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Roggenburg

13.04.2015

Ein ganzes Schwimmbad voller Milch

Früh übt sich: Die sechsjährige Leonie Herzog greift beherzt zu, wenn es darum geht, Käse herzustellen.
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Früh übt sich: Die sechsjährige Leonie Herzog greift beherzt zu, wenn es darum geht, Käse herzustellen.
Bild: mde

Großer Andrang herrschte am Wochenende bei der Käserei in Schießen. Dort feierten Tausende Besucher mit der Familie Herzog das 20-jährige Bestehen des Betriebs

Die Autos standen in einer Schlange von Schießen bis nach Schleebuch – und machten die Klostergemeinde gestern zu einem zugeparkten Käseland: Über 10000 Besucher aus der Region wollten nach Angaben der Veranstalter allein am Sonntag die Landkäserei Herzog beim ersten Roggenburger Käsefestival besuchen. Dort gab es trotz großen Andrangs viel zu sehen und zu erleben: „Schon hier am Eingang duftet es nach Käse, da bekommt man gleich Appetit“, sagte etwa Rita Berkmüller aus Ichenhausen und machte sich nebst Mann Thomas schnuppernd auf den Weg ins Festzelt. Dort hatte Willi Bertele aus Unterrohr bereits Käsespätzle genossen: „Die waren klasse.“ Und gaben Kraft für die nun anstehende Betriebsführung. Daran nahm auch Beate Schmitt aus Senden teil: „Ich kenne den Käse vom Wochenmarkt und wollte mal sehen, wo und wie der hergestellt wird.“ Und auch Rainer Birzle, Brauer aus Vöhringen, fand die Betriebsführung, die Produktionsabläufe, die Qualitätsstandards und die Produktzahlen des Schießener Unternehmens „beeindruckend und sehr interessant“.

Die Landkäserei Herzog verarbeitet täglich 10000 Liter Milch, ein privater Swimmingpool fasst etwa 50000 Liter Wasser, so Molkereimeister Walter Herzog. „Das heißt, dass wir wöchentlich ein Schwimmbad voller Milch zu konventionellen und Bio-Käseprodukten verarbeiten.“ Mir merklichem Stolz berichteten Herzog und seine Frau Gerlinde den Zuhörern von den Erfolgen ihrer Produkte, etwa der Prämierung der „herzöglichen Käserollen“ bei der Bio-Fachmesse in Nürnberg. „Wer hat denn den Käse nach Schießen gerollt?“, wollte ein Rundgangsteilnehmer wissen und spielte damit auf einen alten Schlager an. „Das waren wir zwei“, antworteten die Herzogs gut gelaunt.

Vor 20 Jahren, im Jahr 1995, hatte Molkereimeister Walter Herzog den Betrieb Wassermann in Schießen übernommen. 2003 wurde eine neue Produktionsstätte errichtet. Der Familienbetrieb, in dessen Leitung inzwischen auch die beiden Söhne Armin und Maximillian eingetreten sind, ist inzwischen auf 45 Mitarbeiter angewachsen. Die Milch für diese Produkte lieferten von Anfang an Bauern aus der Region, zu denen die Herzogs bis heute persönlichen Kontakt pflegen. Er kennt jeden der Höfe, sagte Walter Herzog und wisse deshalb, dass die Tiere der 20 Landwirte artgerecht und sauber gehalten würden.

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In einer „Minikäserei“ auf dem Freigelände konnten die Besucher von Molkereimeister Anton Eß mehr über die Entstehung von Käse erfahren. Die Rohmilch wird erhitzt, mit Milchsäurebakterien und Magenlab vermengt, mit der Käseharfe geschnitten und dann mit einem Tuch abgefischt. Dann folgen Vorkäsen, Waschen, Anwärmen, Nachkäsen, Abfüllen, Wenden, im Salzbad reifen und anschließend monatelanges Lagern in der Reifekammer. Nach diesen Herstellungsschritten handwerklicher Käsetradition landet Herzogs Käse beim Kunden.

In langen Reihen lagern die verschiedenen Käsesorten im Reiferaum. Wie eine appetitliche Armee lagen die Käselaibe nebeneinander – für die Besucher gut sicht- und erschnupperbar. Mit dem Zeichen der Roggenburger Klostertürme versehen, werden sie deutschland- und europaweit versandt. So ist die Schießener Landkäserei zum Botschafter einer ganzen Region geworden. „Wir sind stolz darauf, dass wir den Namen Roggenburg mit unseren Produkten weit über die Landesgrenzen hinaustragen dürfen“, sagen Gerlinde und Walter Herzog, die vom Erfolg ihres Käsefestivals selbst „total überrascht und begeistert“ waren. Die Türme des Klosters passten zum Image ihrer Käserei: Viele Klöster seien Vorreiter in der Herstellung möglichst naturbelassener Nahrungsmittel gewesen, hieß es. Das zeichne auch die Schießener Produktlinie aus.

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