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Archäologie

30.04.2012

Dreikönigskirche im Nachkriegsbau

Eine der wenigen Strukturen, die das Haus Frauenstraße 30 von außen klar als Kirche erkennbar machen: Pfeiler am fünfeckigen Chorraum.
Bild: Dagmar Hub

Was sich in einem unscheinbaren Haus in der Frauenstraße für Schätze verbergen

Ulm Die Frauenstraße 30, an der Ecke zu Bockgasse. Unscheinbar. Typischer Nachkriegsbau. Aber nur auf den ersten Blick: Große Teile des Gebäudes bergen noch die Strukturen der Mitte des 14. Jahrhunderts erbauten Dreikönigskirche. Nun fand das auf den ersten Blick unterdurchschnittliche Gebäude einen Käufer, der ungenannt bleiben will und der es in enger Absprache mit dem Denkmalschutz und der Stadtplanung sanieren und restaurieren lässt.

Noch sind zahlreiche planerische Details in der Diskussion; dass die Sanierung aber manche Überraschung zutage fördern wird, dessen ist sich Architekt Max Stemshorn sicher. Zukünftig wird das bis ins 18. Jahrhundert als Kirche verwendete Gebäude, das zu seiner Entstehungszeit an einem städtebaulich prominenten Ort stand, wahrscheinlich im Erdgeschoss Gastronomie, im ersten Stock Büros und darüber Wohnungen beherbergen.

Zweitälteste Kirche soll wieder spürbar werden

Dreikönigskirche im Nachkriegsbau

Eines steht in der Planung fest: Das Ziel der Sanierung ist, neben der wirtschaftlichen Nutzung des Gebäudes, die zweitälteste erhaltene Kirche der Stadt wieder als solche spürbar zu machen und über die Nutzung Interessierten eine Zugänglichkeit zu ermöglichen.

Vom Osten her, von der Steingasse aus, sind der Chorraum und – bis auf die Spitze – der kleinere Turm der Kirche unter braunem Verputz auch von außen noch sichtbar, Backsteinpfeiler am fünfeckigen Chor lassen die Kirche erahnen. Dass aber auch die ganze Chorpartie mit dem Portal entlang der Bockgasse samt Traufkante noch erhalten ist, zeigten die Recherchen der letzten Zeit.

Die Gebäude, 1805 von Maurermeister Peter Kramer erworben und im Folgejahr zum Wohnhaus umgebaut, wurde zwar durch die Bombardierung des 17. Dezember 1944 beschädigt, doch zeigt ein Foto der frühen Nachkriegszeit, dass auch der Giebel noch stand. Die Hauptfront allerdings wurde im Zug des Umbaus erneuert, weil der Vorsprung des Hauptturms bei der Verbreiterung der Frauenstraße störte. Der Glockenturm selbst im Westen der Kirche wurde bereits 1837 abgebrochen. Der heutige Erker im ersten und zweiten Stock ist eine historisierende Stahlkonstruktion, die an die Originalstrukturen erinnern soll. Bei ersten Sondierungen der Mauern stießen die Restauratoren auf Originalputz aus dem 14. Jahrhundert. „Wir hoffen vorsichtig gesagt, dass tatsächlich noch Malereien oder Farbreste aus der Kirche erhalten sind“, sagt Max Stemshorn. Sowohl die ersten Befunde als auch die Literatur zum Gebäude nähren diese Hoffnung.

Sorgfalt der Arbeit deutet auf einen wichtigen Raum hin

Mitglieder der Patrizierfamilie Krafft – Egidius, Otto, Lutz und Peter Krafft – hatten die Dreikönigskirche 1355 als Grablege der Familie gestiftet. Der Originalzugang zur Gruft ist inzwischen gefunden - er lag im Bereich des Ostturmes. Noch im 18. Jahrhundert wurde von bildlichen Darstellungen (Epitaphen) in dieser Gruft aus der Zeit zwischen 1328 und 1607 berichtet. „Herausgenommen wurden diese Gräber wohl nie“, vermutet Stemshorn. Möglicherweise liegen die Epitaphe unter einer Estrichschicht aus der Zeit des Umbaus. Neben diesem Estrich bilden sehr schön gearbeitete Kalkplatten den Bodenbelag.

„Die Sorgfalt der Arbeit weist auf einen wichtigen Raum hin“, sagt Stemshorn, dem Gerüchte um ein vierstöckiges Kellergewölbe bekannt sind. „Sichtbar sind zwei Stockwerke, aber ob darunter noch etwas ist, werden spätere Befunde zeigen.“ Gerüchte gibt es auch um gebrannte Tonplatten des Mittelalters als Bodenbelag. „Die haben wir aber noch nicht gefunden“, bedauert Stemshorn. „Vielleicht liegen auch sie unter dem Estrich.“

In der Gruft befand sich nach dem Umbau des Kirchengebäudes seit etwa 1850 eine Backstube. In naher Zukunft geht es darum, das Gebäude exakt zu vermessen. Im Inneren soll der Putz untersucht, außen ein sogenannter „Suchschlitz“ erstellt werden. Dadurch werden die historischen Strukturen der ehemaligen Dreikönigskirche offenbar werden, so Architekt Stemshorn.

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