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Ulm

21.11.2018

Duell am Cello im Roxy

Auch gemeinsam außergewöhnlich: die beiden Cellisten Fried Dähn (links) und Max Lilja im Roxy-Labor.
Bild: Stefan Kümmritz

Apocalyptica-Mitbegründer Max Lilja und der Experimentalmusiker Fried Dähn zeigen im Roxy Ulm ganz unterschiedliche Facetten ihres Streichinstruments. Und harmonieren doch überraschend gut.

Wer ein Fan der Cello-Gruppe Apocalyptica ist, die mit harten Klängen eher einer Hardrockband gleicht als einem Streicherensemble, konnte kaum das Konzert vom finnischen Apocalyptica-Mitbegründer Max Lilja und Experimentalmusiker Fried Dähn, seit 1991 Solocellist der Württembergischen Philharmonie Reutlingen, auslassen. Beide konzertierten – erst solo, dann im Duett – im Rahmen der „Laborphase“-Reihe im voll besetzten Labor des Roxy.

Max Lilja spielte bis 2002 bei der finnischen Band Apocalyptica

Nach den Soloauftritten der beiden Musiker, deren Elektro-Celli durch diverse Effektgeräte und Laptops unterstützt wurde, war den begeisterten Zuhörern klar, in welche Richtung sie tendieren. Dähn ist der experimentierfreudigere, der sich etwas mehr auf sein Instrument stützt als auf zusätzliche Effekte, vor allem in Sachen Rhythmus. Lilja konnte nicht verbergen, dass er bis 2002 mit Apocalyptica Musik machte. Der finnische Glatzkopf zeigte sich im Roxy populärer als Dähn. Mitunter strich er die Saiten ganz behutsam, dann wurde es dank des elektronischen Schlagzeugs sehr rhythmisch. Nachdem er mit tiefen, ausschweifenden Tönen den Verdacht aufkommen ließ, dies sei seine Musik für eine Beerdigung, ließ er sein Cello in hohen Tönen singen, stimmte mehrfach den Anfang von bekannten Melodien wie zum Beispiel „Happy Birthday“ an, um schließlich mit „25 Steps to Heaven“ Leichtigkeit aufkommen zu lassen und am Ende seinem Instrument techno-ähnliche Klänge zu entlocken.

Fried Dähn ist Professor für Musik und Sound

Dähn blieb dagegen auf der experimentellen Schiene. Der Professor für Musik und Sound an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Hall, der früher auch mit Karlheinz Stockhausen und Frank Zappa arbeitete und immer wieder große Festivals für Cello-Musik organisiert, hatte mit Melodischem eher wenig im Sinn. Dabei ging es durchaus nicht immer hart, rockig, ja freejazzig zu. Dähn ließ versonnen den Bogen über die Saiten tänzeln und holte aus seinem Instrument Töne der seltenen Art heraus. Dähn spielt nicht sein Cello, er fühlt es, er lebt es. Sein Spiel ist stets von höchster Spannung getragen. Mitunter kreischte sein Instrument wie eine verzerrte Gitarre, dann zog ein Geräusche-Gewitter auf und entlud sich mit einem Streich-Orkan. Der Musiker war am Ende selbst überrascht: „Es ist toll, wenn man etwas spielt, was man gar nicht kennt. Ich habe das so nicht erwartet.“

Mit Spannung erwarteten die Besucher das Duett der beiden, das mit „Double Checks“ eröffnet wurde. Was mancher vielleicht nicht erwartet hatte: Lilja und Dähn ergänzten sich vorzüglich. Jeder unterwarf sich mal dem anderen, um dessen Spiel dann auf seine Weise bestens zu ergänzen oder selbst die Führungsrolle zu übernehmen. Ein außergewöhnliches und aufregendes Konzert.

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