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Konzert

16.01.2014

Eine Diva aus dem Untergrund

Starkes Duo: Tonia Reeh und Schlagzeuger Rudi Fischerlehner.
Bild: Golling

Die Berliner Musiker Tonia Reeh im Sauschdall

Ulm Das sich immer wieder neu Erfinden ist ein fester Bestandteil der Pop-Rhetorik. Für Tonia Reeh ist es freilich mehr als nur cleveres Marketing: Die Berliner Musikerin hat sich als Monotekktoni mit krachigem und manchmal auch wütendem Elektro-Pop einen Namen gemacht – und tauchte plötzlich unter ihrem echten Namen völlig verändert wieder auf. Als Tonia Reeh war sie nun auch im Sauschdall zu Gast, und erntete für ihre noch junge, aber sehr reife Seite viel Applaus.

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Die Spuren von Monotekktoni hat Reeh in ihren neuen Songs, die sie in Ulm am Klavier, zusammen mit dem souverän zwischen swingender Lässigkeit und müheloser Präzision wechselnden Schlagzeuger Rudi Fischerlehner interpretierte weitgehend getilgt: Die Bezüge sind nun cooler Barjazz, Blues, aber auch die Klaviermusik der klassischen Moderne, die sich vor allem in den wolkig aufgelösten Akkorden der Stücke zu erkennen gibt. Die Punk-Attitüde, die Reeh in ihrer Musik als Monotekktoni explizit vor sich her- trug, versteckt sich nun gleichermaßen in den Ritzen. Stattdessen dominiert nun eine dunkle Gelassenheit im Wechsel mit flott getakteten Boogie-Passagen: Hier sitzt eine gereifte Musikerin am Klavier, die schon viel erlebt, aber längst nicht alles gesagt hat.

Man könnte nun leicht ihre Songs für ein wenig zu gediegen halten, wären da nicht die kleinen Störfaktoren, die kleinen, aber heftigen musikalischen Ausbrüche, die Momente, wenn die Texte plötzlich doch ganz deutlich auf den Punkt kommen: „I hate to entertain you, so please entertain yourself“, singt Reeh in einem Stück. Eine Pop-Ikone wird aus der Krach-Künstlerin nicht mehr. Eine interessante Musikerin bleibt sie aber auch in ihrer neuen Rolle – das Zeug zu einer Untergrund-Diva hat die ausgebildete Pianistin und Tochter eines Opernsänger-Ehepaars allemal. (mgo)

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