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Illertissen/Landkreis

23.02.2013

Ein grünes Netzwerk der Gartenkultur

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2 Bilder
Auf dem Gelände der Staudengärtnerei öffnet ein einzigartiges Museum.
Bild: Alexander Kaya

Einzigartiges Museum mit rund 10000 Exponaten öffnet an diesem Wochenende erstmals

Von Ralph Patscheider und Sabine Spiegler

Illertissen An diesem Wochenende macht Illertissen einen weiteren Schritt hin zur Museumsstadt. Neben Bienen- und Heimatmuseum öffnet am Wochenende eine Einrichtung, die es so deutschlandweit wohl noch nicht gibt: das Museum der Gartenkultur. Errichtet wurde es – was läge näher – auf der Jungviehweide, gleich neben der Staudengärtnerei Gaissmayer, die bekanntlich mit Veranstaltungen wie der Illertisser Gartenlust schon seit einigen Jahren den Namen der Stadt weit über die Region hinausträgt.

Gärtner Dieter Gaißmayer hat zusammen mit Landschaftsarchitekt Wolfgang Hundbiss und Reinhard Hemmer, einem ehemaligen Chemiker, das einzigartige Museum gegründet. Ihr Ziel ist es, kulturelle Werte und historisches Wissen aus dem weiten Feld des Gartenbaus zu bewahren, wieder zu beleben und daraus gewissermaßen das Saatgut für die Zukunft heranzuziehen.

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„Der Klimawandel und die sich ändernden Lebensformen in unserer Gesellschaft werden dabei wichtige Themen sein“, kündigten die Museumsmacher in einer Pressekonferenz an. Darin haben sie ihr Projekt erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag freuen sich Gaißmayer, Hundbiss und Hemmer auf die ersten Museumsbesucher.

Um ihnen Zusätzliches zu bieten, haben sie einen Markt organisiert, der sich „Frühlingserwachen“ nennt und bei noch frostigen Temperaturen eine leise Vorahnung auf wärmere Zeiten vermitteln soll. Die Idee, ein Museum der Gartenkultur zu bauen, ist vor drei Jahren entstanden. Gaißmayer und Hundbiss veranstalten alljährlich im September gemeinsam die Gartenlust. Vor über zehn Jahren hatten sie auch ein gemeinsames Interesse am Sammeln alter Gartengeräte entdeckt. Hemmer war etwas später hinzugekommen, als er bei Gaißmayer in einem Kurs das Destillieren ätherischer Öle vermittelte.

Seither sammeln sie zu dritt alles, was ihrer Meinung nach zur Gartenkultur gehört. 2010 haben sie eine Stiftung gegründet. Der gehört inzwischen auch der Landschaftsgestalter Caesar Augustus Scheiner an, dessen Ideen beim Aufbau des Museums eingeflossen sind. Scheiner hat aus alten Biberschwanz-Dachziegeln des Schlosses von Biberachzell die Theke der Museums-Cafeteria gebaut.

Die Stiftung hat sich in ihrer Arbeit vier Schwerpunkten gewidmet und diese jetzt im Museum zusammengeführt. Die Stifter nennen die Bereiche „Gartenarsenal“, „Sortenarsenal“, „Gartenbildung“ und „offene Gärten“.

Das „Gartenarsenal“ zeigt historische Geräte und Arbeitstechniken. Mit bald 10000 Stücken ist sie die größte deutsche Sammlung dieser Art. Wolfgang Hundbiss hat einige der Exponate schon auf anderen Ausstellungen gezeigt. Viele der Geräte hat er in Gärtnereien gefunden, die aufgelöst wurden.

Auf den ersten Blick sind es einfache Werkzeuge: Rillenzieher, Jätkrallen, Krümelrechen oder Samenstreuer. Es findet sich auch Besonderes wie ein ausgetüftelter Spaten für Kriegsversehrte. Die Geräte werden nicht nur ausgestellt, sondern das Wissen über deren Weiterentwicklung bis zum praktischen Einsatz heute gleich mitgeliefert und erklärt.

Umgeben ist das 900 Quadratmeter große Museumsgebäude, das einem großen Gewächshaus gleicht, von 1,5 Hektar dazugehörender Freifläche. Dort werden sogenannte Erhaltungsgärten als Refugium alter, vergessener Nutzpflanzen angelegt. In diesem „Sortenarsenal“ werden Pflanzenschätze erhalten, kultiviert und Saatgut vermehrt. Pflanzenkabinette nennen die Museumsbetreiber Parzellen auf der Freifläche mit speziellen Themen. Ein „Formobst-Kabinett“ zum Beispiel soll deutschlandweit einzigartig sein.

Seminare, Vorträge oder Mitmachwerkstätten werden Bestandteil der „Gartenbildung“. Durstige können in der Cafeteria des Museums verweilen, Wissensdurstige finden gleich im Anschluss eine Bibliothek mit rund 1600 Exemplaren mit zum Teil über 100 Jahre alten Büchern und Gartenzeitschriften.

Das Projekt „offene Gärten“ soll grüne Schätze im süddeutschen Raum dokumentieren. Dahinter verbergen sich sehenswerte öffentliche und private Parks und Gärten, die nach Rücksprache mit den Besitzern besucht werden können. So wollen Gaißmayer, Hundbiss, Hemmer und Scheiner das Netz der Gartenkultur weiterknüpfen.

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