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Neu-Ulm/Ulm

03.09.2020

Ein Schub für die maroden Rutschen im Donaubad

Die Farbe ist verblasst – doch das ist das geringste Problem: Der Kunststoff der Donaubad-Rutschen geht kaputt, Kanten treten hervor und Wasser tropft herunter.
Bild: Horst Hörger

Plus Weil viele kommunale Bäder vor dem Aus stehen, gibt es Fördergeld für Sanierungsarbeiten. Ulm und Neu-Ulm könnten das Geld äußerst gut gebrauchen. So stehen die Chancen.

Die Sanierungspläne beim Donaubad mussten noch einmal geändert werden: Die Rutschen waren in so schlechtem Zustand, dass scharfe Kanten frei lagen. Statt mittelfristiger Reparaturen musste gleich eine Lösung her. Das ist nur ein Beispiel für den Bedarf im Erlebnisbad, das von den Städten Ulm und Neu-Ulm betrieben wird. Für weitere Arbeiten könnte es schon bald einen großzügigen Geldregen geben. Denn der Bund hat einen eigenen Fördertopf aufgelegt – doch die Anforderungen waren streng.

Mit und ohne Maske, von links: Gunter Czisch, Martin Rivoir, Martin Ansbacher, Hilde Mattheis, Martin Gerster, Karl-Heinz Brunner und Johannes Stingl im Donaubad-Freibad.
Bild: Horst Hörger

Der viel zitierte und milliardenschwere Wumms, mit dessen Hilfe die deutsche Wirtschaft die Krise überstehen soll, ist nicht alles. Zusätzlich zu dem milliardenschweren Konjunkturpaket hat sich der Bundestag auf weitere Förderpakete geeinigt. „Wir wollten noch mal ganz gezielt etwas tun für kommunale Sportstätten“, sagte Martin Gerster, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Biberach und Vize-Vorsitzender des Haushaltsausschusses am Mittwoch in Neu-Ulm. Der Hintergrund: Weil viele Landkreise, Städte und Gemeinden wegen der Corona-Krise sparen müssen, fehlt ihnen das Geld für dringend nötige Sanierungen. In der Folge könnten Turnhallen und vor allem Bäder für immer geschlossen bleiben. Allein in Baden-Württemberg droht nach Angaben des SPD-Landtagsabgeordneten und württembergischen Schwimmverbandspräsidenten Martin Rivoir für 35 bis 40 Bäder das Aus. „Und im Moment ist es so, dass die Hälfte der Kinder, die aus der Grundschule kommen, nicht mehr schwimmen kann“, warnt er.

Donaubad: Rutschen müssen saniert werden

600 Millionen Euro verteilt der Bund für kommunale Sportstätten, er übernimmt 40 Prozent der Kosten einzelner Projekte und maximal drei Millionen Euro pro Vorhaben. Wenn der Antrag aus Ulm und Neu-Ulm Erfolg hat, werde der Förderbetrag für die Städte mehr als eine Million Euro betragen, sagte Gerster. Der Abgeordnete sah sich gemeinsam mit den SPD-Kollegen Karl-Heinz Brunner, Hilde Mattheis (beide im Bundestag), Martin Rivoir, Martin Ansbacher und Dorothee Kühne (Ulmer Gemeinderat) sowie mit Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU) und Neu-Ulms Zweitem Bürgermeister Johannes Stingl (CSU) die teils schwächelnden Anlagen an. „Der Antrag ist ziemlich gut“, lobte Gerster. Die Entscheidung, ob er gut genug für Fördergeld ist, soll am Nachmittag 9. September fallen. In Stein gemeißelt ist dieser Termin aber nicht.

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Nur 14 Tage Zeit hatten die beiden Städte, um sich für die Unterstützung zu bewerben. Mit dieser knappen Frist wollte der Bund schnelle Kommunen belohnen. Klappt alles, dann könnte die Sanierung der Rutschen im Donaubad bis September 2021 abgeschlossen sein. Die Chancen sind nicht schlecht: Die Rutschenhersteller waren zuletzt dank vieler Aufträge aus der Kreuzfahrtschiff-Branche ausgebucht, jetzt sind jedoch Kapazitäten frei – wieder eine Corona-Folge. Und während üblicherweise zwei Drittel der Maßnahmen die Technik betreffen und für Badegäste weitgehend unsichtbar blieben, dürfte dann auch etwas zu sehen sein: Die Farbe an den Rutschen ist verblasst, der Kunststoff ist brüchig geworden, an manchen Stellen tropft Wasser heraus. Dennoch lobte Gunter Czisch die Verantwortlichen des Donaubads: „Man muss ständig was tun und sie sind wirklich dahinter.“ Johannes Stingl pflichtete bei: „Es gibt praktisch keine Beschwerden von Besuchern.“ Als das Bad noch private Betreiber hatte, sei das anders gewesen, erinnerte er sich.

Donaubad: Die Städte Ulm und Neu-Ulm gleichen Defizit in Höhe von drei Millionen Euro aus

Seit 2016 ist das Donaubad wieder in städtischer Hand. Fast vier Millionen Euro wollen Ulm und Neu-Ulm über zehn Jahre verteilt investieren, um den Bestand zu sichern. Den Löwenanteil macht die Instandsetzung der Rutschenanlage aus: rund 3,2 Millionen Euro – von denen der Bund nun womöglich knapp 1,3 Millionen Euro übernimmt. Das Geld könnte die Doppelstadt gut gebrauchen. Zuletzt zahlten Ulm und Neu-Ulm gemeinsam stets 1,5 Millionen Euro, um das Defizit der Freizeitanlage auszugleichen. Heuer wird es wegen der Corona-Krise und ihrer finanziellen Folgen doppelt so viel sein.

Dass die drei 1998 erbauten Rutschen generalsaniert werden, steht aus Sicht der Stadtspitzen außer Frage. Das Donaubad sei „unverzichtbar“, sagte Stingl. Und Czisch hielt fest: „Das Familienbad richtet sich an die Kinder. Und die Kinder wollen, dass es turbulent zugeht.“ Zwischenzeitlich war sogar erwogen worden, einen neuen Turm mit bis zu zehn Rutschen zu errichten. Doch dafür hätte das Donaubad für bis zu zwei Jahre gesperrt werden müssen, die Überlegungen wurden deshalb verworfen.

Eine lange Schließung wollten die Städte auch in der Corona-Zeit vermeiden. Zügig wurde ein Hygieneplan entwickelt. Das Freibad eröffnete am 9. Juni wieder, das Erlebnisbad am 25. Juli – Teile sind nach wie vor gesperrt. Das Besucherinteresse ist groß: Die Zahl der Kleinkinder unter vier Jahren im Bad ist derzeit doppelt so groß wie zuvor, die Besucherzahl im Freibad war im August nur um sechs Prozent niedriger als vor der Corona-Zeit. 2019 waren insgesamt 620.000 Badegäste gekommen.

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