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Weißenhorn

09.01.2019

Dieser plastikfreie Markt lockt Kunden aus der ganzen Region an

André Wieland ist zufrieden: Sein verpackungsfreier Markt an der Weißenhorner Hauptstraße wird gut angenommen. Viele Kunden kommen auch aus dem Umland, etwa aus Illertissen, Ulm, Krumbach und Günzburg.
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André Wieland ist zufrieden: Sein verpackungsfreier Markt an der Weißenhorner Hauptstraße wird gut angenommen. Viele Kunden kommen auch aus dem Umland, etwa aus Illertissen, Ulm, Krumbach und Günzburg.
Bild: Alexander Kaya

Plus Seit April 2018 betreibt André Wieland „Klare Kante“ in Weißenhorn. Am Sortiment hat er schon einiges verändert. Nun plant er ein neues Geschäft in Ulm.

Zögerlich zieht die Kundin den Plastikbehälter aus ihrer Tasche. Darin könnte sie die frischen Eier aufbewahren, nach denen sie den Geschäftsinhaber André Wieland soeben gefragt hat. Mit einer Kunststoffdose im ersten plastikfreien Markt in Weißenhorn einkaufen? Einige Kunden haben da Hemmungen. Wieland sieht das entspannt. Er ermuntert die Kunden sogar dazu, ihre Tupperschüssel zum Einkauf mitzubringen. „Es geht darum, Einwegplastik zu vermeiden“, sagt der 33-Jährige über die Grundidee von „Klare Kante“.

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Vor einem Dreivierteljahr hat Wieland sein Geschäft an der Hauptstraße eröffnet. Der Großteil der Waren wird dort ohne Verpackung zum Verkauf angeboten. Müsli, Kaffee und Gewürze etwa lagern in großen Schüttspendern. Es gibt feste Seifen, Waschmittel zum Abfüllen und Zahntabletten, die die Zahnpasta in Tuben ersetzen. Für den Transport nach Hause liegen im Geschäft Flaschen, Gläser, Papiertüten und Stoffbeutel bereit. Bei Produkten, bei denen es nicht anders geht, Getränke zum Beispiel, kommen möglichst umweltfreundliche Verpackungen wie Glasflaschen oder Kartons zum Einsatz.

Demnächst möchte André Wieland eine Hilfskraft anstellen

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Der Geschäftsinhaber hat gut zu tun an diesem Nachmittag. Immer wieder kommen Kunden zur Tür herein. „Der Laden wird gut angenommen“, sagt Wieland. Ein plastikfreies Geschäft funktioniere eben nicht nur in der Großstadt, sondern auch in einer Kleinstadt wie Weißenhorn. Wobei Wielands Kunden nicht nur aus der Fuggerstadt kommen. Viele seien aus Illertissen, Krumbach oder Günzburg. „Samstags kommen auch viele Ulmer“, fügt er hinzu.

Der Zulauf verwundert nicht. Schließlich ist „Klare Kante“ eine Besonderheit in der Region. „Die nächsten Läden dieser Art sind in Schwäbisch Gmünd und in Augsburg“, sagt Wieland. Er selbst hatte sich privat schon vorher mit verpackungsfreien Lebens- und Haushaltsmitteln befasst, spezielle Produkte und Bezugsquellen recherchiert. Da lag es für den Weißenhorner irgendwann nahe, einen eigenen Markt mit entsprechendem Angebot aufzumachen. Natürlich hatte er vor gut einem Jahr auch Ulm im Blick als Standort, aber damals nichts Passendes gefunden. In die Fuggerstadt habe „Klare Kante“ aber auch gut gepasst, sagt Wieland: Fairtrade-Stadt, ein Weltladen im Zentrum, viele Schüler. Seine Einschätzung hat ihn nicht getäuscht.

Entsprechend der Nachfrage hat der gelernte Betriebswirtschaftler und Einzelhändler sein Sortiment im Laden in den vergangenen Monaten bereits umgestellt. So gibt es nun mehr Obst und Gemüse sowie mehr regionale Produkte wie zum Beispiel Nudeln von der Engelhardmühle in Attenhofen oder Linsen von der Schwäbischen Alb. Auch Kaffee und Espresso von der Rösterei Guntiaroma aus Günzburg bietet der 33-Jährige inzwischen an. Heißgetränke lassen sich in einem Café-Bereich auch fertig zubereitet genießen. Die Lebensmittel sind übrigens alle in Bioqualität. Konsequenterweise achtet Wieland auch bei seinen Lieferanten darauf, dass sie die Ware plastikfrei in den Laden bringen, so gut es eben geht. So kommen die Nudeln aus Attenhofen etwa in Mehlsäcken und der Kaffee aus Günzburg in großen, vier Kilo fassenden Metalldosen.

Gesucht: 100 Quadratmeter Verkaufsfläche im Zentrum von Ulm

Für 2019 hat sich der Geschäftsinhaber weitere Veränderungen vorgenommen. So möchte er demnächst eine Hilfskraft einstellen, schließlich hat sein Laden von Dienstag bis Samstag geöffnet. In der wärmeren Jahreszeit sollen seine Kunden auch im Freien einen Kaffee oder Espresso trinken können. Die Stadt habe ihm genehmigt, drei Tische vor dem Geschäft aufstellen zu dürfen, sagt er.

Damit nicht genug: In den nächsten Monaten will Wieland auch einen Laden in Ulm aufmachen. Mit den Erfahrungen aus Weißenhorn habe er nun eine gute Ausgangslage dafür, sagt er. Was noch fehlt, ist eine geeignete Verkaufsfläche: im Idealfall zentrumsnah, 100 Quadratmeter groß, mit Lagerraum. Einen geeigneten Mitarbeiter bräuchte er dann natürlich auch. Die Pläne dürften nicht nur im Sinne seiner bestehenden Kunden aus der Münsterstadt sein: Die Grüne Jugend Ulm, Neu-Ulm, Alb-Donau hatte im November in einem offenen Brief an OB Gunter Czisch Anreize gefordert, damit so schnell wie möglich ein plastikfreier Supermarkt in Ulm aufmachen kann.

Mehr über den plastikfreien Supermarkt in Weißenhorn erfahren sie in diesen Artikeln: Plastik ist in diesem Markt in Weißenhorn tabu

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