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Ulm

25.01.2014

Durch die Wüste zur Kunst

Die Künstlerin mit einer ihrer „Reliquien“: Die Österreicherin Barbara Anna Husar stellt beim Kunstverein Ulm aus.
Bild: Alexander Kaya

Die Österreicherin Barbara Anna Husar zeigt beim Kunstverein die multimediale Installation „Am Rumpf des Weltalls brüten“.

Am Ende der Suche soll eine Hängematte stehen – geknüpft aus den Nabelschnüren neugeborener Ziegen. Die aus Vorarlberg stammende Künstlerin Barbara Anna Husar hat sich ein eigenwilliges Ziel gesetzt, auf das sie nun seit bereits sieben Jahren hinarbeitet. Welch seltsame Verzweigungen dieser Weg seitdem genommen hat, zeigt der Kunstverein Ulm in seiner ersten Ausstellung des Jahres.

Die multimediale Installation „Am Rumpf des Weltalls brüten“ ist ein auf den ersten Blick verwirrendes Panoptikum: Der Besucher trifft darin auf Frittierkörbe als kosmische Antennen, Dinosaurier mit rosa Eutern und Meteoriten aus glänzenden Rettungsdecken. Die 1975 geborene Österreicherin Husar, eigentlich studierte Grafikerin, liebt komplexe Zusammenhänge genauso wie vieldeutige Symbole. Den Schuhhaussaal hat sie in eine Art Tempelbezirk mit zwei „Reliquien“ verwandelt, die unter Baldachinen stehen. Die eine steht für die Vergangenheit, die andere für die Gegenwart. Sie würden eine sakrale Aura verströmen – ruhten ihre Sockel nicht auf Sechserpacks aus Plastikflaschen.

Der Schalk blitzt bei Husar, die ihr Atelier in der Wiener Zuckerlfabrik hat, immer wieder auf. Er dient als Gegengewicht zu den geradezu mythischen Betrachtungen von Leben und Natur. Denn um an die Nabelschnüre zu gelangen, die für sie so etwas wie die ursprünglichste Form von Informationsleitungen sind, legte sich die Künstlerin eine eigene Ziegenherde am Berg Sinaï zu, die sie nun ein bis zwei Monate im Jahr begleitet.

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Bei diesen Besuchen sind zahlreiche Fotografien und Filme entstanden, die nun – kombiniert mit grafischen, oft mithilfe von Stempeln angefertigten Arbeiten – in einer Art Fries den Raum umgeben. Aufnahmen der kargen Wüste sind genauso darunter wie surreale Installationen aus Glaskaraffenverschlüssen oder fast biblische Szenen, etwa von der Schlachtung einer Ziege. Vor allem aber ist Husar mit ihrer Arbeit nah dran am Leben der Beduinen am Sinai – weil sie es versteht, zu beobachten. So zeigt ein Film, wie zwei Frauen spielerisch ihren Geländewagen in eine Metallfolie hüllen und dann ein paar Runden drehen.

Es ist ein spielerischer Moment, der gut in die sehenswerte Ausstellung passt, die viele Lesarten zulässt: Sie ist eine Dokumentation des Lebens in der Wüste, eine Suche nach dem Ursprung des Lebens, eine Reflexion über das Wesen des Informationszeitalters. Und auch ein bisschen verrückt.

Information: Eröffnung am Samstag, 25. Januar, um 19 Uhr. Zur Einführung spricht Ralf Christofori. Morgen, Sonntag, führt die Künstlerin um 11 Uhr selbst durch die Ausstellung. Diese läuft bis 23. März.

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