Newsticker

Merkel betont Notwendigkeit weiterer Corona-Beschränkungen
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Ein Gestalter, der wie ein Künstler dachte

Ausstellung

11.11.2017

Ein Gestalter, der wie ein Künstler dachte

Bei der Arbeit: Walter Zeischegg in der HfG.
2 Bilder
Bei der Arbeit: Walter Zeischegg in der HfG.

Das HfG-Archiv würdigt in seinem Studio den 1983 verstorbenen Walter Zeischegg

Neben den berühmten Namen der Hochschule für Gestaltung (HfG) steht der von Walter Zeischegg (1917-1983) etwas verloren da: Der gebürtige Wiener schuf keine Design-Ikonen wie den Ulmer Hocker, lukrative Großaufträge zog er kaum an Land. Wahrscheinlich auch, weil er andere Interessen verfolgte als viele seiner Kollegen: Unter dem Titel „Die Natur der Form“ zeigt das HfG-Archiv in seinem Studio etwa 80 Exponate, die Zeischeggs Begeisterung für die pure Form unterstreichen – und ihn auch als Bildhauer ins Blickfeld rücken.

Nur wenige Persönlichkeiten sind so eng mit der Geschichte der Schule verbunden: Bereits 1951 holte ihn Max Bill ins Aufbauteam – und er blieb bis zum Ende 1968 der HfG treu. Zeischegg arbeitete in der Abteilung Produktgestaltung. Nach der Schließung der HfG eröffnete er sein eigenes Büro in Neu-Ulm, in dem er bis zu seinem Tod arbeitete. Sein wichtigster Kunde war die Firma Helit, für die er auch sein bekanntestes Produkt, einen stapelbaren Aschenbecher schuf.

Dessen Sinusform ist typisch für Zeischegg, der sich wie kaum ein anderer HfG-Mitarbeiter an der Geometrie abarbeitete. Laut Martin Mäntele, Leiter des HfG-Archivs, beschäftigte er sich intensiv mit naturwissenschaftlichen Phänomenen, sogar Literatur zur Kristallkunde befinde sich in seinem Nachlass. Die Natur war für Zeischegg aber nur der Ausgangspunkt für eigene, freie Formstudien, die oft kaum Bezug zu praktischer Anwendbarkeit hatten. Damit war der studierte Bildhauer viel mehr Künstler als die von den Ideen des Bauhaus („Form folgt Funktion“) geprägten HfG-Gründer und „Gestalter“ Otl Aicher und Max Bill. Was intern durchaus Konfliktpotenzial barg. Die Studenten profitierten aber vom Wissen des Dozenten, der freilich, wie Mäntele es formuliert, eine „komplexe Persönlichkeit“ hatte und entsprechend im Umgang nicht immer ganz leicht war. „Zeischegg hat nicht den richtigen Platz gefunden.“

Die Ausstellung „Die Natur der Form“ zeigt die Nähe Zeischeggs zu den Künstlern der Konkreten Kunst, die wie er über geometrische Konstruktionen zu ästhetischen Ergebnissen kamen. Und zum Bildhauer Constantin Brancusi (1876-1957). So wie dieser setzte sich Zeischegg mit der Idee einer „endlosen Säule“ auseinander, die aus beliebig vielen gleichen Modulen zusammengesetzt werden kann. Neben einige Modellen und Skizzen können in der Ausstellung auch einige fertige Exemplare begutachtet werden – dank einer anderen, eher praktischen Erfindung Zeischeggs: Er entwickelte das Lichtschienen-System für die HfG.

„Die Natur der Form“ wird morgen, Sonntag, um 11 Uhr eröffnet und läuft danach bis 14. Januar. Geöffnet Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren