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Neu-Ulm

25.08.2017

Ein Ort für trauernde Kinder: Johanniter eröffnen spezielles Zentrum

Kinder trauern auch, indem sie spielen und toben.
Bild: Johanniter-Unfall-Hilfe

Die Johanniter planen in Neu-Ulm ein spezielles Zentrum für junge Menschen in sehr schweren Lebenssituationen. Wie die Arbeit dort abläuft und welche Eigenschaft Mitarbeiter haben müssen.

Einen geliebten Menschen zu verlieren, ist immer ein schwerer Schicksalsschlag – besonders aber für Kinder und Jugendliche. Doch oft haben die es schwer, ihre Trauer über den Tod von Eltern oder Geschwistern zu verarbeiten. Denn die erwachsenen Familienmitglieder haben meist selbst genug mit dem Verlust zu kämpfen. In Neu-Ulm gibt es für solche Situationen bald eine neue Anlaufstelle: Die Johanniter richten mit dem Projekt „Lacrima“ (zu Deutsch: Träne) ein Zentrum für trauernde Kinder ein. Die Dienststelle in der Zeppelinstraße in Neu-Ulm ist erst im April dieses Jahres eröffnet worden (wir berichteten).

Bei den Gruppentreffen und dem Trauerprozess laufe viel über Rituale, sagt Michael Sell, Dienststellenleiter in Ulm/Neu-Ulm. Dennoch werden die Stunden immer individuell gestaltet: „Manchmal sind es künstlerische Arbeiten, manchmal gemeinsame Aktivitäten. Manchmal geht es auch darum mal die Wut rauszulassen.“ Es sei die Aufgabe der Mitarbeiter „zu spüren“, welche Bedürfnisse die Kinder beim Treffen hatten – das kann manchmal auch eine Einzelaktivität sein.

Grundsätzlich trauerten Kindern und Jugendliche anders als Erwachsene: durch Spielen, Toben und Kreativität – und auch sehr spontan. In einem Moment noch lachend, als gebe es gar keinen Trauerfall, im nächsten aufbrausend und gereizt. Oft verbergen sie ihren Schmerz auch, weil sie anderen Familienangehörigen nicht zu Last fallen wollen. Durch die Lacrima-Stunden merken sie, dass sie mit ihrem Schicksal nicht alleine sind – und dass Trauer ganz natürlich ist. Erfahrungsgemäß werden die Kinder und Jugendlichen über einen Zeitraum von zwei bis zweieinhalb Jahren betreut.

Alle zwei Wochen sollen die Treffen in Neu-Ulm statt findet, das habe sich in den anderen Zentren als guter Rhythmus herauskristallisiert, erklärt Sell. Eine erste Gruppe, in der zwölf bis maximal 15 Kinder und Jugendliche betreut werden, könnte nach aktuellen Plänen im April starten. Aktuell sind die Johanniter auf der Suche nach einer Leitung für das Projekt. Diese braucht aber nicht nur Fachwissen wie einen sozialpädagogischen Hintergrund, sondern sollte „mit Herz und Verstand“ an die Aufgabe herangehen. Der Projektleiter kümmert sich um die Kontaktaufnahme mit den Familie, führt erste Gespräche und hat nicht zuletzt ein Auge auf die ehrenamtlichen Mitarbeiter. Fünf Betreuer brauche es auf jeden Fall für eine Gruppe, optimal wären laut Sell zunächst insgesamt knapp zehn Ehrenamtliche.

Die Ehrenamtlichen werden ab Spätherbst gesucht – und sehr sorgfältig ausgesucht, wie Sell betont: „Wir verlangen keine Vorbildung, aber wir werden intensive Vorgespräche führen.“ Denn die Ehrenamtlichen müsste eine ganz wichtige Eigenschaft besitzen: „Sie müssen reflektiert sein und fest im Leben stehen“, sagt Sell und fügt hinzu: „Wir suchen jemanden, der Halt geben kann – und nicht jemanden, der selbst Halt braucht.“

Wer Interesse an einer Mitarbeit hat oder das Projekt finanziell unterstützen will, kann sich an die Johanniter Ulm/Neu-Ulm wenden unter der Telefonnummer 0731/92150064 oder per E-Mail an neu-ulm@johanniter.de

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