1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Ein Mann fürs Monumentale

Ulm

23.04.2014

Ein Mann fürs Monumentale

Komponist Marios Joannou Elia ließ in seinen Werken schon Autos und Aufzüge musizieren. Nun arbeitet er an einem Oratorium für Ulm.

Der Name Marios Joannou Elia ist in der Musikszene verbunden mit Spektakulärem: Der in Zypern geborene 35-jährige Komponist mit Wohnsitz in Heidelberg schuf 2010/11 „Autosymphonic“, eine in Mannheim zum 125. Geburtstag des Automobils vor 20.000 Zuschauern uraufgeführte Sinfonie für 81 Autos und 120 Percussionisten und vielen weiteren Mitwirkenden. Derzeit komponiert Elia, der inzwischen zum künstlerischen Direktor der europäischen Kulturhauptstadt 2017 Paphos in seinem Heimatland Zypern berufen ist, wieder für einen 125. Geburtstag: Im Auftrag der Stadt Ulm erarbeitet er ein „Ulmer Oratorium“, das am 29. und 30. Mai 2015 unter freiem Himmel auf dem Münsterplatz seine Uraufführung erleben wird.

Wie ihn der Münsterturm in seiner Kreativität beeinflusst, schildert Elia: Er empfindet den wuchtigen Eindruck des Turmes und seine filigrane Ausarbeitung im Stein als sich gegenseitig ergänzend, als komplementär. Die Betrachtungsebene des gewaltigen Turmes sehe die Gesamtheit, die andere Ebene des Filigranen fokussiere sich auf das Detail, sagt Elia. „Genauso entwickelt sich auch mein kompositorisches Verfahren – Fragment und Einzelstimme gegenüber der Beziehung zum Ganzen in holistischer Weise.“

Für ihn bedeute ortsspezifisches Komponieren, kreativ mit einem Ort oder Gebäude umzugehen mit dem Ziel, dieses zu zelebrieren. „Es ist eine Herausforderung, aber zugleich eine Chance und die Quelle, etwas ganz Besonderes und Individuelles zu schaffen.“ Sein „Ulmer Oratorium“ werde Fragen nach der Geschichte, Gefährdung und der gegenwärtigen Bedeutung des monumentalen Bauwerkes Münsterturm nachspüren.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

400 Ulmer Musikerinnen und Musikern – darunter namhafte Solisten – werden an der Uraufführung Ende Mai 2015 auf dem Münsterplatz beteiligt sein. Mit dabei sind unter anderem Friedemann Johannes Wieland und seine Münsterkantorei, und Operndirektor Matthias Kaiser, das Philharmonische Orchester der Stadt, die Münsterkantorei, der Oratorienchor, der Mädchenchor der Ulmer Spatzen, die Junge Bläserphilharmonie, Percussionisten und Popmusiker. Das Libretto des Oratoriums schreibt Robert Kleindienst.

Neben den Gesangssolisten und der Münsterorgel werden „Instrumente“ der Münsterbauhütte und ein „Glockenorchester“ unter Einbeziehung der Münsterglocken und weiteren Glocken und glockenartiger Instrumenten wie einer Klangschale (aus der die Glocke entwickelt wurde) und eine Celesta (ein glockenartig klingendes Tasteninstrument) in Aktion treten. „Das Sakrale“, sagt Elia, betrachte er im „Ulmer Oratorium“ in überreligiöser Dimension, in weltanschaulicher Hinsicht. Das „Ulmer Oratorium“ lehne sich an das „Elias“-Oratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy an, mit dem der Festakt zur Fertigstellung des Münsterturms 125 Jahre zuvor gefeiert wurde.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20G%c3%a4nstorbr%c3%bccke-2018-11-17-18-038.tif
Ulm/Neu-Ulm

So lief der tonnenschwere Test auf der Gänstorbrücke

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden