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08.09.2008

Ein fast perfekter Mord: Giftattacken mit Arsen

Den fast perfekten Mord gibt es angeblich nicht, einem 30 Jahre alten Justizbeamten ist er um ein Haar gelungen. Er hat die Eltern seiner Freundin mit Arsen vergiftet. Mit viel Glück überleben die beiden den Giftanschlag, sind aber schwer gezeichnet. Geschehen ist die Tat vor sieben Jahren.

Was treibt den damals 30-Jährigen zu der heimtückischen Tat? Eine Frage, auf die auch das Gericht eine Antwort sucht. Der Mann kommt nach der Wende aus der ehemaligen DDR über Umwege nach Illertissen. Zu Hause hatte er keinen Halt. Der Vater sitzt in Bautzen im Gefängnis, die Mutter lehnt ihn ab und hat keinerlei Interesse an ihrem Sohn. Von Liebe bekommt der junge Mann nichts mit.

Er landet schließlich im Justizdienst beim Amtsgericht in Neu-Ulm. Ausgerechnet dort lernt er sein späteres Opfer kennen. Sie schließen zunächst Freundschaft. Dann lernt er die Tochter seines Arbeitskollegen kennen. Obwohl er homosexuell veranlagt ist, entwickelt sich eine Beziehung. Er darf schließlich in das geräumige Haus in Vöhringen einziehen. Die Eltern werden bald misstrauisch. Beim Vater der jungen Frau keimt der Verdacht auf, dass sein Kollege wohl homosexuelle Absichten verfolge. Auch die Frau hatte derartige Gefühle.

Es gibt deshalb immer wieder Ärger in der Familie. Die Situation eskaliert 1999, als die Hausherrin unter einem Sonnenhut über dem Ehebett eine Wanze und eine Videokamera entdeckt, mit der sie bespitzelt wurden. Daraufhin muss der junge Justizbeamte das Haus verlassen. Doch der hatte sich längst einen Nachschlüssel machen lassen und schleicht immer wieder ins Haus. Dort mischt er Arsen in das bereitgestellte Abendessen und in verschiedene andere Lebensmittel. Eine Tüte voll des Giftes habe er bei einem Unbekannten in Ulm gekauft, sagt er später.

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Im November 2000 wird dem 51-jährigen Justizinspektor nach dem Essen übel, im Dezember geht er mit akuten Vergiftungserscheinungen zum Arzt. Dort fliegt der Mordanschlag auf. Glücklicherweise kennt der Hausarzt die Symptome einer Arsenvergiftung, musste sich aber von Facharztkollegen auslachen lassen, weil Arsen inzwischen out sei für Giftattacken.

Aber er behält recht. Untersuchungen ergeben, dass sich im Körper Arsen nachweisen lässt. Die Opfer seiner Giftattacken sind gesundheitlich schwer angeschlagen, vor allem der Mann ist schwer krank und muss 16 Wochen lang in die Klinik. Die Kripo wird eingeschaltet und überwacht die Küche des Hauses mit einer Videokamera. Die verdeckten Fahnder müssen nicht lange warten. Schon am Zweiten Weihnachtsfeiertag kommt der Täter und verstreut erneut Gift auf Lebensmittel. Noch am gleichen Tag wird er festgenommen.

Bei einer Wohnungsdurchsuchung finden die Kriminalbeamten Pornomagazine mit nackten Männern und mehrere Videoaufzeichnungen, darunter auch von der Toilette der Neu-Ulmer Staatsanwaltschaft. Der 30-Jährige wird vom Memminger Schwurgericht wegen zweifachen versuchten Mordes zu 13 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

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