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20.09.2012

Ein Monumenti-Künstler ist verstummt

Tassilo Mozer, 2007 im Kunstmuseum Oberfahlheim.
Bild: Mayer

Der Ulmer Bildhauer und Maler Tassilo Mozer ist an seinem Wirkungsort in der Nähe von Florenz gestorben

Ulm „Stark: die Klassiker Nasfeter, Hilmar Braun und Tassilo Mozer“, schrieben wir anlässlich der erst vor wenigen Tagen im Ulmer Museum abgelaufenen „Triennale Ulmer Kunst“. Eine künstlerische Stimme ist ganz überraschend für immer verstummt: Der in Ulm geborene Bildhauer und Maler Tassilo Mozer ist vergangene Woche in Florenz im Alter von 49 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben.

Der ehemalige Ulmer Förderpreisträger des Jahres 1992 und spätere Stipendiat der Kunststiftung Baden Württemberg wird vielen als stiller und kluger Gesprächspartner in Erinnerung bleiben, dessen skulpturale Kunst mit ihren segmentierten, vom Schiefen Turm von Pisa inspirierten Stelensegmenten einen ganz besonderen Charakter nachzeichnete. Eine feingliedrige Werksschau war im Januar vergangenes Jahr bei der Kunststiftung Pro Arte in der Ulmer Galerie im Kornhauskeller aufgebaut worden. Ein paar Monate zuvor waren seine auf Quaderformen reduzierten Objekte mit ihrem strengen Minimalismus im Ulmer Künstlerhaus wie immer nicht auf Effekthascherei aus.

Als international anerkannter Künstler pendelte Mozer in einer balanceartigen Formensprache zwischen Tradition und Moderne hin und her. Er nutzte die Kuben, Rechtecke und Quadrate der Geometrie mit Stuckmaterial und Bronze für eine zarte, in Schwarz-Weiß gehaltene Formensprache, die mit Schattenspielen eine zusätzliche Dimension erfuhr und den Begriff der Unwirklichkeit von Materialität umspielte. Die unwidersprochene Ästhetik der Ausstrahlung blieb eine bewusst Zweigeteilte: Mozers Monumenti zeigten und zeigen immer noch die Stele als skulpturale Umsetzung der Idee in all ihrer Zerbrechlichkeit. Der schiefe Turm von Pisa hat bei diesem künstlerischen Impetus Pate gestanden. Mozers Büttenpapier-Collagen mit Tusche beeindruckten mit Abrisskanten und Schichtungen in nicht konstruierter Flächenerkundung. Auch im Kunstmuseum Oberfahlheim zeigte seine organische Formensprache keine schrillen Gestaltungstöne, sondern die empfindsamen Variationen der Säulenformen, die in der Toskana bekanntlich über die Renaissance die Antike widerspiegeln. Mozers Stelen verkörpern eine offene Archaik, deren treppenförmig gewundenen Spitzen etwas Rituelles anhaftet, das sich vielleicht in den Stufenpyramiden der Mayas wiederfindet.

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Die Idee formte sich zur skulpturalen Zerbrechlichkeit

Mozer hielt die Oberflächen seiner Skulpturen aus Gips, Bronze, Aluminium bis hin zum Eisenguss und der Umsetzung in Holz zerfurcht lebendig. Seine Arbeiten auf Papier erzielten im traditionellen Schwarz-Weiß-Kontrast ihre ästhetischen Wirkungstreffer mit einer offenen Struktur. So arbeitete der Künstler, der jedoch nicht in einer Reihe mit seinen „konkreten“ Kollegen zu betrachten war, aus dem Bauch heraus: Die Idee formt sich in der Skulptur zur Stele, architektonische Strukturen zeigen sich in seinen Bildern als freihändig umgesetzte Muster.

1963 in Ulm geboren, erhielt Tassilo Mozer nach Studien in Bologna und Florenz 1992 den Förderpreis der Stadt Ulm, 1994 ein Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg und 1999 den Kunstpreis der Sparkasse Neu-Ulm. Auch seine Ausstellungstätigkeit unterstreicht die Wurzeln an der Donau ebenso wie seine toskanische Schaffensphase: 1998 im Ulmer Stadthaus mit Exponaten vertreten, über Millennium ins Marchtaler Fenster des Klosters Obermarchtal eingebunden - dann folgte von der Galerie Axel Holm (2003) über die Ulmer Griesbad-Galerie und Ulmer Museum im Jahr 2007 eine Ausstellung bei Florenz. Von Prato bei Florenz aus kam Mozer immer wieder in seine Heimatstadt Ulm zurück, wo er viele Freunde hatte: Seine fein ziselierte Kunst wird in Erinnerung bleiben.

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