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Neu-Ulm

16.07.2014

Ein Volksbank-Riese entsteht

Aus zwei mach eins: Die Volksbank Neu-Ulm und VR-Bank Neu-Ulm/Weißenhorn denken laut über eine Heirat nach. Ein Großprojekt, was noch viele Leitz-Ordner füllen wird.
Bild: Alexander Kaya

Mehr als ein Flirt. Wie eine Bankenehe von Weißenhorn und Neu-Ulm arrangiert wird

Die Trauringe sind sozusagen schon bestellt: „Wir sind sicher, dass wir zusammen passen“, sagt Alois Spiegler, der Vorstandssprecher der VR-Bank Neu-Ulm/Weißenhorn über den bevorstehenden Zusammenschluss mit der Volksbank Neu-Ulm. Derzeit seien die beiden Vorstände nach einer Beauftragung der Aufsichtsräte dabei, die Vor- und Nachteile zusammenzustellen. Wobei – Nachteile gibt es laut Spiegler eigentlich nicht. Eine Liebesheirat also?

Zusammen würden die beiden Genossenschaftsbanken in eine andere Größenordnung wachsen, was beispielsweise dazu beitragen würde, noch größere Kredite gewähren zu können. Und das in einem „wunderbar ineinander übergehenden Geschäftsgebiet“. Die Turteltäubchen leben also schon zusammen. Und könnten mit gebündelten Kräften, so Spiegler, als Einheit noch potenter agieren. Außerdem würden Synergieeffekte Geld einsparen.

Was jedoch nicht bedeute, dass kurzfristig Stellen gestrichen werden würden. Langfristig steckt hinter dem Wort „Synergieeffekte“ sehr wohl eine Reduzierung von Personal in bestimmten Bereichen. Wobei es keine Kündigungen geben soll. Spiegler wählt seine Worte mit Bedacht. Denn dem Chef der VR-Bank ist klar, dass der Zusammenschluss zweier Banken eine Marathon-Aufgabe ist. Sozusagen eine arrangierte Ehe, in der die Liebe erzwungen werden soll.

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„Es werden noch viele Leitz-Ordner gefüllt werden müssen“, sagt Werner Deubel, der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Neu-Ulm. Prinzipiell hält er eine Heirat für eine gute Sache. Sein Motto: „Alleine geht‘s, gemeinsam geht‘s besser.“

Das letzte Wort haben laut Genossenschaftsgesetz die beiden Vertreterversammlungen, die jeweils mit einer Zweidrittel-Mehrheit eine Fusion absegnen müssen. Der „Vater der Braut“ will mehr sehen als Zahlen. Dass das Ja-Wort in der Tat mehr als eine vernunftgesteuerte Formalie ist, zeigt die gescheiterte Verehelichung der Volksbank Neu-Ulm mit der Volksbank Ulm aus dem Jahr 2003. Die Eigentümer der Bank erteilten dem Ansinnen damals eine Absage, obwohl es aus heutiger Betrachtung kaum sachlich-fachliche Argumente gegen eine Fusion gab. Überzeugungsarbeit müssen die beiden Banken in den kommenden Monaten also leisten, um eine Skepsis, wie sie damals grassierte, erst gar nicht entstehen zu lassen. Erst im November wollen die beiden Vorstände ihre bis dahin fertigen Expertisen für eine Fusion als Diskussionsgrundlage vorstellen.

Noch völlig ungeklärt sei in diesem frühen Stadium, wer dann Chef einer noch namenlosen Gemeinschaftsbank aus VR-Bank Neu-Ulm/Weißenhorn und Volksbank Neu-Ulm sein wird. „Juniorpartner“ wäre jedenfalls die Volksbank Neu-Ulm mit einer Bilanzsumme von 527 Millionen Euro und 130 Mitarbeitern. Die Bilanzsumme der VR-Bank betrug zuletzt 856 Millionen Euro bei 224 Mitarbeitern. Die gesamten Personalbezüge einschließlich sozialer Abgaben und betrieblicher Altersvorsorge betragen bei der Volksbank Neu-Ulm 7,7 Millionen Euro, bei der größeren VR-Bank etwa zwölf Millionen Euro.

Kurzfristig könnten sich die Personalkosten bei einer Fusion erhöhen. Denn intern diskutiert wird auch eine Doppelspitze aus beiden Häusern. Fakt ist: Bis zur Pensionierung von Werner Deubel, dem Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Neu-Ulm, vergehen noch fünf Jahre. Deutlich jünger ist Steffen Fromm, der gleichberechtigt mit Deubel den Vorstand bildet. Auch Alois Spiegler und Wolfgang Seel sind die gleichberechtigten Chefs der VR-Bank in Weißenhorn. Die Vergütung der Mitarbeiter basiert auf dem Vergütungstarifvertrag für die Volksbanken und Raiffeisenbanken. Nur nicht die des Vorstandes: Hier wird das Gehalt sozusagen ausgehandelt, vom Aufsichtsrat abgesegnet und dann in Einzelverträgen festgehalten. Nachdem Beschäftigtenzahl und Bilanzsumme üblicherweise maßgeblich die Bezüge der Führungskräfte beeinflussen, dürfte der neue Chef (oder die Doppel- oder gar Viererspitze) der noch fiktiven Bank als Dienstherr über 354 Mitarbeiter bei einer summierten Bilanzsumme von über 1,3 Milliarden Euro Monat für Monat deutlich mehr auf sein/ihr Gehaltskonto überwiesen bekommen. Die größte Volksbank der Region käme aber auch im Falle einer Fusion aus Baden-Württemberg: Die Volksbank Ulm/Biberach hat eine Bilanzsumme von über 2,3 Milliarden Euro und 556 Beschäftigte.

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