1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Drogen-Dealer müssen lange in Haft

Justiz

17.10.2019

Drogen-Dealer müssen lange in Haft

Im Januar stürmten mehr als 200 Polizisten in einer groß angelegten Razzia die Asylbewerberunterkunft in Neu-Ulm. Dort stellten sie zahlreiche Drogen und Bargeld sicher und nahmen zwei Männer fest.

Zwei Männer werden nach einer Razzia in einem Asylbewerberheim in Neu-Ulm festgenommen: Sie haben mit großen Mengen an Marihuana gehandelt. Nun verurteilt das Landgericht Memmingen sie zu mehrjährigen Haftstrafen.

Menschen stehen im Gang des Asylbewerberheims in Neu-Ulm. Sie wollen in die Küche, um Drogen zu kaufen. Diese werden währenddessen in eben dieser Küche von einem Mann fein säuberlich abgewogen, in Aluplomben verpackt und grammweise verkauft. So wurde der Drogenumschlagsplatz in dem Flüchtlingsheim von Zeugen vor dem Landgericht in Memmingen geschildert. Vor Gericht mussten sich zwei Männer – ein 35-jähriger Gambier, der zu jenem Zeitpunkt in dem Flüchtlingsheim gewohnt hat, sowie ein 26-jähriger Rumäne – wegen Drogenhandels verantworten (wir berichteten).

Die beiden Männer wurden nun von der Ersten Strafkammer unter Vorsitz von Richter Christian Liebhart zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ein 35-jähriger Gambier war nach Überzeugung des Gerichts der Drahtzieher. Er wurde wegen Drogenhandels und -besitzes zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der 35-Jährige wird diese Zeit jedoch zumindest zu großen Teilen in einer geschlossenen Entziehungsanstalt verbringen, in der er sich einer Therapie unterzieht. Denn der 35-Jährige soll bis zu einem Fünftel der Drogen selbst konsumiert haben. Der Mann hat nach Auffassung des Gerichts sieben Fahrten organisiert, um Marihuana in großen Mengen zu erwerben. Die kiloweise gekauften Drogen hat er unter die Leute gebracht und damit nach Auffassung des Gerichts einen erheblichen Gewinn erzielt.

Nach Stuttgart gefahren, um Drogen zu kaufen

Der zweite Angeklagte fuhr den 35-Jährigen zu seinen Drogenkäufen, unter anderem nach Stuttgart oder Aitrach. Als Gegenleistung hat er offenbar Drogen zum Eigenkonsum erhalten und Geld bekommen, wenn er etwas brauchte. Er wurde vom Landgericht wegen Beihilfe zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt und ebenso in einer Entzugsklinik untergebracht. Die beiden Angeklagten haben die Vorwürfe teilweise eingeräumt, teilweise sind sie durch Zeugen bestätigt worden. Bei der Urteilsverkündung saßen beide still auf ihren Plätzen – auf die ungefähre Höhe ihrer Haftstrafen konnten sie sich bereits einstellen. Denn im Rahmen eines Rechtsgesprächs haben sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf Strafrahmen geeinigt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Richter Liebhart folgte mit seinem Urteil weitgehend den von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafen. Er wertete in seinem Urteil die zuvor abgegebenen Geständnisse zugunsten der Angeklagten, zudem sei Marihuana eine „schwache Droge“ und die beiden seien selbst abhängig. Bei der großen Menge an Drogen komme man jedoch mit weniger Haftzeit nicht hin. Die Unterbringung in der Entziehungsanstalt sei unbedingt nötig, da ohne eine Behandlung der Sucht weitere Straftaten wahrscheinlich seien, so Liebhart. Für den Erfolg der Behandlung haben die beiden Angeklagten von Gutachterseite eine wohlwollende Prognose bekommen.

So ist der Drogenhandel aufgeflogen

Ein Polizist berichtete an einem vorhergehenden Verhandlungstag, wie man dem Drogenhandel damals auf die Spur gekommen war: Bei regelmäßigen Kontrollen ging den Beamten eine 20-Jährige ins Netz. Diese hatte damals zunächst selbst geringe Mengen an Marihuana gekauft und sich so mit den beiden Männern angefreundet. Die Frau habe umfassend ausgesagt und Informationen über die beiden Angeklagten geliefert. Im Rahmen der Ermittlungen gab es eine Razzia, die in Neu-Ulm für Aufsehen sorgte: Mehr als 200 Polizisten stürmten an einem Abend im Januar die Gemeinschaftsunterkunft. Die Einsatzkräfte durchkämmten sämtliche Zimmer – auch mithilfe von Spürhunden. Die Polizisten beschlagnahmten schließlich eine große Menge Drogen sowie Bargeld im fünfstelligen Bereich.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren