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Ulm

07.07.2018

Donaujugendcamp: In Rot, Grün, Blau gegen den Strom

Die Performance der Jugendlichen am Donauufer.
Bild: Alexander Kaya

Sie singen, tanzen, diskutieren: Erstaunlich schnell werden aus schüchternen Gästen Botschafter für Europa. Den ersten Anstoß gibt der nasse Freitagvormittag.

Durch zehn Länder fließt die Donau, eine Reihe weiterer Staaten zählt zum Einzugsgebiet des Flusses. Am lautesten sind die Österreicher. Zumindest am regnerischen Freitagmorgen im Ulmer Donaubüro. Johlend melden sich die Jugendlichen aus der Alpenrepublik. Viele andere heben bloß schüchtern die Hand, als Swantje Volkmann die Teilnehmerländer aufzählt. Die 50-jährige Historikerin ist die Organisatorin und so etwas wie die Mutter des Donaujugendcamps.

Der Zusammenhalt in Europa war schon mal besser. Großbritannien verlässt die Union, der Rest macht sich fleißig gegenseitig Vorwürfe. Von alledem ist unter den Jugendlichen beim Camp in Ulm und Neu-Ulm nichts zu spüren. Am Donnerstag sind die 84 Teilnehmer aus – mit Deutschland – 13 Ländern eingetroffen. Die ersten Freunde aus verschiedenen Staaten haben sich gefunden. Trotzdem stehen die Jugendlichen am Freitagvormittag noch nach Heimatländern in Gruppen sortiert im Donaubüro. Der Regen ändert das. Schüler des Ulmer Schubart-Gymnasiums zeigen den Gäste in kleinen Gruppen die Stadt. Weil nicht jeder einen Schirm dabei hat, lässt das Wetter die Kontakte enger werden.

Donaujugendcamp: Tanz-Performance und Workshops

Die ersten, die sich ins Nasse wagen, sind Ana Dejanovic und Mateja Kardelis. Die beiden Jugendlichen kommen aus der serbischen Stadt Novi Sad und haben schon zuhause etwas vorbereitet, das sie am Freitagabend zum besten geben. Die Physikerin Mileva Maric stammt aus der Heimatregion von Ana und Mateja. Maric und Albert Einstein, der berühmteste Kurzzeit-Ulmer der Geschichte, haben einander Briefe geschrieben. Daraus lesen Ana und Mateja vor. Die beiden sind zum ersten Mal beim Donaujugendcamp. Was sie sich erwarten? „Ich denke, wir werden viele Leute und viele Kulturen kennen lernen“, sagt Mateja. Der 17-Jährige mit der braunen Haartolle hat sich ein blaues T-Shirt aus dem Fundus der Veranstalter gegriffen, über dem Herzen ist das Motto des Camps aufgedruckt: „Europa sind wir“. Ana, ein Jahr jünger, trägt am Vormittag orange. Das Donaubüro wirkt wie ein Topf voller bunter Kleckse. Bei den Workshops am Nachmittag und bei den Auftritten am Abend ist das nicht anders.

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Vom Regen ist keine Spur mehr, als die Kleckse um kurz nach 17 Uhr in blauen, roten und grünen T-Shirts wie Wellen über die Holzstufen am Ulmer Donauufer schwappen und sich untereinander vermischen. Von der Ulmer Schachtel auf dem Fluss aus sehen die Bürgermeister Gunter Czisch und Gerold Noerenberg zu, am Ufer haben sich Besucher versammelt. Erstaunlich, wie schnell aus den schüchternen Jugendlichen des Vormittags Botschafter für Europa werden, die über die hölzernen Stufen springen.

Die Botschaft: „Vereint durch die Donau, vereint durch Europa“

Die Performance haben Ana, Mateja und die übrigen Teilnehmer am Nachmittag im Camp am Neu-Ulmer Donauufer einstudiert, bei der Gaststätte Kiesbänkle zwischen dem Edwin-Scharff-Haus und der Eisenbahnbrücke. Anschließend haben sie in Workshops mit dem Landtagsabgeordneten Raimund Haser über das Motto „Europa sind wir“ diskutiert und Musik gemacht. Mit Akkordeon, Geige, Gitarre und Keyboard. Der Jugendcamp-Chor singt: „Vereint durch die Donau, vereint durch Europa“. Die Teilnehmer aus den 13 Ländern schwimmen gegen den Strom der Stimmung, die sich an vielen Orten des Kontinents breit gemacht hat.

Untergebracht sind die Jugendlichen nicht auf dem Neu-Ulmer Camp-Gelände, sondern in einem Hotel am Ehinger Tor in Ulm. Zelte, sagt Organisatorin Swantje Volkmann, kommen fürs Übernachten nicht in Frage. Zu viel Risiko mit dem Wetter, zu viel Aufwand, die nötigen Sanitäranlagen bereitzustellen. Der nasse Freitagvormittag gibt ihr recht.

Anreise, Unterkunft und Programm sind für die Teilnehmer umsonst. Die Städte Ulm und Neu-Ulm, das Donaubüro, das Land Baden-Württemberg, der Bund und zwei Stiftungen übernehmen die Kosten. Das ist ihnen die Botschaft wert, die Sebastian Rihm, der Direktor des Donaubüros, so formuliert: „Es ist nicht wichtig, wo ihr herkommt, sondern dass ihr hier seid.“

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