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Gespräch

22.02.2018

Eine Außenseiterin mittendrin

Julia Krause-Harder im Gespräch mit Kurator Raimund Kast.
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Julia Krause-Harder im Gespräch mit Kurator Raimund Kast.

Julia Krause-Harder, die Schöpferin der gewaltigen Dinosaurier-Skulpturen im Stadthaus, erklärt ihre künstlerische Arbeit

Die Dinosaurier sind wahrscheinlich der größte Hingucker bei der Ausstellung „Das Beste aus allen Welten“ im Stadthaus, die noch bis 4. März Arbeiten aus dem Atelier Goldstein der Lebenshilfe Frankfurt zeigt. Sie stammen von der 1973 geborenen Asperger-Autistin Julia Krause-Harder, die dafür „Sachen, die nichts damit zu tun haben“ verwendet. Ihr Werkstoff sind Teile aus dem Baumarkt, wie Metallplatten oder Kabelbinder, aber auch einfach alles, was ihr dafür geeignet scheint. So bildet sie neben „Jungtieren“ mit bis zu vier Metern Höhe auch Flugsaurier mit bis zu vier Metern Spannweite und einem Pelz aus Flokati.

Naiv oder kindlich ist die Outsider-Künstlerin Krause-Harder nicht. Im Künstlergespräch mit Kurator Raimund Kast in den Räumen der Museumsgesellschaft Ulm spricht sie frei und klar vor gut 60 Besuchern. Diese betrachten die 43-Jährige allerdings eher distanziert und gönnerhaft. Bei der Foto-Präsentation ihrer Werke kommt ein wohlwollendes „hmmmm“ oder „aaaah“, wie man es eher einem Kind als Bestätigung zufliegen lässt. Auch Interviewer Kast tut sich zunächst ein bisschen schwer, einen Zugang zu Krause-Harder zu finden, stellt aber die richtigen Fragen.

So fing die Künstlerin mit neun Jahren an zu stricken, frei und ohne Muster. Auch in diesem Feld hat sie Fantastisches hervorgebracht: knallbunte Pullover mit Ländermotiven wie Kanada, Karibik oder Kuba. Auch Teppiche fertigt sie an, surreale Muster, die sie lässig erklärt. Gelernt hat sie Textilfachfrau und Schreinerin. Anknüpfend an die Pullover plant sie, eine Weltkarte zu bauen: „Die ganze Welt will ich machen!“ Auch mit dem Kosmos hat sie sich schon beschäftigt. „Ein Künstler muss vielseitig sein.“

Und das ist sie. Auf die Publikumsfrage, ob sie sich irgendwoher inspirieren lässt, antwortet sie beinahe verärgert, dass sie nie kopieren würde: „Was in mir vorgeht auszudrücken, das ist Kunst. Jeder Künstler braucht seinen eigenen Charakter, seinen eigenen Stil!“ Verblüffend, wie sie alle Anwesenden an die Wand spielt. Interessant auch die Publikumsfrage, ob der Begriff „Outsider Art“ für Kunst von Autodidakten mit Psychiatrie-Erfahrung oder geistigen Erkrankungen nicht längst überholt sei. Das ist er wohl. Nur ist die Kunstwelt eben doch sehr verhärtet. Und das liegt nicht unbedingt an denen, die Kunst erschaffen.

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