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Weißenhorn

22.01.2020

Ein Energiebündel geht in den Ruhestand: Sepp Meixner im Porträt

Es muss nicht immer Notenpapier sein: Sepp Meixner tüftelt auch im Ruhestand an musikalischem Material an seinem Computer.
Bild: Andreas Brücken

Plus Sepp Meixner gründete die Weißenhorner Musikschule und die Bigband Opus One. Jetzt hat er sich als Schulleiter verabschiedet.

Wenn Sepp Meixner von der Musikschule in Weißenhorn spricht, rutscht ihm bisweilen noch immer ein „wir“ über die Lippen. Doch seit Anfang diesen Jahres gehört dieses Kapitel der Vergangenheit an. Meixner ist nach 33 Jahren als Leiter der Einrichtung in den Ruhestand gegangen.

Musikalisch unternahm Meixner als Neunjähriger an der Gitarre seine ersten Gehversuche, bis er dann die Liebe zur Trompete entdeckte. Damit hätte ihm wahrscheinlich schon früh eine aussichtsreiche Karriere im Musikkorps der Bundeswehr offen gestanden, doch gesundheitliche Probleme zwangen ihn, dieses Instrument niederzulegen: „Durch das intensive Spielen habe ich das Gefühl in der Oberlippe verloren“, erinnert sich Meixner, der sich von diesem Schicksalsschlag nicht in seiner musikalischen Laufbahn aufhalten ließ: Er griff zur Klarinette und lernte innerhalb von nur einem Jahr ehrgeizig an der Musikhochschule Düsseldorf das Instrument und wurde bald erster Klarinettist beim Heeresmusikkorps in Ulm. Es folgte das Musikstudium am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg mit dem Abschluss als Musikpädagoge.

Sepp Meixner, Leader von Opus One, baute die Musikschule Nersingen auf

Zivil engagierte sich Meixner zunächst in Nersingen, wo er 1982 die Musikschule aufgebaut und geleitet hatte. „Damals war ich mit der musikalischen Früherziehung in sämtlichen Kindergärten von Thalfingen bis nach Weißenhorn unterwegs.“ Als die Buben und Mädchen vom Kindergarten in die Schule kamen, wollte Meixner seine Schützlinge nicht ohne Weiterbildung gehen lassen: „Das war der Auslöser, die Musikschule in Weißenhorn zu gründen.“ Recht abenteuerlich seien die Bedingungen im ehemaligen Schulhaus damals gewesen, erzählt Meixner: „Im Winter habe ich eine Stunde vor Unterrichtsbeginn die Ölheizung in den Klassenräumen angemacht.“ Nach einem vorübergehenden Umzug in das Fuggerschloss kehrte nach einer umfangreichen Sanierung der Musikunterricht in die Alte Schule zurück.

Ein Energiebündel geht in den Ruhestand: Sepp Meixner im Porträt

Vor etwa 16 Jahren öffnete sich die Musikschule für eine Zusammenarbeit mit dem Weißenhorner Gymnasium, von dem derzeit rund 50 Nachwuchsmusiker an der Musikschule unterrichtet werden. Aktuell werden dort 44 verschiedene Fächer, vom Schlagzeug und den Saiten- und Blasinstrumenten bis zur Gesangsausbildung, angeboten.

Mit mehr als drei Jahrzehnten ist Meixner als dienstältester Schulleiter in den Ruhestand verabschiedet worden. Nicht immer einfach sei es gewesen, ein Kollegium von vielen sensiblen Musikern zusammen zuhalten, erinnert sich der ehemalige Schulleiter. Wenn es um die Finanzen der Schule ging, war bei Meixner schwäbische Sparsamkeit angesagt: „Ich habe das Geld zusammengehalten und oft zum Jahresabschluss sogar noch Zuschüsse an die Marktgemeinde Pfaffenhofen und die Stadt Weißenhorn zurückzahlen können.“ Bei allem Stolz darüber verfinstert sich die Mine des sonst so gefassten Musikers: „Umso mehr ärgere ich mich, wenn damals Ratsmitglieder, die sonst die Ausgaben für die Musikschule kritisieren, darüber kein Wort verloren haben.“

Für Sepp Meixner bleibt Opus One ein Herzensprojekt

Doch lange währt der Ärger darüber nicht, sobald Meixner über die Bigband Opus One, seinem Herzensprojekt spricht: Vor 29 Jahren gründete er als Dirigent und Leiter das Ensemble mit zahlreichen hochkarätigen Musikern. Mit Auftritten in England, einer Tournee durch Griechenland und Konzertreisen nach Südtirol, Ungarn oder Kroatien jagte die Truppe jahrzehntelang von einem Highlight zum nächsten, bis 2016 die Truppe mit einem Benefizkonzert in Neu-Ulm ihren Abschied gab. 2018 folgte eine Neuauflage der Band als Tribute Orchester des legendären Bandleaders James Last.

Meixner hatte sich mit viel Liebe zum Detail dem Schaffen des 2015 verstorbenen Arrangeurs Last gewidmet. Nach gefeierten Auftritten, unter anderem in der Weißenhorner Fuggerhalle, steht das Projekt jedoch derzeit im luftleerem Raum: Schwindelerregende Kosten für die Technik, Saalmieten und Gema-Gebühren würden ein Comeback zu einem finanziellen Kraftakt und Risiko machen, erklärt Meixner. Doch werden die Fans, die den Künstler auch als musikalisches und organisatorisches Energiebündel kennen, wahrscheinlich die Hoffnung nicht aufgeben, dass die legendäre Bigband in Zukunft wieder auf die Bühne zurückkehrt.

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