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03.07.2013

Doppeltes Wunder im Stadthaus

Collegium musicum mit Solistin Kuvaja

Ulm Zwei kraftvolle Momente hatte das Konzert des Collegium musicum unter dem (aus Ulm scheidenden) Dirigenten Niels Schweckendiek im Stadthaussaal. Es wurde eröffnet mit der motorisch-kraftvoll gebotenen „Studie für Streichorchester“ des von den Nazis ermordeten tschechischen Komponisten Pavel Haas (1899-1944), unter tragischen Umständen komponiert im KZ Theresienstadt. Auf sie folgte Johann Sebastian Bachs Klavierkonzert d-Moll (BWV 1052), das rasant heruntergespielt wurde, wobei die finnische Pianistin Anna Kuvaja – Schweckendieks Ehefrau – gelegentlich Mühe hatte, sich klanglich gegen das machtvolle Orchester zu behaupten, während ihr die virtuosen Passagen dieses Konzerts keinerlei Mühe bereiteten. Dann kam der erste große Moment: Kuvaja ließ sich zur Zugabe am Flügel nieder, rief „Sibelius“ in den Saal und begann ein pianistisches Farben-Wunderwerk, das zeigte, was man mit dem modernen Flügel an Klangzauber veranstalten kann.

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Dunkle Schicksalsmelodien und hinreißende Soli

Der zweite große Moment vollzog sich nach der Pause. Bei Schönbergs Streichorchester-Fassung des Sextetts „Verklärte Nacht“ (op. 4) schien plötzlich ein anderes Orchester auf der Bühne zu sitzen. Treibend-schmachtende Aufschwünge, dunkle und ruhig abgetönte Schicksalsmelodien, durchgearbeitete polyfone Strukturen und hinreißende Instrumentalsoli erweckten hier eine mitreißende Klangwelt, die vom ersten bis zum letzten Ton in vibrierender Spannung blieb.

Der Saal mit seiner Überakustik begünstigte die leise-differenzierten Klänge und die großen Emotionen, mit denen sich das Collegium einer starken Konkurrenz stellte. Erst Ende Mai hatten die Ulmer Philharmoniker im CCU das Werk dargeboten – die Darbietung im Stadthaus übertraf sie mit Herzblut, Differenziertheit und Intensität.

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