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125 Jahre Münsterturm

19.02.2016

Ein Jubiläum, das nachwirkt

Im Gemeinderat gibt es Lob für die Organisatoren, aber auch Kritik an manchen Kunstaktionen. Beim Thema Oratorium prallen die Meinungen aufeinander

Das Münsterturmjubiläum wird die Stadt Ulm und den künftigen Oberbürgermeister Gunter Czisch noch länger beschäftigen. Zwar legte, in der letzten Gemeinderatssitzung der Amtszeit Ivo Gönners, Kulturabteilungsleiterin Sabrina Neumeister einen Abschlussbericht zum Münsterjubiläum vor, der auf viel Lob und manches Eigenlob bei den Stadtvätern stieß, doch kam es im Rahmen der Sitzung auch zum Eklat (die NUZ berichtete). Man habe aus dem Münsterturmjubiläum viel gelernt für die nächsten anstehenden Feiern – für das Reformationsjubiläum und für das Berblinger-Jubiläum im Jahr 2020, sagte Neumeister.

Die Gesamtschau zeigt: 7,9 Prozent mehr Übernachtungsgäste registrierte die Stadt durch das Münsterturmjubiläum, und das Münster bekam ein deutliches Plus an Spenden und Besuchern, die Führungen mitmachten. Fast 10000 Menschen engagierten sich für das Gelingen des Jubiläums – ein großes Zeichen für bürgerschaftliches Engagement. In die New York Times – wie in den Planungen 2005 angepeilt – schaffte es Ulm nicht, doch nahezu in jede Zeitung zwischen Sylt und Berchtesgaden. Außer in Sachsen-Anhalt, wo man wenig Interesse für die Stadt mit dem weltweit höchsten Kirchturm zu haben scheint.

Geteilt bleibt die Meinung zu Joachim Fleischers „Münsterscanning“. Timo Ried schlug beim Lob die Hände vors Gesicht. Wobei er der Münsterturmbeleuchtung attestiert, dass sie „tolle Kunst“ sei. Nur machte sich der FWG-Gemeinderat die Mühe, im Internet zu googeln, was Neugierige an Bildern vom nächtlichen Münster finden. Und das „kuhnachte Münster“ wirke enttäuschend, sagte Ried, der mit Goethes letzten Worten „mehr Licht!“ forderte. Münsterscanning müsse nicht 365 Tage im Jahr da sein – zwei Durchläufe nachts zwischen 23 Uhr und Mitternacht genügten, sagte Ried, der eine Rückkehr zur früheren Turm-Illumination will.

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Kritik brachte Gerhard Bühler (FWG) vor: Man habe die großartige mehrteilige Ausstellung „Die Jubeljahre des Ulmer Münsters“ in den Keller des Stadthauses „nondergsperrt“, sodass die auch von Bürgern zur Verfügung gestellten geliebten Exponate nicht wirklich zur Wirkung kamen.

Nachdem Kulturdezernentin Neumeister erneut – wie unter anderem im Abschlussbericht veröffentlicht – betont hatte, dass das „Ulmer Oratorium“ des zyprischen Komponisten Marios Joannou Elia der Stadt bis heute nicht vorliege, hatte Gemeinderat Hans-Walter Roth (CDU), wie er in der NUZ angekündigt hatte, eine gedruckte Partitur der Komposition auf den Ratstisch gelegt. Roth zufolge hat eine Musikwissenschaftlerin diese als „spielbar“ beurteilt. Unmittelbar zuvor hatte FWG-Mann Bühler Neumeister gelobt „Sie kennat nix dafür!“ und sich abfällig über den „unzuverlässigen“ Komponisten Elia geäußert, der der Stadt „vom Kuratorium aufgeschwätzt“ worden sei. „Da ist der no’ aus Zypern. Des ist bei Griechenland“, lästerte Bühler in der öffentlichen Sitzung.

Derartige Worte verstummten allerdings, nachdem Roth zur Vorlage der Partitur aus dem zitierte, als was der Komponist in einigen Medien nach der Absage des Oratoriums bezeichnet worden war – als „Versager“ beispielsweise. Roth, der nach eigener Erklärung die Komposition als Klangsimulation am Computer beim Besuch des Komponisten in Ulm am 8. Mai 2015 hören konnte, plädiert: „Wir haben die Aufgabe, diese Sache zu einem guten Ende zu bringen.“

Dafür gibt es, so der unangenehm berührte Oberbürgermeister Gönner auf Nachfrage von Helga Malischewski (FWG), die Möglichkeit, dass der Komponist oder ein externer Veranstalter das Oratorium aufführen und die Stadt einen Zuschuss gebe (was die Verwaltung offenbar favorisiert), oder dass die Stadt Ulm das Oratorium wiederum selbst auf die Bühne bringt. Es müsse für 400 Amateure aufführbar sein, so Gönner.

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