Newsticker
Dänemark verzichtet auf Corona-Impfstoff von Astrazeneca
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Ein Ulmer Flugzeugbauer erfand einst die „Equator“

Ulm

22.11.2019

Ein Ulmer Flugzeugbauer erfand einst die „Equator“

Günter Pöschel

Der „Abend der Technikgeschichte“ bringt mal wieder Perlen regionalen Erfindergeists zutage. Im Zentrum steht ein Stück, das heute im Deutschen Museum steht.

Wer hätte gedacht, dass ein Ulmer ein Stück Luftfahrtgeschichte geschrieben hat? Die „Pöschel P 300 Equator“ steht im Deutschen Museum in München und ist das Werk von Flugzeugbauer Günter Pöschel. In der Region dürfte die Equator in den 70er-Jahren öfter gesehen worden sein, erprobte der Autodidakt Pöschel doch zum Beispiel die Wasserung auch auf dem Sendener Baggersee.

Eine Million Mark teure Entwicklung stand hinter Pöschels Prototypen mit der neuartigen Konstruktion, deren Antrieb in der Mitte des Flugzeugrumpfes über dem Schwerpunkt sitzt und das deshalb mit weniger Treibstoff auskommt. Nahtlos, korrosionsbeständig, wasserdicht, leicht. Pöschels Flugzeuge konnten auf dem Wasser wie auf der Erde landen. Pöschel hatte finanzielle Unterstützer, die den Bau des Flugzeuges förderten, und bereits eine vierstellige Zahl potenzieller Kunden. Die Einführung der Produkthaftung aber brach Pöschels Entwicklung – wie auch anderen Konstrukteuren – finanziell das Genick, und die Equator landete für lange Zeit auf dem Gelände des Erbacher Luftsportvereins – bis sie im vergangenen Jahr auf der Friedrichshafener Luftfahrtmesse zu sehen war und nun in den Luftfahrtteil des Münchner Deutschen Museums in Unterschleißheim transportiert wurde.

Seit 15 Jahren informiert jährlich ein „Abend der Technikgeschichte“ im Stadthaus über Entwicklungen aus der Region, die zur Zeit ihrer Entdeckung oder Erfindung weit über ihre Zeit hinauswiesen, inzwischen aber Geschichte geworden sind. Beim diesjährigen Abend stellte Günter Merkle den Ulmer Flugzeugbauer Pöschel vor, der als junger Mann – mit Gesellenbriefen in Maschinenbau und als Technischer Zeichner – in den späten 60er-Jahren jenes Amphibienflugzeug entwickelte.

Von Flugzeugbau und Torfstechen

Darüber, dass sich das Torfstechen ab dem frühen 17. Jahrhundert von Ulm aus über die Region verbreitet hatte, informierte der emeritierte Professor Otto Künzel: Im Jahr 1616 habe General Graf Friedrich von Solms beim Ritt über eine freie Fläche im Donautal entdeckt, dass es sich um ein Torfmoor handelte, wie er es aus Holland kannte. Bald darauf schon gab es in Ulm einen Torfmeister, der den Abbau mittels Arbeitern organisierte. Es handelte sich um Christoph Rädelsheimer, dem man den mathematisch und ingenieurwissenschaftlich kundigen Johannes Faulhaber und dessen gleichnamigen Sohn beistellte, weil man ein ausgeklügeltes System von Schleusen benötigte, um den Torf per Schiff vom Donautal bis zur Ziegellände zu bringen. Der Torf wurde in Ulm vor allem zum Brennen von Ziegeln für die Stadtbefestigung genützt, aber auch von Brauereien, Bäckereien, Garnsieden – und in Zeiten von Holzknappheit von privaten Haushalten zum Heizen. Heute steht auf dem Gelände das Industriegebiet Donautal.

Vom Stand der Planung für das Einstein Discovery Center berichtete die Vorsitzende Nancy Hecker-Denschlag. Und machte Werbung für ihr Crowdfunding-Modell: Jeder, der hundert Euro oder mehr für den Bau des vom Verein in Ulm geplanten Einstein Discovery Centers spendet, erhält dafür einen kleinen Würfel aus originalem Baumaterial des Einstein-Geburtshauses in einer Kassette.

Hensoldt kümmert sich um Telefunken-Schätze

Felix Wiederspahn, Vorsitzender des Vereins Schwaben Tech Park (STEP), muss kleinere Brötchen backen als das Einstein Discovery Center: Dieser Verein, der sich vor allem um den Erhalt der AEG/Telefunken-Sammlung kümmert, hat inzwischen einen Übernahmevertrag mit der Firma Hensoldt geschlossen und einen Ort gefunden, wo die technischen Entwicklungen aus der AEG/Telefunken-Sammlung aufbewahrt werden können. Bald sollen sie aus den Kellerräumen bei Hensoldt, wo sie derzeit noch lagern, kommen. Viele Arbeitsstunden wurden in der Vergangenheit von Vereinsmitgliedern mit der Inventarisierung und Dokumentation der historischen Gegenstände verbracht. Das Geld für ein Museum ist nicht vorhanden, allerdings müssen Interessierte trotzdem nicht ganz verzichten: Über die Homepage des Vereins schwaben-tech-park.de gelangt man zu einem virtuellen Museum, auf dem die technischen Entwicklungen von einst gezeigt werden.


Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren