Newsticker
Jens Spahn verteidigt Corona-Teststrategie der Bundesregierung
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Ein Teamplayer führt künftig den Betriebsrat von Wieland

Vöhringen

17.06.2017

Ein Teamplayer führt künftig den Betriebsrat von Wieland

In der Gießerei bei Wieland zu arbeiten, ist ein Knochenjob. Und dann noch in Schichtarbeit? Dazu gehört eine gute körperliche Kondition.
2 Bilder
In der Gießerei bei Wieland zu arbeiten, ist ein Knochenjob. Und dann noch in Schichtarbeit? Dazu gehört eine gute körperliche Kondition.
Bild: Firma Wieland

Volker Barth vertritt die Interessen der Vöhringer Beschäftigten gegenüber der Geschäftsführung. Wie er versucht, zwischen Chefs und Mitarbeitern zu vermitteln.

Volker Barth stellt gleich bei der Begrüßung klar: Er sei nicht der große Zampano als Vorsitzender des Betriebsrates, sondern Teil eines Teams, wenn auch in führender Position. „Aber ohne die anderen Mitglieder des Gremiums läuft nichts.“ Und kommt dann zur Sache.

Auch wenn es bei Wieland im Moment rund läuft, müsse man die Zukunft im Blick haben und Vorsorge treffen, wenn die Erfolgsschiene etwas schmaler werden sollte. Das ist eine Meinung, die er mit der Geschäftsleitung teilt. Und was versteht Barth darunter? Die personelle Entwicklung im Auge zu behalten, überlegt und mit sozialen Lösungen bei Fluktuation handeln. Das heißt im Klartext, dass nicht jede frei werdende Stelle wieder besetzt werden kann. „Es hat seit 1945 keine betriebsbedingten Kündigungen bei Wieland gegeben.“

Barth macht sein Amt Freude, das sieht man ihm an, wenn er davon erzählt. Dass er als Stellvertreter des langjährigen Betriebsratsvorsitzenden Ludwig Daikeler dessen Position übernommen hat, war keine Überraschung. Als zweiter Mann hinter Daikeler trug er schon früh Verantwortung, die sich auf Bereiche wie Entlohnung oder betriebliche Altersversorgung bezog. Barth kam 1988 als Schlosser zu Wieland. Daikeler fragte ihn, ob er sich als Betriebsrat zur Wahl stellen wolle. Das tat Barth und wurde 1998 Mitglied des Gremiums. Vier Jahre später war er als Betriebsrat freigestellt und dann stellvertretender Vorsitzender. In dieser Funktion gehörte er dem Gesamtbetriebsrat an. Zur Wieland-Aktiengesellschaft zählen vier deutsche Standorte: Vöhringen, Ulm, Langenberg in Nordrhein-Westfalen sowie Villingen im Schwarzwald. In Vöhringen gehören 19 Personen dem Betriebsrat an, fünf davon sind freigestellt. In Ulm sind es 15 Betriebsräte, davon sind drei freigestellt. Wer Gesamtvorsitzender ist, regelt ein Rotationsverfahren. Zwei Jahre ist Martin Bucher in Ulm zuständig für den Gesamtbetriebsrat, danach übernimmt Volker Barth für zwei Jahre.

Wenn vom Gesamtgremium die Rede ist, sind auch die Werke in Villingen und Langenberg gemeint. Als Betriebsratsvorsitzender aus Vöhringen reist Barth zu allen deutschen Standorten. Treffen mit der Geschäftsleitung in Ulm gehören zum Standardprogramm. Diesen Begegnungen misst Barth große Bedeutung bei. Dann geht es um Themen wie neue Entlohnungssysteme oder Erfolgsbeteiligung. Da kann der Betriebsrat mitgestalten, aber „bei 4500 Mitarbeiterin in den deutschen Standorten ist es nicht immer einfach, den Beschäftigten neue Systeme nahezubringen“, sagt er.

Gibt es Neuerungen, sagt Barth, werden diese erst im Betriebsrat diskutiert – und das durchaus kontrovers. Dann wird die Belegschaft informiert. „Dafür wird man auch manchmal angeschossen, aber damit muss man fertig werden.“ Was Barth betont: Mit der Geschäftsleitung zu verhandeln ist in der Sache hart, aber fair. „Untergebuttert werden wir nicht.“ Forderungen der Mitarbeiter könnten aber kaum eins zu eins umgesetzt werden. Kompromisse sind notwendig. Entscheidungen wie Arbeitszeiten und Entlohnung sind Reizthemen.

Die in der Politik gefällten Entscheidungen, die Lebensarbeitszeit zu verlängern, müssen umgesetzt werden. „Dazu müssen wir betriebliche Lösungen finden, weil der Erhalt der Arbeitsplätze Priorität hat.“ Dafür hat Barth ein Beispiel: Wenn jemand 45 Jahre Drei-Schicht gearbeitet hat, ist er mit 60 möglicherweise „leistungsgewandelt“, wie man das bei Wieland nennt. Dann müsse der Mitarbeiter aus dem Schichtrhythmus aussteigen können und an anderer Stelle arbeiten. „Wir bemühen uns auch, eine Beschäftigung zu finden, die auf denjenigen zugeschnitten ist.“

Sein Aufgabenfeld ist vielschichtig, zeitaufwendig und die Probleme gibt man nach Dienstschluss nicht am Werkstor ab. „Ich trage die Verantwortung gerne“, sagt Barth, will aber nicht dastehen wie der Meister, der alles alleine schafft. „Ich bin ein überzeugter Teamplayer.“

Steckbrief: Das ist Volker Barth

Volker Barth ist 50 Jahre alt und hat zunächst eine Lehre als Kunstschmied absolviert. Bei der Bundeswehr war er Vertrauensmann. So kam sein Interesse, Betriebsrat zu werden, seinen Neigungen entgegen. Barth ist außerdem Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Vöhringen. Er sitzt seit dort vielen Jahren im Stadtrat und ist Fraktionsvorsitzender der Partei. Er liebt es, Fahrrad zu fahren und nutzt dazu jede Gelegenheit. Auch ist er ein Gartenfan.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren