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Ulm

30.05.2014

Ein heißer Ritt im Klosterhof

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Heiße Ritterturniere, Gaukler, viele Marktstände und ein buntes Lagerleben bietet der Mittelaltermarkt im Kloster Wiblingen, der noch bis Sonntag, 1. Juni, geöffnet hat.
Bild: Alexander Kaya

Ritterturniere, Lagerleben und vielfältige Handwerkskunst sind in Wiblingen geboten. Sogar ein Buchdoktor ist mit von der Partie.

Diethelm Büscher ist einer jener, die begeistert auf Mittelaltermärkten der Republik ihre Stände aufstellen. Er liebt diese Zeitreisen. „Buchdoktor“ nennt er sich. Er bindet Bücher und restauriert sie, was er auch im wirklichen Leben tut. Zum Angebot Büschers gehören zusätzlich Ablassbriefe, wie sie der Dominikanermönch Johann Tetzel einst verkaufte – mit Originaltext aus dem Jahr 1486, aber Büscher hat auch besondere Formen des Ablasses auf Lager, vom Vergessen des Hochzeitstages bis zum zu schnellen Autofahren. Einmal, erzählt er lachend, hat ihm ein solcher Ablassbrief sogar selbst geholfen – beim Markt in Kiel, gegen Falschparken. Den Strafzettel musste er jedenfalls nicht bezahlen.

Auch der Züricher Peter Schmidt macht im wirklichen Leben das, was er auf dem Mittelaltermarkt in Filzhosen und weitem Hemd tut: Er ist tatsächlich Papiermachermeister und zeigt seinen Besuchern, wie handgeschöpftes Büttenpapier mit Wasserzeichen entsteht. Aus Wasser und Holzfasern macht er das Papier auf dem Wiblinger Mittelaltermarkt. Auf den Knochenleim, der das geschöpfte Papier tintenbeständig macht, verzichtet Schmidt auf den Märkten, sodass sich sein frisch geschöpftes Papier wie Löschpapier anfühlt. Wie teuer Papier im Mittelalter war, erklärt Schmidt staunenden jungen Besuchern: 500 Blatt besaßen den Wert von zwei Hosen und drei Hemden, weswegen man wirklich nur den beschriebenen Teil des Papiers verschickte. Aber dieses Papier wurde nicht aus Holzfasern gemacht, sondern aus Fasern abgetragener Kleidung.

Sein eigenes Seil schlagen und ein Feuer entzünden

Viele der Handwerker im Wiblinger Klosterhof lassen fast vergessene Handwerke aufleben, oft können sich die Besucher sogar selbst beteiligen: Man kann sein eigenes Seil schlagen und ausprobieren, wie aus Baumwolle mit einem Zündstab und einem Feuerstein bei geschickter Handhabung schnell Flämmchen lodern. Nico Runge steht mit nacktem Oberkörper vor dem Amboss in seiner Hütte und schmiedet Nägel, der Münchner Fritz Hirsch zeigt, wie eine mittelalterliche Drehleier, eine sogenannte Symphonia, hergestellt wurde und funktioniert. Mittelalterliches zu essen und zu trinken gibt es reichlich – vom Met bis zum Rosenblüten-Federweißen. Thüringer Mutzbraten wird nicht nur über dem offenen Feuer gegrillt, sondern auch noch angeräuchert. Dass Caipirinha und Mango-Softeis Eingang ins Mittelalter finden, verwundert ein bisschen, aber Abnehmer finden auch diese Angebote.

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