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Musik

12.12.2017

Ein tanzbarer Auftritt

Tini Prüfert überzeugte beim „Twisted Tango“-Abend im Theater.
Bild: D. Hub

Tini Prüfert überzeugt beim „Twisted Tango“-Abend im Theater Ulm. Da hält es auch das Publikum nicht lange auf den Stühlen

Ihr erster Auftritt als Tango-Interpretin war ein Experiment, sagt Schauspielerin Tini Prüfert. Doch was für ein Experiment! Bei Astor Piazzollas „Balada para mi muerte“ ging Prüfert so sehr in Rhythmus und Text auf, dass das Publikum nur noch jubeln konnte. So unterschiedlich die Palette der gesungenen Tangos aus verschiedenen Erdteilen und unterschiedlichen Epochen des Tango beim „Twisted Tango“-Abend im Theater Ulm war, die die Tango-Novizin Tini Prüfert mit Wolfgang Lackerschmid zusammengestellt hatte, so überzeugend war der Einsatz der 43-Jährigen, die von Veit Hübner am Kontrabass und von Philipp Solle am Piano begleitet wurde.

Es ist der Abend vor dem argentinischen „Tag des Tango“, der den inzwischen zum imaginären Weltkulturerbe ernannten Tanz ehrt: Streng in Schwarz gekleidet, strenger Haarknoten – optisch verkörperte Prüfert diese Aspekte des Tango; ihre Stimme und der Augenaufschlag fügten die Laszivität und Verführung des Tanzes hinzu.

Doch was ist Tango eigentlich wirklich? Ist es der ursprüngliche Tango Argentino, der sich im 19. Jahrhundert von Buenos Aires aus in der Welt verbreitete, der europäische Tango, der zum Standard-Repertoire von Tanzschulen gehört, oder der oft nicht mehr im traditionellen Sinn tanzbare Tango, wie ihn Astor Piazzolla als Musik zum Zuhören entwickelte? Prüfert wagte sich an diese breite Palette der Interpretationsmöglichkeiten – und sie überzeugte, wenngleich es klug war, bei Edith Piafs Tango „La foule“ auf den Versuch zu verzichten, die wehklagende Hoffnungslosigkeit und Schwermut nachzuahmen, zu der die in einem Bordell aufgewachsene Piaf fähig war.

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Und all die europäischen Balladen und Lieder, die sich in der Nähe des Tango bewegen, aber nicht wirklich Tango sind? Tini Prüfert setzte sich auch mit ihnen auseinander – mit Kurt Weills zur heimlichen Hymne der Résistence gewordenen Tango-Habanera „Youkali“ beispielsweise und damit, dass auch Cole Porter für sein Musical „Kiss me, Kate“ tangoartige Melodien verwendete.

Vor einer unbeantwortbaren Frage hatte Prüfert im Vorfeld des Experiments Angst: Würde das Publikum das Angebot und das Theaterfoyer als Tango-Tanzfläche nutzen? Das tat es den ganzen Abend lang, im Schummerlicht, egal ob für den großen Auftritt gekleidet oder ganz alltäglich. Und für die, die zwischen und nach Prüferts Auftritten weitertanzen wollten, legte Ulms früherer Baubürgermeister Alexander Wetzig, „Mr. Donautango“, Tangos auf – auch Schellack-Aufnahmen wie jene des 1935 bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommenen Tango-Sängers und Komponisten Carlos Gardel. Zu dessen Tangos wie „Mi Buenos Aires querido“ wird aus Gründen der Achtung und der Verehrung seit seinem Tod nicht getanzt. Und genau so hielt Wetzig es auch im Theater. (köd)

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