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Theaterei

09.08.2017

Ein Weichei will hart werden

Er wäre so gerne ein „Macho Man“: der sensible Daniel, im Theaterei-Zelt gespielt von Sven Djurovic.
Bild: Florian L. Arnold

„Macho Man“ ist eine unterhaltsame Komödie über kulturelle Unterschiede und Geschlechterrollen – nicht ohne Schwächen, aber mit einem überragenden Darsteller

Unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen zu lassen, hat sich zuverlässig als Komödien-Erfolgsgarant erwiesen: „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ oder „Willkommen bei den Sch’tis“ sind dafür gute Beispiele. Moritz Netenjakobs „Macho Man“, 2015 mit Christian Ulmen in der Hauptrolle fürs Kino verfilmt, ist eine autobiografisch gefärbte Variante dieser Culture-Clash-Komödien, die nun im Theaterei-Zelt am Bad Blau in Blaustein zu sehen ist.

Im Zentrum: Daniel, irgendwie nicht ganz aus der Pubertät herausgekommener Mann ungefähren Alters. In Sachen Liebe lief bei ihm noch nicht viel. Er lebt ein „Weichei-Dasein“ und geht allen Konflikten aus dem Weg. Damit ist Schluss, als er sich verliebt – ausgerechnet in Aylin, die schöne Türkin. Dem unbeschwerten Genuss der großen Liebe stehen aber viele Faktoren im Weg. Zum einen Aylins Eltern, vor allem der Papa, der den Schwiegersohn in spe sehr kritisch beäugt und erst ins Herz schließt, als der sich als Fan des türkischen Fußballvereins Trabzonspor ausgibt. Aber auch die eigenen Eltern sind ein Problem: Daniels Mama Erika hat ein gestörtes Verhältnis zu türkischen Speisen, der Papa will sein Umfeld über das türkische Militär aufklären.

„Macho Man“ von Moritz Netenjakob ist in der Bühnenfassung von Gunnar Dressler ein nie versiegender Strom von Gags und Pointen, der sich aus dem deutsch-türkischen Multikulti-Culture-Clash speist. Diesen Kosmos als Ein-Mann-Stück darzustellen benötigt einen Schauspieler, der im Minutentakt in gegensätzlichste Figuren schlüpfen kann. Und das kann Sven Djurovic ganz hervorragend. Er ist der schüchterne Daniel, der sich in pubertäre Albernheit flüchtet, wenn es ernst wird. Er ist der polternde türkische Schwiegerpapa und die samtweich sprechende Alt-68er-Mama. Er ist die kaffeesatzlesende Tante und der Kumpel Marc, der schwule Bruder Aylins und der bis in schwärzeste Spießer-Ungemütlichkeit hineinragende Vater.

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Viel Stoff zum Spielen, den Djurovic als kurzweilige Vielseitigkeitsübung zu nutzen weiß. Er knödelt als Udo Lindenberg, hüpft wie Otto, er gibt spitzmäulig die linksbewegte Frau Mama und mutiert am Ende sogar zum kraftmeiernden „Macho Man“. Doch was Aylin wirklich will, ist der Daniel, wie er wirklich ist: unsicher, lustig, streichelsanft.

Im Theaterei-Zelt ist unter der Regie von Erik Rastetter eine fröhliche Nummernrevue einer deutsch-türkischen Liebe zu sehen, die zwei Stunden lang sehr zuverlässig Pointen aus der Vielzahl von Missverständnissen und Klischees zwischen Deutschen und Türken zieht. Wenn auch nicht alles durchweg überzeugt, so macht doch Djurovics engagiertes Spiel eventuelle Flachheiten wett.

Man leidet und freut sich mit seinem Daniel, der zwischen Selbstmitleid, Beglückung und Enttäuschung alle großen Gefühle durchlebt, die ein echter Held durchlebt haben muss.

Nächste Vorstellungen am Freitag, 11., und Samstag, 12. August, jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es unter Telefon 0731/268177.

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