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Zeitgeschichte

12.02.2018

Ein Trainingsplatz für Neu-Ulmer Raketen

Bei der Buchvorstellung in Merklingen waren auch US-Veteranen dabei, die zeigen, wo sie sie gedient haben.
Bild: Stefan Kummritz

Der Autor des Klein-Amerika-Buches stellt seine Recherchen in einem Ort vor, den die amerikanischen Einheiten aus dem Bayerischen immer wieder ansteuerten

Der in Neu-Ulm geborene Autor Joachim Lenk hat sich zwei Jahre lang intensiv mit der Zeit der in Ulm und vor allem in Neu-Ulm nach dem Zweiten Weltkrieg stationierten US-Garnisonen beschäftigt und im November vergangenen Jahres die Ergebnisse seiner Recherchen mit dem Buch „Klein-Amerika links und rechts der Donau“ vorgelegt (NUZ berichtete). Da es in dem Buch auch um den „Bombenwald“ bei Merklingen ging, gab es in der Gemeindehalle des Ortes einen weiteren Präsentationsabend. Das Waldstück war ein US-Munitionsdepot und später ein Trainingsgelände für die in Neu-Ulm stationierten Pershing II-Raketen.

Die bayerische Staatsministerin für Europaangelegenheiten und ehemalige Neu-Ulmer Oberbürgermeisterin Beate Merk wollte da ausführlich über die in ihre Neu-Ulmer Amtszeit gefallene Auflösung der US-Garnisonen in Neu-Ulm berichten, doch aus beruflichen Gründen musste sie kurzfristig absagen.

Immerhin schickte Merk einen Film, in dem sie sich an die Besucher wandte. Unter anderem sagte sie von der Leinwand herab: „Von damaligen Zeitzeugen gibt es wertvolle Erinnerungen. 1991 hieß es, von den Amerikanern Abschied zu nehmen. Die Militärflächen waren leer und wir kauften das Wiley-Areal zum halben Preis. Dort wurde ein neues Stadtviertel errichtet. Seit uns die Amerikaner verlassen haben, ist über ein Vierteljahrhundert vergangen. Die Freundschaft mit ihnen ist geblieben. Angesichts von Terroristen, Krieg und zerfallender Ordnung in einigen Ländern brauchen wir einander mehr denn je.“

Der ehemalige Merklinger Bürgermeister Peter Seyfried hatte die Zeit des „Bombenwaldes“ während seiner Amtszeit miterlebt. Doch was sich dort abspielte, blieb geheim: „Zunächst hatten wir keine Ahnung, dass die Amis dort Pershings gelagert hatten. Erst durch Berichte in Zeitschriften und durch die Friedensbewegung haben wir dann davon erfahren.“ Er selbst nahm 1984 an einem Sternmarsch zu dem Trainingsgelände teil.

Der 92-jährigen US-Corporal a. D. Josef Ittner, der damals in der Ulmer Bleidorn-Kaserne stationiert war und in den 50er-Jahren für die Bewachung des „Bombenwaldes“ mit zuständig war, kam ebenfalls zu Wort. Ittner, der extra aus Augsburg angereist war, berichtete von den kargen Zuständen, die seine Einheit damals angetroffen hätte: „Es gab für uns keine elektrische Stromversorgung und wir hatten kein WC, nur Gruben mit einem Balken drüber und einer Zeltplane. Aber wir empfanden Merklingen als so etwas wie einen Luftkurort.“ Ittner gab einige Anekdoten zum Besten. So erzählte er, dass seine Einheit von den Amerikanern so viele Lebensmittel bekommen hätte, die sie nicht verbrauchen konnten. Deshalb haben sie die Bundeswehr mit Essen, einmal sogar mit einer Portion Langusten, mitversorgt. (kümm)

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