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25.03.2009

Ein Basketballspiel mit Folgen

Ulm (gert) - Die feinen Unterschiede zwischen einer Kontamination und einer Infektion sind nicht das einzige Problem, mit dem sich die 6. Zivilkammer des Ulmer Landgerichts, landläufig und der Einfachheit halber auch Ärztekammer genannt, sehr regelmäßig abplagen muss. In der jüngsten Sitzung stand unter anderem die Gefährlichkeit menschlicher Bisse auf dem Programm.

Ein Vater hatte die Bundesrepublik Deutschland als Träger des hiesigen Bundeswehrkrankenhauses auf 5000 Euro Schmerzensgeld verklagt, weil seiner Auffassung nach seinem 14-jährigen Sohn nach einem Sportunfall in der Großklinik mit 997 Betten nicht die rechte Behandlung zuteilgeworden ist.

Der Junge war in der Turnstunde in einem Gymnasium im Alb-Donau-Kreis bei einem Basketball-Spiel mit einem Mitschüler zusammengestoßen. Kopf gegen Kopf, was ja auch im Boxsport zu allerlei Misshelligkeiten führen kann. Ganz sicherlich war es keine Absicht, dass der Kontrahent den Mund weit auf hatte, als sich seine Schneidezähne in die glatte Stirn des anderen Jungsportlers bohrten, was mehr als einen Knacks im Zahnschmelz zur Folge hatte. Der so Gebissene wurde in die Notaufnahme des Bundeswehrkrankenhauses gebracht, wo gleich nach der Einlieferung der Verdruss begann. Die Wunde wurde mit drei Stichen zugenäht. War diese Behandlung wirklich angezeigt?

Weil bei der Wundheilung Komplikationen auftraten, musste der Junge nach zwei Tagen wieder ins BWK. Bei der Nachversorgung wurde die Wunde geöffnet. Der Junge erhielt eine Dosis Penizillin. Diese Verabreichung brachte ihn fast an den Rand des Todes. Er erlitt einen apoplektischen Schock, einen lebensbedrohlichen Kreislaufzusammenbruch. Niemand hatte geahnt, dass der 14-Jährige gegen dieses Antibiotikum allergisch ist. Auch bei der vorsorglichen Nachfrage beim Vater sei von einer Allergie nichts zu erfahren gewesen. Ein Gegenmittel stabilisierte den aus den Fugen geratenen Kreislauf.

Ein Basketballspiel mit Folgen

Während der Beweisaufnahme entspann sich schließlich ein Disput mit einem sachverständigen Chirurgen über die Frage, wie denn Menschenbisse, vornehmlich die an Kopf und Händen, zu versorgen seien. Wo der Hase hinlaufen könnte, wäre vielleicht durch die Äußerung eines BWK-Arztes deutlicher geworden, der bei der zweiten Vorstellung gesagt haben soll: "Welcher Depp hat denn diese Wunde zugenäht?" Doch dieser Doktor sei nicht mehr auffindbar.

Im Allgemeinen werden menschliche Bisswunden nicht genäht. Zum einen aus kosmetischen Gründen: Es sollen keine hässlichen Narben zurückbleiben. Zum anderen aus medizinischen Gründen: Der Biss eines Zweibeiners ist weitaus gefährlicher als der eines Straßenköters, weil die menschliche Mundflora viel mehr Stoffe enthält, die zu einer Infektion führen könnten.

Kosten des Sachverständigen

Nun wurde aber im BWK genäht. Das Gericht sah in dieser Vorgehensweise aber nicht den Schimmer eines ärztlichen Kunstfehlers. Der Gerichtsvorsitzende dachte schließlich laut darüber nach, was ein Chirurg als bestellter Sachverständiger kosten würde, um die beiden Eingriffe zu begutachten. Der Vater des Buben zog darob seine Klage zurück und räumte ein, dass er nur aus Frust über die 08/15-Behandlung zum Kadi gelaufen sei.

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