Ulm

23.10.2018

Ein Chor, eine Welt

Menschen unterschiedlicher Altersstufen und Nationalitäten sangen im CCU zusammen.
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Menschen unterschiedlicher Altersstufen und Nationalitäten sangen im CCU zusammen.
Bild: Stefan Kümmritz

Das Konzert „Wir alle sind das Volk“ im Congress Centrum ist ein Statement gegen Hass, Gewalt und Intoleranz. Doch wichtiger noch als die Politik ist an diesem Abend die Musik.

Dass es in der Region viele junge und ältere Menschen gibt, die sich für Chormusik begeistern, konnte man im Ulmer Congress Centrum (CCU) erleben. Im proppevollen Saal kam das Publikum, beim zweieinhalbstündigen Konzert „Wir alle sind das Volk“, das vom Verein zur interkulturellen Begegnung in Musik und Gesang veranstaltet wurde, voll auf seine Kosten. Sänger und Sängerinnen aus mehreren Chören agierten unter der Leitung von Markus Romes als ein großes Ensemble. Unterstützt wurden sie von einigen Musikern und diversen ausgezeichneten Solisten, die dem Abend, der unter dem Motto stand „Interkultur für Demokratie“, noch das Sahnehäubchen aufsetzten.

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Es ist sich nicht einfach, Sänger und Sängerinnen unterschiedlicher Altersstufen und Nationalitäten zusammen zu bringen, doch es ist gelungen. Die Mitglieder des neu entstandenen Ensembles, das die Bühne komplett bevölkerte, kamen aus folgenden Chören: Internationaler Kinderchor Ulm/Neu-Ulm, Jugend- und Hochschulchor Ulm/Neu-Ulm, Bosnisch-muslimischer Jugendchor Ulm, Projektchor der Ulmer Waldorfschule am Illerblick, Kammerchor D’accord Ulm und Kinderchor der Meinloh-Grundschule Ulm.

Menschen unterschiedlicher Nationen demonstrieren Einigkeit

Dazu Musiker, die unter anderem Kontrabass, Cello, Tuba, Saxofon und Gitarre spielten, und als Dirigent Markus Romes. Sie alle absolvierten ein umfangreiches Programm und immer wieder ging es in den Liedern um politische Veränderungen, Freiheitsverlust, Denunziation, Gewalt, Gräben, die durch Religionen aufgeworfen werden, Rassismus, Protest gegen Kriege, Diktatur, aber auch um Träume, Aufbegehren und Lebensfreude. An dem Abend wurde mit den Liedern, mit Gebärden und Gesten, aber auch mit teilweise etwas verstörenden und aufrüttelnden Aktionen wie gespielten Raufereien gearbeitet. Es ging um Gewalt, die den Alltag in vielen Gegenden der Welt unerträglich macht, und um den Mangel an Demokratie, der in vielen Ländern herrscht. Mit Weltmusik, Theater und Tanz wollten Menschen unterschiedlicher Nationen, verschiedener Religionen und Hautfarben demonstrieren, dass vor allem Völkerverständigung, Gewaltverzicht, Toleranz und eben Demokratie Garanten für ein friedliches Nebeneinander sind. Gerade in einem Chor vereinen sich die unterschiedlichen Charaktere, bilden eine Einheit, verschmelzen beim Singen ihrer Lieder.

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18 Programmpunkte gab es im CCU und eine Zugabe. „Die Dämmerung des Frühlings“ aus China verzauberte das Publikum, „Sind so kleine Hände“ war zumindest den älteren Zuhörern wohl durch die Bank gut bekannt. Es ist nicht nur ein schöner Song, sondern es war als Akt gegen das Regime in der DDR auch ein politischer. Eine kleine Hymne ans Dasein vermittelte das Chorensemble im afrikanischen Lied „Elah“, während griechische Lieder von Mikis Theodorakis („Du Sonne der Gerechtigkeit“) und Manos Loizos („Guten Morgen, Sonne“) politische Missstände anprangern und gleichzeitig die Schönheit deren Landes priesen, das nicht kaputt gehen darf. Vor allem das schmissige Lied von Loizos riss kurz vor der Pause das Publikum fast von den Sitzen.

Im zweiten Teil des Abends wurden die Gäste zunächst mit „What A Wonderful World“ verwöhnt, um dann mit etwas Beklemmung gespielte Wiederbelebungsversuche auf der Bühne zu erleben und dann mit dem südafrikanischen Lied „Homeless“ („Heimatlos“) konfrontiert zu werden. Ein riesengroßer Luftballon flog über das Ensemble, unter anderem mit der Aufschrift „Fake“ und platzte dann urplötzlich – und alle sind beglückt.

Ein Höhepunkt des Konzerts war der musikalische Auftritt der Schauspielerin Margarete Lamprecht. Sie trug das argentinische Lied „Rinascero“ („Ich werde wiedergeboren werden“) derart dramatisch vor, dass das Publikum völlig hingerissen war. Am Ende stand „Ein Lied für dieses Land“, zu dem Markus Romes die Idee hatte und in dem es um die Nationalhymne geht, beziehungsweise die Überlegung, eine neue zu schaffen. Aber auch die nicht erwähnten Lieder zuvor faszinierten die Gäste.

Mit anhaltenden Applaus und Standing Ovations wurden die Sänger und Musiker in den Abend entlassen.

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31.10.2018

Je mehr wir uns und andere verstehen, desto friedlicher können wir in einer Demokratie leben.
Die unzähligen kriegerischen Konflikte auf der Welt und die immer wieder aufflammende Fremdenfeindlichkeit zeigen, dass das friedliche und tolerante Zusammenleben unterschiedlicher Lebensarten, Kulturen und Traditionen immer eine Herausforderung bleiben wird. Das Projekt von Herrn Romes ist sehr vorbildlich für das offene und respektvolle Zusammenleben auf der ganzen Welt, für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, für das friedliche Miteinander und Respekt vor der fremden Kultur. Er fördert das harmonische Miteinander und baut Vorurteile ab. Herr Romes leistet einen wichtigen Beitrag, indem er Menschen aus unterschiedlichen Kulturen mittels Musik Brücken aufbaut und fördert somit auch das gegenseitige Interesse und Verständnis.

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