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Nersingen

24.05.2019

Ein Nersinger ist auf Zeitreise im historischen Wohnwagen

Der Wohnwagen vom Typ Bluebird Dorset, Baujahr 1961, ist ein Raumwunder. Fast alles lässt sich ausklappen – sogar eine echte Matratze.
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Der Wohnwagen vom Typ Bluebird Dorset, Baujahr 1961, ist ein Raumwunder. Fast alles lässt sich ausklappen – sogar eine echte Matratze.

Plus Manfred Fuchs ist mit Autos und Campinganhängern aus den 60ern in ganz Europa unterwegs. Von überall bringt der 58-jährige Nersinger Geschichten mit.

England wäre noch so ein Ziel. Schließlich ist Manfred Fuchs mit einem englischen Wohnwagen unterwegs, gezogen von einem englischen Auto. Beide mehr als ein halbes Jahrhundert alt. Aber erst einmal geht es nach Belgien, mit 80 Kilometern pro Stunde. Mehr will Fuchs seinem Morris 1000, Baujahr 1966, nicht zumuten. Wenn der Oldtimer mitmacht. Der Hauptbremszylinder hat zuletzt gezickt. Bis kurz vor der Abfahrt hat der Nersinger daran gearbeitet. Jetzt, am Samstag, geht es los. Seine Frau Elisabeth und er besuchen Freunde, dann geht es ins belgische Werchter zur Euro Classic Caravan Rally, dem internationalen Camping-Oldtimer-Treffen. Donnerstag Anreise, Freitag Begrüßung, Samstag Flohmarkt und ab 14 Uhr Tag der offenen Wohnwagentür. So wie bei allen Treffen in Deutschland und ganz Europa, die das Ehepaar bereist.

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Angefangen hat alles mit einem spontanen Einfall. Fuchs sammelte Fiat 126 – sechs Oldtimer standen in seinem Hof. Und dann war da die Idee: „Da muss ein Anhänger hin.“ Der Nersinger kaufte einen alten Dethleffs Camper: „Ein brutales Teil, total im Eimer, meine Frau hat getobt.“ Der Camper mit Sperrholzwänden lässt sich zu einem kleinen Anhänger zusammenklappen, vor der Übernachtung muss er aufgebaut werden. Weil der Campinganhänger wohl jahrelang im Freien stand, war er komplett marode. „Hinten sind 20 Zentimeter hoch die Pilze gewachsen“, erinnert sich Fuchs. Der Mann beschloss, den Anhänger wieder flottzumachen – und wusste nicht wie. Jahrelang stand der marode Camper herum, dann fuhren Manfred Fuchs und seine Frau Elisabeth zu einem Treffen des Camping-Oldie-Clubs, um sich mit erfahrenen Schraubern auszutauschen. Inzwischen ist Manfred Fuchs selbst einer von denen, die anderen sehr viel über alte Wohnwagen erklären können. Einer, der im Zweifel sogar einem ADAC-Mechaniker das Werkzeug abnimmt.

Ein Nersinger ist auf Zeitreise im historischen Wohnwagen

Manfred Fuchs aus Nersingen liebt Camping-Oldtimer

Das Ehepaar Fuchs war unterwegs zum internationalen Treffen in Schweden. Unterwegs brach ein Blech an der Lichtmaschine des Fiat 126, der den Dethleffs Camper zog. Manfred Fuchs rief beim ADAC an und bat um einen Mechaniker mit Bohrmaschine und 8er Bohrer. Der Mechaniker kam, legte los – und ließ Manfred Fuchs am Ende selbst arbeiten: „Sie kennen sich besser aus.“ Der Nersinger kann solche Geschichten reihenweise erzählen und immer enden sie mit Gelächter.

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Der 58-Jährige hat schon als Kind gern in der Werkstatt zugeschaut, ob beim Schreiner oder beim Schmied. Später hat er sich zum Juwelenfasser ausbilden lassen und noch später seinen Laden in der Ulmer Straße in Nersingen eröffnet. Fuchs verkaufte zunächst vor allem Trachtenschmuck, den er zum Teil selbst fertigte. Heute hat das Geschäft nur noch zwei Mal in der Woche geöffnet, über die Theke gehen Schnäpse und Wecker. Manfred Fuchs hat alteingesessene Kunden. Noch bekannter als er ist in Nersingen seine Frau Elisabeth, die seit mehr als vier Jahrzehnten als Erzieherin im Kindergarten arbeitet.

Camping-Oldie-Treffen in ganz Europa

Von der Schmuckwerkstatt profitiert Manfred Fuchs, wenn er an den Autos und Wohnwagen arbeitet. Inzwischen hat ein Bluebird Dorset den Dethleffs Camper abgelöst. Das Auf- und Abbauen des Campinganhängers war Fuchs irgendwann zu lästig, vor allem bei Regen. Der Bluebird ist ein englisches Modell, Baujahr 1961. Als der Nersinger ihn kaufte, ließ er erst einmal seine Frau in den Wohnwagen und wartete ihr Urteil ab. Eine Lehre aus dem Streit um den Dethleffs Camper.

Das Ehepaar Fuchs ist begeistert von dem Wohnwagen. Außen weiß-rot lackiert, innen ein Platzwunder: zwei Betten zum Ausklappen, eins sogar mit echter Matratze. Ein Schrank, dessen Tür aufgeklappt einen Teil des Wohnwagens als Schlafzimmer abtrennt. Waschbecken, Herd, alte Lampen und Vorhänge. Am WC-Raum arbeitet Manfred Fuchs vorerst nicht weiter. Er hat weder Pläne noch Unterlagen zum Bluebird und will nichts kaputt machen oder falsch umbauen. Ein Trip nach England könnte helfen, dort kennt sich womöglich jemand mit dem Bluebird Dorset aus.

Ein Morris 1000 zieht den Bluebird Dorset

Die internationalen Treffen der Oldtimer-Mobilisten finden jedes Jahr in einem anderen Land statt. Dazu kommen die deutschlandweiten Treffen des Camping-Oldie-Clubs, dem sich der Nersinger angeschlossen hat. Die Stimmung unter den Oldie-Campern gefällt ihm: „Wer in der Früh als Erster aufsteht, knallt seinen Tisch mitten auf den Weg. Der Nächste stellt seinen daneben und am Ende gibt es eine lange Tafel.“ Beim jüngsten Ostertreffen auf einem kleinen Campingplatz im Ostalbkreis kamen so viele Teilnehmer, dass das Stromnetz nicht mehr mitmachte. „Da hat es den Trafo am Mast zerrissen“, berichtet Fuchs. Ein Mitarbeiter des Stromanbieters habe ein Notstromaggregat vorbeibringen müssen. Der Platzwart habe nur noch große Augen gemacht.

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Manfred Fuchs ist es gewöhnt, dass die Oldie-Camper Eindruck hinterlassen. In Paris wollte er seinen Dethleffs Camper vor dem Eiffelturm fotografieren und musste eine Viertelstunde warten, bis alle Touristen Souvenir-Fotos vor dem alten Campinganhänger geschossen hatten. An diesem Samstag beginnt die nächste Fahrt, ins belgische Werchter, zum internationalen Treffen. Und wenn Zeit ist, noch zum Atomium in Brüssel. Fotos machen vor einer Sehenswürdigkeit.

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