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Konzert

18.02.2015

Ein Chor bringt Shakespeare zum Klingen

Einfühlsam und präzise: das Junge Vokalensemble Ulm mit Leiter Stefan Glasbrenner (links) im Haus der Begegnung.
Bild: Florian L. Arnold

Das Junge Vokalensemble beglückt mit vorzüglichen Vertonungen von Werken des englischen Sprachmagiers

Es gibt immer noch diese Angst vor der zeitgenössischen Musik. Atonal sei sie, unnahbar, schwierig und fern der Melodie. Das mag zu Hochzeiten der abstrakten Musik zutreffend gewesen sein – auf aktuelle klassische Musik, insbesondere im Bereich der Chormusik trifft dieses Vorurteil gewiss nicht zu. Als herausragendes Ensemble ohne Berührungsängste vor zeitgenössischer Musik hat sich das Junge Vokalensemble Ulm zum Advokaten neuer Klangwelten gemacht – und in den aktuellen Konzerten am vergangenen Wochenende einmal mehr eindrucksvoll bewiesen, wie höchste Chordisziplin und spannende Kompositionen zu erfüllendem Konzerterleben führen.

„Shakespeare-Songs“ hatte Gründer und Chorleiter Stefan Glasbrenner seinem Chor verordnet und lag damit goldrichtig. Nicht nur, dass der Sprachmagier aus dem 17. Jahrhundert unverändert fasziniert, er hat auch zahlreiche Komponisten zu Vertonungen angeregt. Gerade in der Chormusik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden unzählige Adaptionen von Werken wie „Romeo und Julia“ oder „Macbeth“. Jaako Mantjärvi, 1984 geborener finnischer Komponist mit beeindruckendem Oeuvre, schrieb herrliche Lieder zu Texten aus „Sturm“ und „Mittsommernachtstraum“.

Das Junge Vokalensemble verstand es im Haus der Begegnung meisterlich, den herben Liebreiz dieser Vokalwerke zu transportieren; „Full Fathom Five“ beispielsweise klang aus mit sensibel ausklingendem Glockenklang – umgesetzt natürlich durch die menschliche Stimme. Übergänge, dramatische Wendungen, Dramaturgie der Stücke – alles hatte in diesem Konzert den letzten Schliff, jede noch so schwierige Passage glückte ausgezeichnet.

Einprägsame Melodien auch von unbekannten Komponisten

Die Stücke der teilweise wenig bekannten Komponisten erfreuten mit unvergesslichen Melodien und Harmonien. Der Schwede Nils Lindberg schrieb eine anrührend-melancholische Vertonung des Sonetts „Shall I compare thee“: „Wie sollte ich dich mit einem Sommertag vergleichen, (…) wenn in ewigen Zeilen du Zeiten überdauerst.“ Wie sich hier beispielsweise die Stimmung mit aquarellhafter Zartheit überlagern, wie eine ernsthaft romantische Stimmung erzeugt wird, ohne ins Kitschige zu fallen – das war Chorgesang erster Güte. Mit John Rutters „It was a Lover and his Lass“ gab es dank swingend-heiterem Arrangement auch einen veritablen Ohrwurm mit auf den Heimweg.

Ein Schauern überkam einen bei Dominick Argentos Memorial für die Opfer des 11. September unter Verwendung des 64. Sonetts von Shakespeare. Durchaus herb, aber mit einer inhaltlich und klanglich so passgenauen Dramatik, dass sich weder die Frage nach Shakespeares Relevanz noch nach der Qualität zeitgenössischer Komposition stellte. Einmal mehr überzeugte das Junge Vokalensemble auf ganzer Linie – und belegte mit den feinen Gitarrensoli der auch als Sängerin mitwirkenden Lisa Duhm, dass zeitgenössische Musik nichts ist, was man scheuen sollte.

Im Gegenteil – zu den nächsten Konzerten im Juni werden „Klangräume“ eröffnet, die zu erfahren sicherlich lohnenswert ist.

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