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Ulm

05.06.2015

Ein Festival für das Lesen und Lachen

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Gleich zweimal gastiert das „Teatro Caprile“ aus Wien bei der Literaturwoche – einmal in Pfaffenhofen, einmal in Ulm. Die Truppe widmet sich den grotesken Texten von Fritz von Hermanovsky-Orlando.
Bild: Teatro Caprila

Die „Literaturwoche Ulm“ möchte innovativen Verlagen und ungewöhnlichen Autoren ein Forum bieten. Zum Start am 9. Juni kommt Tex Rubinowitz – in mehrfacher Hinsicht eine Idealbesetzung

Sein Schaffen würde wahrscheinlich für drei Menschen reichen: Tex Rubinowitz macht Musik als eine Hälfte der Band „Mäuse“, er ist als Cartoonist Stammgast in Publikationen wie dem Satiremagazin Titanic – und er gewann im vergangenen Jahr überraschend den Ingeborg-Bachmann-Preis. Der Wahl-Wiener Rubinowitz ist ein Querkopf, der nicht recht ins Raster des Literaturbetriebs passen will. Und damit fast schon eine Idealbesetzung für den Start der „Literaturwoche Ulm“: Denn diese will Lust machen auf Literatur jenseits von Bestsellerlisten.

13 Veranstaltungen haben Florian L. Arnold von der Griesbad-Galerie und seine beiden Mitstreiter aus der Kulturbuchhandlung Jastram, Samy Wiltschek und Rasmus Schöll, für die dritte, diesmal fast frei Wochen lange Ausgabe des bibliophilen Festivals auf die Beine gestellt. Und nur noch eine davon findet in der Griesbad-Galerie statt, wo die Literaturwoche vor zwei Jahren ihren Anfang nahm. „Die Idee war schon immer, die Termine über möglichst viele Orte in der Stadt zu verteilen“, sagt Arnold. So gibt es diesmal auch Veranstaltungen im Botanischen Garten, in der Stadtbibliothek und an der Freiluft-Kunst-Bar Stiege. Und auch auf die andere Donauseite geht es: zum Kiosk im Sportpark Wiley und sogar in den „Schtall“ der Kleinkunstbühne „Brett im Schtoi“ in Pfaffenhofen.

Starthelfer Rubinowitz tritt am Dienstag, 9. Juni, um 19.30 Uhr im Haus der Museumsgesellschaft auf. Dort liest er nicht nur aus seinem neuen Roman „Irma“, sondern zeigt auch eine Auswahl seiner Zeichnungen, die ab 11. Juni dann im Foyer der Stadtbibliothek zu sehen sind. Nicht die einzige Ausstellung der Literaturwoche – eine Präsentation mit Illustrationen aus Büchern des Berliner Jaja-Verlags ist ja schon seit ein paar Tagen im Kunstschaufenster der „Tête-à-Tête-Galerie“ auf der Neu-Ulmer Insel zu sehen (wir berichteten). Ab 3. Juni zeigt das Café Schmizz am Judenhof eine Auswahl von Thomas-Pynchon-Zeichnungen von Max Häring aus Giengen.

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Deutlich verrät die Veranstaltungsreihe ihren Erfinders Arnold, der schließlich auch selbst Autor und Grafikkünstler ist. Dabei ist diesem eines besonders wichtig: „Bei der Literaturwoche geht es um Entdeckungen.“ Er will deshalb vor allem kleinen Verlagen ein Forum bieten, die seiner Meinung nach die treibende Innovationskraft in der Literatur sind. Eben Bücherschmieden wie den Jaja-Verlag, der in knapp vier Jahren schon 60 teils wunderschön illustrierte Bücher und Büchlein veröffentlicht hat, oder auch den Hablizel-Verlag des Blausteiners Markus Hablizel, der seine Wurzeln im Hip-Hop und im Pop-Journalismus hat.

Die Spannweite der Literaturwoche ist so groß wie nie: Neben jungen Autoren und Verlagen gibt es auch einen Abend über Arno Schmidt (1914-1979), den großen Exzentriker der deutschen Nachkriegsliteratur, und einen musikalisch-literarischen Abend um den seinerzeit überaus erfolgreichen Ulmer Barockdichter Johann Martin Miller (1750-1814), der einst gar Goethe zu seinem „Werther“ inspirierte. Und auch der Österreicher Fritz von Hermanovsky-Orlando (1877-1954), ein Meister der Groteske, wird gewürdigt – bei einer szenischen Lesung mit dem „Teatro Caprile“ aus Wien.

Hermanovsky-Orlando ist für Arnold so etwas wie ein Vorläufer der britischen Humor-Avantgardisten Monty Python. Und schon deshalb in der Literaturwoche willkommen. Gute Literatur, so Arnold, müsse nicht ernst sein, sondern könne auch gut unterhalten.

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