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Neu-Ulm

05.03.2014

Ein Pfarrer als Grenzgänger

Der evangelische Pfarrer Thomas Pfundner freut sich über seinen aktuellen Fund. In einem Wald bei Hirbishofen entdeckte er einen Grenzstein aus dem 17. Jahrhundert.
Bild: Inge Pflüger

Auf der Suche nach Grenzsteinen hat Hobby-Historiker Thomas Pfundner im Landkreis eine Entdeckung gemacht, die er für „eine kleine Sensation“ hält

Historische Grenzsteine gelten als Zeugen ihrer jeweiligen Epoche. Neun interessante Exemplare hat aktuell der Holzschwanger Pfarrer Thomas Pfundner entdeckt. Er ist nicht nur ausgewiesener Experte auf dem Gebiet von Sühnekreuzen im ganzen Land, sondern auch ein profunder Kenner historischer Grenzsteine. Die neuesten Funde stammen aus den Wäldern rings um Hirbishofen (Marktgemeinde Pfaffenhofen). Hier trafen einst die Grenzen der Ulmer Reichsstadt und die Linie der Fugger Kirchberg-Weißenhorn aufeinander.

Bereits in frühester Jugend hat der heute 55-Jährige seine Leidenschaft für Steinkreuze und historische Grenzsteine samt ihrer Geschichte entdeckt. „Nun kam mir Freund Zufall und etwas Aufmerksamkeit zu Hilfe“, sagt der aktive Hobby-Historiker über den neuesten Fund: Die Marktgemeinde Pfaffenhofen habe nach Jahrzehnten den Graben am Waldrand der Flur „Gänsgehau“ (landläufig „Gaiskau“) geputzt, also ausgebaggert und von Pflanzenfilz und Erdschüttungen auf etwa 800 Metern befreit.

Eine Baustelle weckte den Instinkt

Ein Pfarrer als Grenzgänger

Bei der Fahrt mit dem Auto zur Schule habe er dies von der Straße aus entdeckt. Und schon regte sich sein Entdeckerinstinkt. Der Pfarrer ging die Strecke des kleinen gesäuberten Wassergrabens ab und fand die Grenzsteine, teils waren sie ebenerdig im Boden versteckt. „Obwohl ich dort schon mehrmals unterwegs war, fand ich nie etwas“.

Thomas Pfundner nennt seinen Fund eine „kleine Sensation“. Denn seinen Recherchen zufolge sind die Steine mit dem Scheibenkreuz, dem Zeichen des Ulmer Spitals, gekennzeichnet und wurden um 1656 gesetzt. Seinen Recherchen zufolge hatte damals das Ulmer Spital das Areal den Fuggern von Kirchberg abgekauft und erhielten dadurch das sogenannte Niedergericht über den Wald samt Hirbishofen, nach wie vor lag aber die Landeshoheit bei den Fuggern. Wahrscheinlich sei damals bei diesem nach dem 30-jährigen Krieg das Geld „etwas klamm gewesen“ und sie seien gezwungen gewesen, den Wald an die Ulmer zu verkaufen, mutmaßt der Entdecker. Seit den 1970er Jahren ist der idyllisch gelegene Wald bei Hirbishofen in privaten Händen, informiert der Pfarrer.

Im Laufe der Jahrzehnte hat Thomas Pfundner in ganz Schwaben mit seinen zehn Landkreisen rund 500 Grenzsteine entdeckt, systematisch erfasst und akribisch aufgelistet. So mancher Historiker komme auf ihn zu, um geschichtlichen Rat zu erhalten. Oft könne er dann auch helfen. Die aufgelisteten historischen Steine selbst will er in einem Büchlein veröffentlichen – wann, das steht noch in den Sternen, denn der leidenschaftliche Hobby-Historiker ist zudem mit Leib und Seele evangelischer Pfarrer in den Gemeinden Holzschwang und Weißenhorn, ist verheiratet und hat vier Kinder.

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