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Ulm

10.11.2015

Ein hartes Stück Arbeit für Flüchtlinge

Die Agentur für Arbeit will möglichst viele Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren. Dazu gibt es eine Reihe von Maßnahmen.
Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolfoto)

Die Ulmer Agentur für Arbeit fördert und qualifiziert Asylbewerber, damit sie Chancen auf einen Job bekommen. Bis die ersten ausgebildete Fachkräfte sind, werden aber noch Jahre vergehen.

Die Bundesagentur für Arbeit schätzt, dass etwa 80 Prozent der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, keine Ausbildung haben. Für Ulm liegen noch keine Zahlen vor, aber die zuständige Agentur für Arbeit geht von einer ähnlichen Größenordnung aus. Dass die Asylbewerber auf die Schnelle den Fachkräftemangel in der Region beheben können, hält die Behörde daher für ausgeschlossen. „Flüchtlinge sind sicherlich die Fachkräfte von übermorgen“, sagt Peter Rasmussen, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Ulm. Mit einem Bündel von Maßnahmen soll die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt vorangetrieben werden.

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Dafür sind für Rasmussen drei Schlüsselfaktoren ausschlaggebend: „Eine hohe Bleibewahrscheinlichkeit, beruflich verwertbare Kompetenzen und vor allem ausreichende deutsche Sprachkenntnisse.“ Für längere Zeit hierbleiben werden aller Voraussicht nach Asylbewerber aus Syrien, Iran, Irak und Eritrea. Die Agentur will jetzt erst einmal herausfinden, welche Qualifikationen die Flüchtlinge in Ulm haben und wie darauf aufgebaut werden kann. Drei Vermittler werden als Migrationsfachkräfte eingesetzt. Sie haben Spezialkenntnisse in Asyl- und Aufenthaltsrecht, verfügen über ein hohes Maß an interkultureller Kompetenz und werden demnächst die Gemeinschaftsunterkünfte in Ulm aufsuchen, um die Menschen dort zu beraten und zu informieren.

Über ehrenamtliche Helfer und Sozialarbeiter wollen sie die arbeitswilligen Flüchtlinge identifizieren und ihnen Qualifizierungs- und Bildungsangebote machen. Es gibt beispielsweise den zwölfwöchigen Kurs „Perspektive für Flüchtlinge“, in dem Asylbewerber und Geduldete Kompetenzen für die Jobsuche, wie das Schreiben von Bewerbungen erlernen, aber auch Firmenpraktika vermittelt bekommen. Über ein einmaliges Paket der Bundesagentur für Arbeit werden außerdem Sprachkurse gefördert.

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Für interessierte Arbeitgeber gibt es einen eigenen Service der Agentur, der über die Zugangsmöglichkeiten von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt informiert. Denn Unternehmer müssen die rechtlichen Einschränkungen und Vorgaben beachten. Auch bei einem unverbindlichen Schnupperpraktikum hat die Ausländerbehörde ein Wörtchen mitzureden. Einige Unternehmen in Ulm haben ihre grundsätzliche Bereitschaft, Flüchtlinge einzustellen, kundgetan. Konkrete Arbeitsangebote könne man aber an einer Hand abzählen, sagt Bereichsleiterin Christine Landskron. Realistisch betrachtet werde es einige Jahre dauern, bis die ersten Flüchtlinge solide in den Arbeitsmarkt integriert seien. Davor sind Sprachkurse und eine – eventuell auf 24 Monte verkürzte – Ausbildung in den meisten Fällen unabdingbar.

Die Migrationsbeauftragte Anna Wüstefeld geht davon aus, dass viele Flüchtlinge schnell Geld verdienen wollen und daher Helferjobs anstreben, beispielsweise in der Hotel- und Gaststättenbranche oder im Reinigungsgewerbe. Doch die Hilfsjobs sind in der Region ohnehin schon dünn gesät.

Im Oktober hatten 44,6 Prozent der Arbeitslosen in Ulm keinen Berufsabschluss. Kommen weitere Menschen ohne Ausbildung dazu, gibt es ein Überangebot im Helferbereich. Deshalb ist es aus Sicht der Arbeitsagentur langfristig sinnvoller, Flüchtlinge aus- und weiterzubilden. Viele der Asylbewerber sind jung. Das Durchschnittsalter liegt bei 23 Jahren. Und in einigen Branchen werden Lehrlinge händeringend gesucht.

Bis erste Erfolge der Integration sichtbar werden, brauchen alle Beteiligten aber noch Geduld. Für das nächste Jahr geht Peter Rasmussen zunächst von steigenden Arbeitslosenzahlen aus.

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