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Ulm

26.10.2017

Ein Job im Dienste der Jobmaschine

Ulm ist das Zentrum einer prosperierenden Wirtschaftregion. Doch Arbeitslosigkeit gibt es dennoch.
Bild: Alexander Kaya

In der Region herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Warum dem neuen Chef der Ulmer Arbeitsagentur die Aufgaben dennoch nicht ausgehen werden.

Auf den ersten Blick scheint der Chef der Ulmer Arbeitsagentur einen leichten Job zu haben: Angesichts einer Arbeitslosenquote von verbreitet unter drei Prozent sprechen Experten von Vollbeschäftigung. Doch gerade deswegen sieht Mathias Auch, der vor 14 Tagen die Nachfolge von Alfred Szorg auf dem Chefsessel der Ulmer Behörde antrat, seine neue Stellung als Herausforderung. „Es ist wahnsinnig viel Dynamik im Arbeitsmarkt“, sagt der 42-Jährige. Das heißt: Viele Zugänge und Abgänge kennzeichnen eine Joblandschaft, um die der Großraum Ulm in ganz Europa beneidet wird.

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Die Vielfalt ist groß, wie in wenigen Regionen des Kontinents: Es gibt neben den großen Konzernen der traditionell starken Metall- und Elektroindustrie und einer lebendige Pharma-Branche rund um Ratiopharm als Krönung zahlreiche Mittelständler, die als „Hidden Champions“ – also unbekannte Weltmarktführer – das Rückgrat des regionalen Wohlstands bilden. Auch sieht es als eine Herausforderung an, die regionalen Betriebe mit Fachkräften zu versorgen. Akute Engpässe wie bei Informatikern ließen sich zwar nicht von heute auf morgen beheben. Doch es gebe durchaus Hebel, die die Arbeitsagentur in die richtige Richtung bewegen müsse. Dazu gehöre etwa die Förderung passender Weiterbildungsangebote oder die gezielte Berufsberatung von Schulabsolventen.

Allerdings weiß Auch freilich, dass auf dem regionalen Arbeitsmarkt nicht alles in Butter ist selbst wenn kaum eine andere Behörde im Land eine so niedrige Arbeitslosenquote hat wie die Region rund um Ulm nachweisen kann. Langzeitarbeitslose und Niedrigqualifizierte etwa, profitieren kaum von der guten Lage am Arbeitsmarkt. Immerhin sei die Zahl der Menschen, die seit über einem Jahr und länger arbeitslos sind, im Vergleich mit 2016 zuletzt um neun Prozent gefallen. Doch knapp 2000 Menschen im Bezirk der Agentur für Arbeit Ulm finden nach wie vor dauerhaft keinen Job. Einen wichtigen „Kundenkreis“ nennt Auch zudem die Bezieher von Grundsicherung – im Volksmund Hartz IV – einen Begriff, den Auch tunlichst vermeidet.

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Allein im Stadtkreis Ulm bezogen im vergangenen Jahr im Schnitt 1702 arbeitslose Menschen die Grundsicherung. Zwar waren es 2014 grob 100 weniger, doch ansonsten ist die Zahl über die Jahre ziemlich konstant.

Auch wenn Ulm im Vergleich mit anderen Großstädten in dieser Hinsicht bestens dastehe, gebe es rund ums Münster „generationsübergreifende Langzeitarbeitslosigkeit“. Sprich: Familien, in denen Bildung traditionell keine große Rolle spielt und somit die Arbeitslosigkeit quasi vererbt wird. „Wir müssen auf diese Familien zugehen“, sagt der in Böblingen geborene Wirtschafts- und Geschichtswissenschaftler Auch. Denn die Eltern seien die wesentlichen Impulsgeber für die berufliche Orientierung der Jugend. Per „Elternarbeit“ müsse in Gesprächen der Wert von Bildung eindringlich betont werden.

Alfred Szorg, der Vorgänger von Auch, hatte die Agentur für Arbeit vorübergehend geleitet, weil Peter Rasmussen, Chef der Agentur für Arbeit Ulm seit 2012, die Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen seit Mai 2016 nicht mehr ausüben konnte und jetzt im Ruhestand ist. Auch ist wenn nicht der dann zumindest einer der jüngsten Leiter einer regionalen Arbeitsagentur. Der 42-Jährige war zuletzt operativer Geschäftsführer der Agentur Nagold-Pforzheim und ist seit 2005 ist er bei der Bundesagentur für Arbeit in verschiedenen Leitungsfunktionen tätig. Unter anderem bei den Agenturen für Arbeit Ravensburg und Mannheim sowie in der Regionaldirektion Baden-Württemberg.

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