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Weißenhorn

14.11.2019

Ein Buch, das zu Herzen geht

Die Schlegelsche Buchhandlung in Weißenhorn war am Dienstagabend voll besetzt, als Dr. Reinhard Friedl aus seinem Buch über das Herz vorlas.
Foto: Ralph Manhalter

Plus Der aus Weißenhorn stammende Arzt Reinhard Friedl stellt sein neues Werk vor. Neben viel Fachwissen enthält es eine philosophische Botschaft.

Sechs Atome seien es, die für 97 Prozent des menschlichen Körpergewichts verantwortlich sind. Sechs Atome – mehr nicht, gibt Dr. Reinhard Friedl zu bedenken. Was macht dann das Besondere, das Individuelle der humanen Natur aus? Der aus Weißenhorn stammende Herzchirurg und Schiffsarzt hat seine Antwort darauf gefunden: Das Herz ist es, jenes oft vernachlässigte Organ, das neben Prägung und Erziehung etwas ganz Spezielles darstellt. So bezeichnet er das manchmal despektierlich „Pumpe“ genannte Körperteil auch als „das wichtigste Sinnesorgan“.

Voll besetzt war die Schlegelsche Buchhandlung in Weißenhorn am Dienstagabend bei der Lesung aus Friedls Buch „Der Takt des Lebens“. Das zusammen mit der Co-Autorin Shirley Seul verfasste 320 Seiten starke Werk erschien kürzlich im Goldmann Verlag. Zwar wurde das Buch zu Beginn vom Autor selbst als wissenschaftlich angekündigt, was manch einen Besucher möglicherweise etwas bedenklich auf die folgende Stunde sehen ließ, doch bereits mit den ersten Sätzen herrschte Einvernehmen darüber, was dieses Werk im Grunde zu bezwecken hofft.

Es ist normal, dass das Herz unregelmäßig schlägt

Nachdem Friedl, der selbst in Weißenhorn geboren wurde, seine Mutter sowie alte Freunde und Bekannte teils persönlich begrüßte, fuhr er mit angenehmer sonorer Stimme fort, ausgewählte Textpassagen vorzutragen. Dabei wurde schnell klar, dass es sich hierbei um kein trockenes medizinisches Lehrbuch handelt. Vielmehr nutzte Friedl zahlreiche autobiografische Erzählungen, um den Leser Reflexionen abzuverlangen. Bewusstwerden, Nachdenken, Überlegen; das ist die eigentliche Intention des Herzbuchs. Nebenbei erfuhr der Zuhörer natürlich vielerlei theoretisches Wissen über das lebenserhaltende Organ, so beispielsweise dass es bereits am 22. Tag nach der Zeugung zu schlagen beginnt oder die Tatsache, dass die Herzfrequenz durch ein EKG immer nur im Mittelwert gemessen werden kann. Das Herz schlage nämlich unregelmäßig, was aber vollkommen normal wäre, beruhigte Friedl. Nach eigener Erzählung begann die Begeisterung für das Herz bei einem Spaziergang mit der Großmutter zur Wannenkapelle bei Roggenburg.

Während der Lesung war es in der Schlegelschen Buchhandlung mucksmäuschenstill

Der Anblick der Muttergottes, die ein Herz vor ihrer Brust in den Händen hielt, bewirkte im jungen Reinhard ein Gefühl aus Faszination und gleichzeitig Abschreckung. Das mag man ihm sofort glauben, wenn er berichtete, dass kein Herz dem anderen gleiche. Herzen sehe man ihren Lebensweg an, manche sind frisch und dynamisch, andere bilden die Mühen und Plagen der Erlebten ab, mahnte Friedl an.

Während der Lesung war es mucksmäuschenstill, ja geradezu andächtig. Das lag nicht zuletzt daran, dass die philosophische Botschaft, die in fast jeder Episode verborgen war, bei den Zuhörern ankam und bereits zu wirken begann. Was ist der Hintergrund des sprichwörtlichen „im Herz tragen“ oder etwas „auf dem Herzen haben“? Trotz deren häufigen Gebrauchs in der Alltagssprache wird das namen- und sinngebende Organ oft vernachlässigt. Dabei hat es so viele verschiedene Funktionen und Eigenschaften, wie Friedl aus dem Kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry zitierte: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“

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