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Ulm

05.10.2019

Ein Prosit auf den 107. Geburtstag

Auch Oberbürgermeister Gunter Czisch gratulierte mit einem Glas Sekt Anna Matschewsky zum Geburtstag.
Bild: Andreas Brücken

SSV-Urgestein feiert seltenes Wiegenfest. Das sind die Geheimnisse ihres langen Lebens.

Ulm Ein sprichwörtlich bewegtes Leben voller sportlicher Aktivitäten hat Änne Matschewsky in ihren 107 Jahren hinter sich. Noch im vergangenen Jahr führte die rüstige Seniorin zwei Mal die Woche für Mitbewohner in der Seniorenresidenz Friedrichsau die „Gymnastik im Rollator“ durch.

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Schon im „Zeugnis der Reife“, wie das damalige Abiturzeugnis hieß, bescheinigte man Änne, dass sie sich in den „Leibesübungen auszeichnete sowie als Spielleiterin und Vorturnerin“.

Die Ausbildung zur Turn- und Gymnastiklehrerin verlangte in damaliger Zeit ein universelles Können. Geht man die Erfolge und Auszeichnungen in ihren jungen Jahren durch, so findet man Siege und Platzierungen im Leichtathletik-Mehrkampf, im Neunkampf, sie war Hochschulmeisterin im Kugelstoßen und Diskus, perfektionierte sich beim Speerwerfen, Langstreckenlauf, Schlagball, Geräteturnen, Brust- und Seitenschwimmen, Tischtennis, Segelfliegen und Schießen.

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Bei den Vorläufervereinen des SSV Ulm 1846 aktiv

1937 kam Änne Kertz, wie sie mit ihrem Mädchennamen hieß, nach Ulm. Sie begann ihre berufliche Laufbahn nach dem beendeten Studium in Bonn bei einem der Vorläufervereine des SSV Ulm 1846 (Turnerbund 1846). Ottl Bretzel, den sie 1939 heiratete, kam nicht aus dem Krieg zurück und ihre zwei Kinder verlor sie durch tragische Umstände ganz früh. „Der liebe Gott hatte in meinem Leben nicht immer nur Sonnentage geschickt.“

1954 gelang Änne Bretzel der Sprung in den Schuldienst. Sie unterrichtete an der List-Schule sowie an der Freien Mädchenschule St. Hildegard. Noch heute trifft sie ehemalige Schülerinnen, die teilweise auch schon in den Achtzigern sind.

Sie traf ihre Jugendliebe wieder

Fünf Jahre später heiratete die Jubilarin zum zweiten Mal: Mit ihrem Mann Frederik unternahm sie Reisen in vier Kontinente. Nur eine Reise nach Australien kam nicht zustande, was sie ein wenig bedauert, wie sie sagt. 1970 schied Matschewsky aus dem Schuldienst aus. Doch war es ihr nicht vergönnt, mit Ehemann Frederik den Lebensabend zu verbringen.

"Hängenlassen gibt es sowieso nicht!", sagt die 107-Jährige

Aber sie traf ihre Jugendliebe Kurt wieder und fand in ihm einen liebevollen Partner. Als er Anfang der Neunzigerjahre verstarb, entschied sich Matschewsky 1994, ihr Haus aufzugeben und in eine kleine Wohnung in der Seniorenresidenz Friedrichsau zu ziehen.

So nahm sie ihr Schicksal wieder einmal selbst in die Hand und steht auch mit 107 Jahren für eine optimistische Lebenseinstellung. Gefragt, wie sie denn das alles schaffe, ist ihre knappe Antwort: „Wenn ich jammere, wird es auch nicht besser und hängenlassen gibt es sowieso nicht!“

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