen großen Wunsch: 2018 möchte er mit Frau Theresia Goldene Hochzeit feiern.

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