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Ulm

11.05.2015

Drei mit Ecken und Kanten

Die personifizierte Energiewende: Mit einfallsreichen Kostümen und bitterbösem Witz begeistern die Kabarettisten im Ulmer Roxy.
Bild: Dagmar Hub

„Da Huawa, da Meier und I“ begeistern im Ulmer Roxy

Würfel sind eckig. Wenn sie rund sind, stimmt etwas nicht. Und es stimmt vieles nicht in unserer Gesellschaft, stellen Christian Maier, Matthias Meier und Siegi Mühlbauer fest. Wenn die Rente nach einem Arbeitsleben nicht zum Überleben reicht, wenn der Mann mit Zahnschmerzen nach Ungarn reisen muss, weil dort der Zahnersatz billiger ist – und am Ziel auf einen Münchner Zahnarzt trifft, der sich die Praxismiete nicht leisten konnte, dann sind die Würfel rund.

Als „Da Huawa, da Meier und I“ üben die drei Männer aus Niederbayern und der Oberpfalz Gesellschaftskritik im Gewand bayerischer Volksmusik – und das mit großem Erfolg. Warum sie zu den beliebtesten bayerischen Kabarett-Gruppen gehören, beweisen die Mundart-Musiker im voll besetzten Roxy.

Auch Ulmer sind Schwaben und damit ganz nah an der Zielgruppe der Kultband – wenn auch gerade der Dialekt der beiden Oberpfälzer Siegi Mühlbauer und Matthias Meier selbst für Süddeutsche ziemlich schwer zu verstehen ist.

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Bevor das Roxy-Publikum aber über mehr als drei Stunden Musik-Kabarett jubeln durfte, musste es warten: Durch den Lokführerstreik war die A8 am Freitag noch voller als sonst, „Da Huawa, da Meier und I“ kamen erst fünf Minuten vor acht im Roxy an. Ein Soundcheck vor Publikum, ein paar Bissen gegessen und eine Zigarette geraucht – und schon war die bayerische Boyband im Roxy einsatzbereit, wo ein ganzer Mädels-Geburtstag im Dirndl wartete. Das Programm: In abgewandelter Form gab es noch einmal „D’Würfel san rund“ – allerdings leider ohne den Haupttitel. Dafür nahmen „Da Huawa, da Meier und I“ als Energiewende verkleidet selbige aufs Korn; der rundliche Matthias Meier als Biogas-Anlage, Siegi Mühlbauer als Windrad und Christian Maier als Fotovoltaik-Anlage nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn es um den Profit geht, der aus der Energiewende zu schlagen ist, und darum, dass Gewinne anders als zu Energie gemachte Nahrungsmittel nicht essbar sind.

Scharfe Kritik üben sie als drei lebensmüde Tiere am Gnadenhof Gut Aicherbichl; der Volksmusik-Ton transportiert auch bittere Wahrheiten wie das Leid der Massentierzucht. Genial ist der Umgang der drei Musiker mit ihren Instrumenten. Da wird aus dem Nasenloch Flöte gespielt oder mit zwei Trompeten gleichzeitig – wobei erdige Volksmusiktöne und die Heimatverbundenheit der drei Musiker nicht mit volkstümelnder Musik verwechselt werden dürfen. Als mit der „Goldenen Mistgabel“ ausgezeichnete „Flamigos“ in silbernen Jacken singen sie vom zwölfjährigen Kevin, der Hansi Hinterseer nacheifert und dabei seine Kindheit verliert, als Geheimagent James Blond gibt Christian Maier den Spion, der arbeitslos wird, weil jeder privates auf Facebook veröffentlicht und den Rest programmierte Computerwürmer übernehmen. „Wia a Fahndl im Wind“ fokussiert Lobbyismus. Aber einen eckigen Würfel haben die drei am Ende doch parat: Bevor man die Richtung verliert, einfach umdrehen und schauen, wo man herkommt.

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