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17.11.2018

Ein Neu-Ulmer in Sigmund Freuds Kopf

Jörg Neugebauers Band „Wien.Nacht“

Seit 2004 betätigt sich der Neu-Ulmer Jörg Neugebauer schriftstellerisch. Der 69-jährige Germanist, der auch Philosophie und Geschichte studierte, hat mit „Wien.Nacht“ ein schmales, aber hoch spannendes Buch vor, für das er sich in Kopf und Seele von Sigmund Freud schleicht.

Es ist Nacht in Wien. Wien schläft, Freud, der 40-jährige Erfinder der Psychoanalyse, denkt – Zigarren rauchend – über sein Leben nach. Er greift nach den Akten jener Patientin, die ihn in seiner Karriere am meisten faszinierte. Die junge Witwe Isabelle unterwarf sich zehn Jahre zuvor seinen Theorien nicht. Sie redete sich ihre Last von der Seele – und verließ den Arzt, der ihr nicht half, sondern der sie in sein Schema zu pressen suchte.

Jörg Neugebauer wagt in seinem jüngsten Werk eine sehr menschliche, für den Leser aber gut nachvollziehbare These: Freud wusste, dass er mit seiner Theorie vom Penisneid der Frau falsch lag. Doch er beschließt, lieber mit einer falschen, in die Welt gesetzten Wahrheit berühmt zu sein, als ein Gescheiterter sein zu wollen.

Quasi nebenbei und doch überzeugend gibt der Autor tiefe psychologische Einblicke in Freuds Sexualität, in die seiner Ehe, innerhalb derer er die Intimität mit Martha schon nach acht Jahren, aber nach sechs geborenen Kindern, aufgab, in Fantasien und in Gelebtes, das aus der Biografie des Psychoanalytikers zu schließen ist. Ein Haushalt mit zwei Frauen, ein nahezu scheuer, aber ehrgeiziger Mann und die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, die auch Freud prägte. (köd)

„Wien.Nacht. Eine Erzählung nach Motiven aus der Biografie Freuds“ ist im Salon Literaturverlag erschienen und im Handel für 12,50 Euro erhältlich.

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