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Landkreis

13.02.2015

Ein Lichtblick für junge Flüchtlinge

Bashir Jafari (rechts) ist aus Afghanistan nach Deutschland geflohen und wohnt nun seit zwei Monaten in Neu-Ulm. Der 16-Jährige wird bald bei Martin Schuler und seiner Baufirma arbeiten. 

Ein neues Projekt soll jungen Asylbewerbern die Arbeitswelt im Landkreis näherbringen und ihnen helfen, die deutsche Sprache zu lernen und vor allem hier Fuß zu fassen.

„Anschub“ nennt sich das neue Projekt im Landkreis, das bayernweit erst ein Mal gibt. Die Idee kam Schulamtsdirektor Ansgar Batzner aus Illertissen: Er schloss sich mit Vertretern der Handwerks- und Industrie- und Handelskammer sowie einer Vertreterin des Landratsamtes kurz, um eine Möglichkeit zu finden, jungen, nicht volljährigen Flüchtlingen eine berufliche und schulische Perspektive zu geben. Letztere bekommen die derzeit 140 asylsuchende Kinder- und Jugendliche in den acht Übergangsklassen im Landkreis. Seit etwa einem halben Jahr bringen ihnen dort extra dafür ausgebildete Lehrkräfte beispielsweise Deutsch oder Mathematik bei. Zwei Jahre bleiben die neuen Schüler in einer Übergangsklasse und wechseln dann in der Regel auf die Mittel- oder die Realschule, das das Gymnasium oder in den Beruf. Bashir Jafari geht mit zehn anderen Flüchtlingen auf die Peter-Schöllhorn-Mittelschule. Für die jungen Erwachsenen tut sich nun eine weitere Möglichkeit auf: Sie können praxisnah herausfinden, welche Berufe es hier im Landkreis gibt.

Batzner und das Team aus Wirtschafts- und Landratsamtsvertretern haben einige Firmen in der Region angeschrieben und gefragt, ob diese bereit wären, einen jugendlichen Flüchtling aufzunehmen und ihnen die Facetten ihres Jobs näherzubringen. Das Ergebnis: 20 Betriebe haben ihr Ok gegeben, darunter beispielsweise das Ludwigsfelder Seniorenheim, das Autohaus Mack oder die Baufirma Schuler. Deren Chef hat sich zuvor mit dem Thema Flüchtlinge noch nicht allzu viel beschäftigt: „Bisher wusste ich nicht recht, was es für Möglichkeiten gibt, Asylbewerber einzubinden oder wer die Ansprechpartner sind“, sagt Schuler. „Man wusste ja nie, wie das versicherungstechnisch so ist. Doch jetzt hat sich das geklärt.“ Als das Angebot kam und ihm das Projekt „Anschub“ vorgestellt wurde, habe er sofort zugesagt. Daher wird Bashir Jafari bei der Baufirma Schuler den Handwerkern ab dem 23. Februar zwei Tage in der Woche über die Schulter schauen.

Nicht nur der 16-Jährige hat davon etwas, auch Schuler, der auf diese Weise Werbung für seinen Beruf und die Ausbildungsplätze machen kann. Bis zum 27. März wird Jafari bei ihm sein und zusätzlich drei Mal in der Woche wie bisher den Unterricht in der Übergangsklasse besuchen.

Auch die Zwillinge Kamil und Polubok Wojciech werden künftig diesen Rhythmus haben, da die beiden 18-Jährigen bei den Firmen Stiefel und Schüssl arbeiten. Die beiden Polen, die seit sechs Monaten in Neu-Ulm leben, wissen noch nicht genau, was sie später einmal werden wollen. „Es ist gut, dass wir jetzt mal schauen können, was uns Spaß macht“, sagt Polubok Wojciech, der bereits gut deutsch spricht und vielleicht in einer der Firmen eine Ausbildung anfangen kann. Das hofft er zumindest.

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