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Herrlingen

16.07.2020

Duo-Abend voller Augenzwinkern in der Theaterei

Szenen einer Ehe? Frank Erhardt und Nadine Ehrenreich in „Der dressierte Mann“ von Esther Vilar.
Bild: Florian L. Arnold

Plus „Das Beste zu zweit“ serviert coronagerechte Komödienhappen in der Theaterei Herrlingen – Balsam auf die Seelen von Schauspiel-Freunden.

Wenn eine Theaterbühne in Corona-Zeiten etwas auf die Bühne bringen will, heißt es auch da: Abstand wahren. Wie das aussehen kann und sogar mit Augenzwinkern zum Teil eines Theaterabends werden kann, zeigt derzeit die Theaterei Herrlingen in „Das Beste zu Zweit“. Da geht ganz zu Beginn des Abends eine Art Hausmeister (Frank Erhardt) pfeifend über die Bühne, vermisst Abstände und klebt dann in ostentativer Gelassenheit ein orangefarbenes Band auf den Bühnenboden, um das die Akteure und Figuren im weiteren einen Tanz auf rohen Eiern aufführen: Entweder ertönt ein garstiges „Buzzer“-Geräusch, wenn die Linie auch nur touchiert wird, oder die Schauspieler übertreten die Linie in signifikantem Abstand im Storchengang. Schön, wenn Theaterleute diese für sie existenzbedrohliche Corona-Krise mittlerweile auch wieder mit einem Augenzwinkern versehen können.

Ordentlich Arbeit für das Zwerchfell bedeutete der geistreiche 70-Minuten-Abend im Minutentakt. Da durften Schmankerl aus dem Theaterei-Dauerbrenner „Loriot für Zwei“ nicht fehlen. Frank Ehrhardt und Nadine Ehrenreich als altes Ehepaar im Sketch „Feierabend“: Vorzüglich. Auf dem Loriot-gemäßen Plüschsofa sitzt der Ehegatte und will „einfach nur hier sitzen“. Allein, seine umtriebige Gattin sieht diese Passivität nicht gern und beschwört eine saftige Ehekrise herauf: „Tu doch was!“ Ein Klassiker des Ehezoffs, den man immer wieder gern sieht.

„Das Beste zu Zweit“ in der Theaterei Herrlingen

Zwischen die zwei- bis sechsminütigen Szenen eingehängt waren Dialoge aus Tom Tykwers „Lola rennt“ – das passte hervorragend. Manni und Lola, jung und wild, reden über die Liebe. Und Lola fragt direkt: „Und wenn ich tot wär?“ Er: „Bist du aber nicht“. Romeo und Julia im Cyberzeitalter.

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Urkomisch: Erhardt als zuckersüßer Ehemann, der seiner forschen Liebsten ein Fünf-Sterne-Menü auftischen will und sich dabei beide Hände durchgart. Arg lädiert muss Männe dann auch noch erfahren, dass die Liebste ihm den Aufsichtsratsposten vor der Nase weggeschnappt hat – eine gewitzte Farce über den „dressierten Mann“ von Esther Vilar.

Theaterei Herrlingen: Szenen von Loriot in „Das Beste zu Zweit“

Mit einem Text von Susanne Neuffer („Im Schuppen ein Mann“) gab es auch eine veritable Kurzlesung im Theaterabend, der verschmitzte, leise Humor passte vorzüglich zu den punktgenauen Pointen von Loriot und Tschechow, aus dessen „Heiratsantrag“ die beiden Schauspieler einen gelungenen Auszug kredenzten.

Was nicht fehlen durfte: „Der Lottogewinner“ von Loriot, in dem Theaterei-Leiterin Edith Erhardt als Stimme aus dem Off hinzustieß und „Die Ansage“, worin Nadine Ehrenreich in Evelyn Hamann-Manier die unsägliche Inhaltsangabe eines englischen Melodrams vorzutragen hat – wobei das eigentliche Drama die ganz und gar unaussprechbaren Namen sind: „Northcothlestone Hall“, „Frimpton Castle“ und Ähnliches.

Ein vergnügter, vergnügt machender Abend, Balsam auf die Seele aller, die nun Monate ohne Theaterbesuch aushalten mussten.

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