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Ulm

16.03.2017

Ein bisschen Luxus für jedermann

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3 Bilder
Mitten in der Kunst: „Kunstschimmer“-Organisator Stefan Grzesina. Hinter ihm Bilder der Künstlerin Martina Hamrik, die für diese eine eigens patentierte Schlaufen-Technik benutzt.
Bild: Dagmar Hub

Beim fünften „Kunstschimmer“ in der Donauhalle präsentieren sich rund 70 Künstler einem breiten Publikum. Daneben zeigt eine bekannte Folk-Rock-Musikerin ungeahnte Talente.

Doch, die Frühjahrsmesse „Leben – Wohnen – Freizeit“ und die ihr angeschlossene Kunstmesse „Kunstschimmer“ passen zusammen, findet Romain Burgy. Kunst sei eben das kleine Bisschen Luxus im Wohnen, das ein Zuhause persönlich macht. Mit der Galerie „Alpha 7“, in der auch der Kölner Künstler ausstellt, ist erstmals eine Galerie beim „Kunstschimmer“ vertreten. Burgy ist stolz darauf, bei diesen Ersten zu sein. „Der Hunger nach Kunst ist groß“, sagt er, und Kunstschimmer-Gründer Stefan Grzesina stimmt ihm zu: Die Messe-Besucher nehmen sich seiner Erfahrung nach viel Zeit für den Bereich der Kunst auf der LWF, und manch einer kommt inzwischen eigens wegen dieser Kunst.

„Wir sind inzwischen auf Profi-Level angekommen“, konstatiert Grzesina die Veränderungen, die der „Kunstschimmer“ in den letzten fünf Jahren durchlaufen hat. „Wir müssen uns vor keiner Kunstmesse mehr verstecken.“ Auch die Verkäufe haben zugenommen; das Konzept junger, zeitgenössischer Kunst zu erschwinglichen Preisen geht auf. Wer etwa 300 Euro investiert, bekommt Attraktives und Dekoratives für sein Zuhause. „Das kommt bei den Leuten richtig gut an.“ Entscheidend für die meisten Künstler sei aber ein anderer Faktor: das Netzwerk, das entsteht, wenn 70 Künstler neun Tage lang zusammen sind. „Das ist eine Chance, die ist unersetzlich.“

Grzesina ging von der anfänglichen Labyrinth-Struktur der Kunstmesse weg: Das aktuelle, klassische Konzept weist den Teilnehmern die Bereiche fairer zu; keiner soll fast unauffindbar seine Werke zeigen müssen. So geht der Messebesucher an einer großflächigen, bunten Unterwasser-Szenerie vorbei, trifft auf utopisch-graue Städte, denen erst Farbe Leben gibt, und entdeckt die von Renaissance-Malern inspirierten Szenen des Heidenheimers Matthias Wunsch. Konsumkritik und Computerkunst, die surrealistischen Brezel-Objekte des Beuys-affinen Jürgen Roesner und die großformatigen Arbeiten von Martina Hamrik, die sich für ihre Darstellung von Körpern im Wasser eine speziell entwickelte Schlaufen-Technik patentieren ließ, beschäftigen die Fantasie.

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Froh ist Organisator Grzesina angesichts der enormen Vielfalt, die die Arbeiten der teilnehmenden Künstler aus vielen Bereichen auf 1000 Quadratmetern zeigen, dass er nicht als Juror des erstmals ausgelobten Donau-Kunstpreises tätig sein musste. „Ich hätte mich wahnsinnig schwer getan, mich zu entscheiden“, gibt er zu. Die Jury verlieh die mit 1000 Euro dotierten Auszeichnung an den Kölner Stephan Hörnig, der mit der Aussage seiner Werke – er stellt beispielsweise das Handy als Erlöser am Kreuz der Gegenwart dar – wie mit der Hängung seiner Malerei und Collagen überzeugte. Den Sonderpreis erhielt die junge Polin Aldona Siech, aus deren Arbeiten die Beziehung zwischen Mensch und Tier spricht.

Außerhalb vom „Kunstschimmer“ und auf großer Fläche zeigt Barbara Clear ihre Kunst. Die 52-jährige Folk-Rock-Sängerin hat sich in den vergangenen Jahren stark der Malerei zugewandt. Auf der LWF sind Werke zu sehen wie jenes Porträt eines Elefanten, aus dessen grauem, faltigen Gesicht das bernsteinfarbene Auge den Betrachter mit großer Lebendigkeit anzuschauen scheint. „Ich male gern Lebewesen“, sagt die Künstlerin, die in der Nähe von Passau lebt und dort eine eigene Galerie hat. „Und sie werden lebendig durch die Augen.“ Messe-Besucher können Clear noch bis kommenden Sonntag jeden Mittag beim Live-Malen zuschauen und täglich ein auf diese Weise vor dem Publikum entstandenes Bild erwerben, das mit einem Preis von 350 Euro deutlich günstiger ist als jene Kunst, an der sie sonst Monate arbeitet.

Beim Malen vergesse sie die Menschen um sich herum vollständig, sagt die Künstlerin, die seit 2006/07 auch Kunst auf Porzellan für Seltmann Weiden macht. Nebeneinander sind das großformatige Werk „Traumfrau“ und das Geschirrstück, auf das das Bild im Kleinen übersetzt wurde, zu sehen. „Freestyle“ heißt eine Serie von Cappuccino- und Espresso-Tassen, in leuchtenden Rottönen gehalten, „für die ich sogar selbst zur Espresso-Trinkerin werden könnte“, sagt Clear lachend. Eigentlich mag sie Espresso nämlich nicht, sondern lieber Tee. Für den gibt es die große „Traumfrau“-Tasse: „Zum Kuscheln“.

Der fünfte „Kunstschimmer“ läuft bis Sonntag, 19. März. Der Eintritt ist in dem zur Frühjahrsmesse „Leben – Wohnen – Freizeit“ enthalten. Öffnungszeiten: 10 bis 18 Uhr.

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